PC & Ethik

Der Computer ist die logische Weiterentwicklung des Menschen: Intelligenz ohne Moral.

– John Osborne

Das stimmt so nicht wirklich.

Intelligenz ist nicht (!) identisch mit Vernunft.
Und Vernunft ist nicht identisch mit Weisheit!

Die Vernunft ist ein abstraktes menschliches Konstrukt – die Intelligenz nicht, die gibt es wirklich. Letztere kennt seehr viele Ausdrucks-Formen. Der intellektuell oder rational funktionierende Verstand mit seinen Möglichkeiten… ist nur eine davon.

Gemeint ist hier: Der nach logischen und zweckorientierten Konzepten („vernünftig“) funktionierende menschliche Verstand.

Der Computer ist nicht eine Weiterentwicklung des Menschen, sondern nur eine Fortführung der Möglichkeiten der logischen Sparte des Verstandes auf technischer Ebene.

Und ja, eine Moral spielt hier keine Rolle. Die Maschine kennt kein Gewissen, denn dazu bräuchte sie erstens: Wahlfreiheit.

Die ethischen Parameter bleiben an den Konstrukteur gebunden, bzw. stehen in Relation zur Geistigen Reife derer, welche die Programmierungen beauftragen und damit verantworten.

Eigensinn

Aller Eigensinn beruht darauf, daß der Wille sich an die Stelle der Erkenntnis gedrängt hat.

– Arthur Schopenhauer

Eine passende Definition für das Ego.

So geschieht es, wenn das Ego mit Macht nach vorne drängt,
Wahrheit und Erkenntnis aber weit zurück gelassen werden.

Das beschreibt den Unterschied zwischen der Kleinkind-Reife (2) und dem höheren Grad an Geistiger Reife, den wir Weisheit (6) nennen.

Schon mal aufgefallen? Auch bei noch kleinen Kindern blitzt gerne mal die Weisheit durch. Nur wissen die gar nichts davon und werden dann ausgelacht. Warum? Weil Weisheit bei uns unbekannt ist (wir sehen nur, was wir erwarten).

Das aktive (maskuline) „Ich will!“ und „Ich werde!“ in Verbindung mit „Erfolg“ stehen höher im Kurs, als die rezeptive (feminine) Bereitschaft für Erkenntnis.

Das „ICH denke!“ klingt lauter und
wichtiger, als… Erkenntnis gewinnen.

Der edle Mensch ist festen Sinnes,
doch eigensinnig ist er nicht.

Konfuzius

Grenzen des Verstehens

Es hört doch jeder nur, was er versteht.

– Johann Wolfgang von Goethe

Wir können nur verstehen,
was wir verstehen können.

Mehr nicht. Vorwürfe aller Art… können daran nichts ändern. Man mag es bedauern oder sogar beklagen, das nützt aber nichts: Was nicht verstanden werden kann, wird nicht verstanden.

  • Erstens haben wir von einander verschiedene Verstände (nicht jeder Verstand kann jede Aufgabe gleich gut lösen).
  • Zweitens befinden wir uns nicht immer zeitgleich auf dem selben Stand der Geistigen Reife.

Wenn z.B. jemand gerade auf der weisen Ebene (6) spricht und ich mich zur selben Zeit im Ego, auf der Kleinkind-Stufe (2) aufhalte, kann ich nicht verstehen. Um verstehen zu können, muß ich die Ebene wechseln und mindestens den Erwachsenen-Modus (4) einschalten – andernfalls…  keine Chance.

Umgekehrt ist es nicht anders: Befinde ich mich im Erwachsenen-Modus (4), der andere besteht aber auf der Baby-Position (1), gibt es ebenfalls keine Möglichkeit, zu verstehen.

Das Größere kann das Kleinere
verstehen, doch nicht vice versa.

Wollen wir Bedeutenderes verstehen, müssen wir uns zu den etwas höheren Bereichen hin öffnen, anders läuft es nun mal nicht. Beispielsweise kann sich Wahrheit gelegentlich (sofern hilfreich) der Logik bedienen – aber nicht umgekehrt.

Die Logik ist ein nur sehr kleines, für einfache Aufgaben nützliches Hilfskonstrukt; Wesentliches aber… ist durch ihre Nutzung nicht zu begreifen.

Reife  📌

Zeit stehlen?

Es gibt Diebe, die nicht bestraft werden und dem Menschen doch das Kostbarste stehlen: Die Zeit.

Napoleon Bonaparte

Sie sind halt ein Kontroll-Freak, M. Bonaparte. Sie haben Vorstellungen davon, wie etwas sein soll und erwarten von möglichst allen, mit denen Sie es zu tun haben, daß diese gefälligst sofort nach Ihrer Triller-Pfeife tanzen.

Befehl + Gehorsam !
So haben Sie es am liebsten.

Vom rangniederen Soldaten können Sie ihn noch erwarten, auch von den Offizieren, aber dann wird´s schon etwas schwieriger. Denn denen, die mit Ihnen auf Augenhöhe sind, müssen Sie schon anders kommen als mit Druck und Drohung und hier fühlen Sie sich sehr schnell ohnmächtig 😮 und das stinkt Ihnen.

Beratungen brauchen Zeit und zudem bringen alle Beteiligten auch noch ihr Ego mit ins Spiel. Da fühlen Sie sich sehr schnell bestohlen. Aber – vielleicht tröstet Sie das ja ein bißchen – es gibt gar keine Zeit. Sie ist lediglich eine Idee unseres Verstandes, der sich als ein Meister der Linearität zeigt.

Wenn Sie Ihren Blick etwas schärfer fokussieren, können Sie es selber deutlich sehen: Zeit ist – wie alle Hirngespinste – nicht stibitzbar.

Zeit… ist vor Diebstahl sicher, weil es sie gar nicht gibt.
Erfolg… ist ein anderes Hirngespinst.
Macht… ein weiteres.

Ist ein Segel mächtig oder erfolgreich,
weil ein Sturm es zum Reißen bläht ?

Es sind die vermeintlich Mächtigen, die
ihre Ohnmacht am deutlichsten spüren.

Willensfreiheit

Wir müssen an den freien Willen glauben. Wir haben keine andere Wahl.

– Isaac Bashevis Singer

Isaac Bashevis: „We have to believe in free will.“

Im täglichen gesellschaftlichen Leben kommen wir weitgehend mit dem Glauben an den freien Willen klar. Auftretende Ungereimtheiten biegen wir mit Hilfe der Vernunft schon irgendwie zurecht.

Aber manchmal, wenn plötzlich Unerwartetes oder Ungeplantes geschieht oder wenn wir selber einfach mal sehr genau hinsehen, müssen wir erkennen, daß „free will“ nur ein liebgewonnener Glaube ist, eine Annahme, eine Idee.

Aber: „We’ve got no other choice.“ Die Annahme als Notwendigkeit.

Einwand: „Ein wunderbar humorvolles Paradoxon!“

Der Satz des Isaac Bashevis Singer ist nur so lange ein Paradoxon, wie wir auf der (logischen) Ebene bleiben. Sobald wir die Vertikale einbeziehen, verschwindet es.

Um im sozialen Gewusel zurecht zu kommen, brauchen wir die Annahme, daß es so etwas wie den „freien Willen“ gibt und müssen also praktischerweise an seine „Existenz“ glauben.

Auf einer höheren Ebene, auf einer ober- oder überlogischen Ebene, einer Ebene jenseits des logischen Denkens ist klar: Es gibt gar nicht das, was wir den „freien Willen“ nennen.

Auf der einen Ebene muß es ihn geben, ist der Glaube an ihn lebensnotwendig, auf der anderen Ebene wissen wir es besser. Aber das Besserwissen ändert nichts an der Tatsache des Erfordernisses der Idee vom freien Willen.

We have to believe in free will.
We’ve got no other choice.

– Isaac Bashevis Singer –

Wir haben keine andere Möglichkeit, als auf der sozialen (!) Ebene an die Idee, wir hätten so etwas wie einen „freien Willen“, zu glauben – ob es ihn tatsächlich gibt oder nicht.

Es gibt Dinge, die können wir nur „verstehen“, wenn wir die Vertikale einbeziehen. Aber welcher „Intellektuelle“ mag schon seine geliebte Logik als kleiner ansehen, als er sie bisher gedacht hatte?

Einwand: „Glaube ist auf keiner Ebene lebensnotwendig!“

Siehst du doch mal etwas genauer hin, kannst du sehen, daß du täglich hunderten von Glaubenssätzen folgst. Damit sind natürlich keine religiösen Glaubensbekenntnisse gemeint, sondern die vielen Annahmen und Vermutungen, aufgrund derer du den nächsten Schritt tust, den nächsten Handgriff erledigst, die nächste Entscheidung triffst… Das alles macht dein Verstand, ohne daß „du“ gebraucht wirst, ohne daß du die kleine intellektuelle Ecke auch nur aufwecken müßtest.

Wie willst du denn ohne den Glauben an einen freien Willen eine Entscheidung treffen? Eine Entscheidung triffst du auf der Basis der Annahme, daß du einen freien Willen hast. Auch für dich ist der Glaube an die Idee vom freien Willen lebensnotwendig.

Einwand: „Mir ist nicht ein Quantenphysiker bekannt der so blind und anmassend wäre zu behaupten, er hätte die Quantenphysik verstanden.“

Und was willst du damit sagen? Daß du viele Quantenphysiker kennst? Oder daß diese „Physik“ nicht verstehbar ist? Was ein Mensch verstehen kann, ist grundsätzlich vom Menschen verstehbar. Natürlich gibt es Unterschiede in der Fähigkeit des Verstandes, die nicht willentlich (z.B. durch Lernen, Training, Ehrgeiz) wesentlich verändert werden können:

Der eine kann sehr gut Farben sehen, der andere nicht oder nur eingeschränkt. Das gilt auch für räumliches Vorstellungsvermögen, das entweder vorhanden ist oder nicht, für die Fähigkeit, Gesehenes oder Gelerntes effizient zu speichern und zu erinnern oder nicht, für die unterschiedliche Fähigkeit, Mitgefühl empfinden zu können, für die Fähigkeit, Ironie verstehen zu können. Der eine kann gut mit Zahlen und mit Logik, ein anderer Verstand zeigt mehr Fähigkeiten im kreativen Bereich und noch viele andere… grundsätzlich zu unterscheidende Voraussetzungen.

Einwand: „Die Richtigkeit ist nicht bewiesen.“

Du spricht hier auf der Ebene der Logik – ohne die Vertikale einzubeziehen. Etwas Ober- oder Überlogisches kann nicht bewiesen werden, weil das Werkzeug „Beweis“ nur auf der niedrigeren Ebene funktioniert, nämlich auf der der Logik.

Vertikale, Horizontale, freier Wille, Nirmalo,

Etwas ist nicht allein deshalb wahr oder unwahr, weil
es logisch bewiesen oder nicht bewiesen werden kann.

Und wenn du wissen willst, ob du tatsächlich einen freien Willen hast oder ob du das bloß glaubst, kannst du in die Vertikale gehen, auf eine etwas höhere Ebene – oder die Neurologen fragen. Doch das wäre dann schon wieder die niedrige Ebene. Denn deren Aussagen mußt du leider wieder… glauben. 😎

Das Eine oder Andere ist klar ersichtlich. Für Jedermann.


Freier Wille?

In Gesellschaften fungiert die Idee des
freien Willens als ungenanntes Axiom.

Das gesamte Justizwesen z. B. basiert stillschweigend auf diesem Axiom, daß es ihn nämlich grundsätzlich gebe, den freien Willen und jedem gesunden Menschen bewußt sei. Ohne die vorausgesetzte Annahme seiner „Existenz“ ist jedes Sanktions-System hinfällig. Allein der Begriff Schuld setzt den freien Willen voraus. Und der Begriff Sühne „existiert“ erst auf der Basis der Idee von Schuld.

Sühne setzt Schuld voraus.
Schuld setzt Willens-, Entscheidungs- und folgend Handlungsfreiheit voraus.

„Ehrlich gesagt kann ich nicht verstehen, was die Leute meinen, wenn sie von der Freiheit des menschlichen Willens sprechen. Ich habe zum Beispiel das Gefühl, daß ich etwas will; aber welche Beziehung das zur Freiheit hat, kann ich gar nicht begreifen. Ich spüre, daß ich meine Pfeife anzünden will, und ich tue es; aber wie kann ich das mit der Idee der Freiheit verbinden? Was steckt hinter dem Willen, die Pfeife anzuzünden? Ein weiterer Akt des Wollens?“

— Albert Einstein

Der Mensch kann zwar tun was er will,
aber er kann nicht wollen, was er will.

– Arthur Schopenhauer

„Die Leidenschaft, mit der seit zehn Jahren über freien Willen gestritten wird, verdanken wir der Neurobiologie und der Vorstellung, die stets wachsende Kenntnis vom menschlichen Gehirn könnte uns helfen, die Frage nach dem freien Willen zu beantworten. Manche Forscher in Deutschland und auch in den Vereinigten Staaten meinen, dass die neurobiologische Forschung uns mehr und mehr Hinweise dafür liefert, daß der Determinismus (die Vorherbestimmung) wahr ist. Das wäre der größte Witz der Geschichte. All unsere Bemühungen, all unser Moralisieren, unsere Schuldgefühle – alles eine Menge heißer Luft, denn wir hätten sowieso nichts ändern können.“ 

John R. Searle  (Professor für Philosophie an der University of California, Berkeley)

Rumi, Willensfreiheit, Nirmalo,