Perspektivwechsel

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Wahrheit“ auf der einen und „Meinung verteidigen“ auf der anderen Seite passen zwar nicht wirklich zusammen, aber der Sinn deiner Forderung basiert auf einer weisen Einsicht, die konstruktive Kommunikation betreffend.

Das Verstehen geschieht in unglaublicher Geschwindigkeit, sobald wir bereit sind, uns in die Denk- und Argumentationsweise des jeweils anderen zu versetzen. Und das kann spielend leicht geschehen.

Die  Neue Schule  wird ganz selbstverständlich, nahezu täglich und spontan das Rollenspiel für den Erkenntnisgewinn nutzen. Der Zeitaufwand dafür ist vernachlässigbar kurz.

In den späteren Jahrgängen kann noch die Methode des „Aufstellens“ nach Bert Hellinger dazukommen.

Grundsätzlich sind wir ad hoc in der Lage,
verschiedene Perspektiven einzunehmen.

Je öfter wir uns einen Perspektivwechsel gestatten, desto verständiger werden wir, desto leichter können sich die Räume von Intelligenz und Weisheit öffnen. Desto mehr erfahren wir auch über uns selbst.

Gegenseitiges Wohlwollen ist…
ein bereichernder Nebeneffekt.

Denn das, was wir verstehen, beunruhigt uns nicht und gegen den, den wir verstehen, entwickeln wir weder Angst, noch Aggression.

Starre Meinungen und feste Standpunkte haben wenig Lebendiges und geben sich schon mit einem niedrigen Level an Intelligenz und Reife zufrieden.

Also sollten wir schon die Kinder unterstützend in die Lage versetzen, die ihnen immanente Möglichkeit nutzen zu können, in kürzester Zeit die unterschiedlichsten Blickwinkel auf die selbe Sache einzunehmen.

Thesen zur  Neuen Schule   📌

Grenzen des Verstehens

Es hört doch jeder nur, was er versteht.

– Johann Wolfgang von Goethe

Wir können nur verstehen,
was wir verstehen können.

Mehr nicht. Vorwürfe aller Art… können daran nichts ändern. Man mag es bedauern oder sogar beklagen, das nützt aber nichts: Was nicht verstanden werden kann, wird nicht verstanden.

  • Erstens haben wir von einander verschiedene Verstände (nicht jeder Verstand kann jede Aufgabe gleich gut lösen).
  • Zweitens befinden wir uns nicht immer zeitgleich auf dem selben Stand der Geistigen Reife.

Wenn z.B. jemand gerade auf der weisen Ebene (6) spricht und ich mich zur selben Zeit im Ego, auf der Kleinkind-Stufe (2) aufhalte, kann ich nicht verstehen. Um verstehen zu können, muß ich die Ebene wechseln und mindestens den Erwachsenen-Modus (4) einschalten – andernfalls…  keine Chance.

Umgekehrt ist es nicht anders: Befinde ich mich im Erwachsenen-Modus (4), der andere besteht aber auf der Baby-Position (1), gibt es ebenfalls keine Möglichkeit, zu verstehen.

Das Größere kann das Kleinere
verstehen, doch nicht vice versa.

Wollen wir Bedeutenderes verstehen, müssen wir uns zu den etwas höheren Bereichen hin öffnen, anders läuft es nun mal nicht. Beispielsweise kann sich Wahrheit gelegentlich (sofern hilfreich) der Logik bedienen – aber nicht umgekehrt.

Die Logik ist ein nur sehr kleines, für einfache Aufgaben nützliches Hilfskonstrukt; Wesentliches aber… ist durch ihre Nutzung nicht zu begreifen.

Reife  📌

Verständnis

Verständnis kommt uns durch die Liebe.
– Richard Wagner

Es funktionieren beide Wege:

  • Durch Liebe finden wir zum Verständnis.
  • Durch Verständnis finden wir zur Liebe.

Schon allein die Offenheit…
begünstigt das Verständnis.

Bei der Feindbildung verfahren wir genau anders herum: Hierbei verschließen wir uns und lassen sowohl Liebe als auch Verständnis außen vor. Im Gegenteil: Während der Feindbildung dämonisieren wir den anderen und vergrößern auf diese Weise den vermeintlichen Abstand noch weiter.

 

PS: Bei der Feindbildung befinden wir uns auf der Stufe (2) unserer Geistigen Reife; mit der Erfahrung, die der Richard Wagner gemacht hat, auf der Stufe (6) und (7).

Worte

Die Worte sind nur das Äußere der Gedanken. Es ist töricht, wenn man nur das Äußere ansehen wollte und darüber die Gedanken vernachlässigte.

– Lü Bu We

Intellektuelles Begreifen ist nicht identisch mit Erkenntnis.

Sinnlich… begreifen, anfassen
Intellektuell… begreifen, erfassen

Hier paßt der Wort-Sinn als Bild. Wenn mir aber jemand sagt, ich wäre „gestern hackebreit gewesen“, nützen mir weder die Wortbedeutung von „Hacke“ und „breit“, noch helfen mir Herkunft und Geschichte der beiden Wörter (eventuell eine Aspirin). Der elaborierte Code eines Professors für Linguistik wird hier auch nicht gebraucht, denn es gilt allgemein:

Wichtiger als Worte und Begriffe ist die Bereitschaft,
den Sinn des Gesprochenen verstehen zu  WOLLEN !

Hört man die Worte, ohne die Gedanken zu erfassen, so kann man gerade so gut die entgegengesetzten Worte hören, und es kommt auf dasselbe heraus.

– Lü Bu We

Fehlt die Offenheit für den Sinn des Gesagten, nämlich für das Gemeinte, ist das Gespräch sinnlos.

Die Ursachen, die das Begreifen bewirken, sind für den Erkennenden dieselben, wie für den Nichterkennenden. Aber die beiden Menschen unterscheiden sich darin, daß der eine das, was der andere begreifen kann, nicht begreift.

– Lü Bu We

Und daran… läßt sich nichts ändern.

Wir können das Wissen anderer erweitern, aber nicht das Erkenntnisvermögen fördern. Allenfalls können wir möglichst früh die Umstände der geistigen Entfaltung begünstigen, aber…

Freigelegt werden kann nur,
was bereits… vorhanden ist.

Sprache

Sprache hat an sich keinen Wert.

Sprache… hat einen Wert als Verständigungsmittel nur dann,
wenn sie auch tatsächlich der leichteren Verständigung dient.

Ob sie die Regeln der Orthographie erfüllt, ist nebensächlich.

Hier ist die Verbal-Sprache gemeint. Natürlich kennen wir auch noch andere Formen von Sprache:

  • Verbal-Sprache
  • Darstellung
  • Gestus
  • Schrift
  • Mimik
  • Klang

Doch haben wir der „bewußten“ Verbal-Kommunikation den Vorrang gegeben. Der anderen Formen sind wir uns im Gespräch kaum oder eher selten bewußt.

Unter der Voraussetzung, daß sich mindestens zwei Personen mindestens in Sichtweite befinden, hat Paul Watzlawick Recht, wenn er sagt, daß Nicht-Kommunikation unmöglich sei. Bedingungslos ist sein Satz nicht zutreffend.

Frage: „Welchen Wert haben Wort und Sprache?“

Wort und Sprache haben nicht den Wert, den wir ihnen üblicherweise beimessen. Sie sind letztlich von unter-geordneter Bedeutung.

  1. Wort… ist Teil der Sprache.
  2. Sprache… ist ein Teil der Kommunikation.
  3. Kommunikation… ist ein Hilfskonstrukt für gutes Verstehen.

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Verstehen… ist der Wert, nicht das Reden.
Wo man sich versteht, braucht nicht viel gesprochen zu werden.

Und solange Verstehen gegeben ist, ist die „Perfektion“ der Wörter oder deren Platzierung… zweitrangig.

Im TV… hörte ich einen Schweizer sagen, daß er mal versucht habe, mit einem Kölner auf „Hochdeutsch“ zu kommunizieren. Es hätte nicht wirklich geklappt, sagte er. Daraufhin hätten sie beschlossen, sich in ihren jeweiligen Dialekten zu unterhalten. Nun, sagte er, hätten sie sich prima verstehen können.

Wörter, Begriffe, Sprache und Kommunikation sind bloß wert-unterstützende Konstrukte.

Und wenn entweder die kognitive Kompetenz oder die für das Verständnis erforderliche Reife gerade nicht vorhanden sind, nützt auch das „perfekte Wort“ an der „richtigen Stelle“ nichts.

Verstehens-Bereitschaft…
ist wichtiger als das Wort.

Wir verstehen uns besser, wenn der Kopf
gelegentlich in den Urlaub geschickt wird.

Im TV… sah ich mal eine junge Familie, die eine längere Zeit auf dem Segelboot verbracht hatte. Das jüngste Kind kannte bis dato nahezu nur das Wasser: Es war auf dem Boot geboren worden. Den Schulunterricht übernahmen die Eltern und (fast) jedes Familienmitglied bediente gelegentlich die Kamera.
Eines Tages legten sie an einer fremden Südsee-Insel an. Auf ihr lebte ein der Familie völlig unbekannter Stamm von Menschen in einfachsten Verhältnissen.
Die weißen Eltern setzten sich zu den Erwachsenen vor die große Hütte ans Feuer und die Jugendlichen des Dorfes nahmen die weißen Kinder mit in den Urwald.
Nach ein paar Tagen verabschiedete sich die deutsche Familie wieder. Alle, die Einheimischen, wie die Gäste saßen rundherum im Kreis rücklings an der „Wand“ der Hütte und weinten gemeinsam still vor sich hin.

Wenn Sprache nicht möglich ist,
geht der Blick auf´s Wesentliche.

Weltformel

Wir sollten diesen Hund nicht „dumm“ nennen,
solange wir noch nach der Weltformel suchen.

Dieses Wesen ist beschränkt darin, die Gesamt-Situation erfassen zu können – genauso wie wir, bezüglich der unseren…, wenn wir die ganze Welt zu fassen kriegen wollen.

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Die Situation dieses Hundes verstehen zu können, erhebt uns nicht. Wir haben keinen Grund, sein Engagement zu belächeln. Was die Beschränktheiten betrifft, sitzen wir im selben Boot. 😉 Die Unterschiede sind letztlich marginal:

Er kann die Grenze seiner Verstehens-Möglichkeiten
nicht erkennen – und wir unsere. . .   ebenfalls nicht.

Nirmalo

Wissen & Verstehen

Die Mehrheit der gewöhnlichen Bevölkerung versteht nicht was wirklich geschieht. Und sie versteht noch nicht einmal, daß sie es nicht versteht.

– Noam Chomsky

Ja, und wir beide gehören dazu, zu dieser „gewöhnlichen Bevölkerung“.

Denn das mit dem Verstehen und dem Wissen ist so eine Sache: Der Sokrates sagte bereits vor Christus, daß es nichts zu wissen gibt, daß wir uns alle bloß – zum Teil erfolgreich – vormachen, irgend etwas zu wissen.

In Wirklichkeit handelt es sich hier eher um eine Art Mutmaßen. Selbst die Wissenschaft bedient sich mittels ihrer Methoden eines wissenschaftlich gestützten Vermutens.

Jeder von uns Vielen versteht genau so viel, wie er verstehen muß. Und niemand kann – aufgrund verschiedener Voraussetzungen – mehr verstehen, als er letztlich verstehen kann. Demzufolge kann niemandem ein Vorwurf daraus gemacht werden, daß er nur so viel versteht, wie er verstehen kann.

  • Weißt du als Spieler auf der Bühne, was wirklich geschieht?
  • Kannst du verstehen, daß nicht jeder alles verstehen muß?

Noam Chomsky: „Und sie versteht noch nicht einmal, daß sie es nicht versteht.“

  • Kannst du verstehen, was du nicht verstehst?
  • Und falls du nicht verstehst, daß du etwas nicht verstehst: Kannst du verstehen, daß du nicht einmal das verstehst?

Die Summe dessen, was wir zu wissen und zu verstehen glauben ist – gemessen an dem, was wir niemals wissen oder verstehen werden – nicht der Rede wert und letztlich… unbedeutend.