Emanzipation

Emanzipation ist der Übergang eines Sklaven aus der Unterdrückung durch einen anderen in die Unterdrückung durch sich selbst.

― Ambrose Gwinnett Bierce

Ja, die christliche* Konditionierung steckt uns längst so tief im Mark, daß wir die Fremdsteuerung als solche fast gar nicht bemerken. Wir müssen schon sehr bewußt sein, um sie in ihrer Wirkung (daß wir annähernd wie ein pawlowscher Hund funktionieren) wahrnehmen zu können.

Emanzipation (Selbstmündigung) ist keine Frage irgend eines Geschlechts.

Es geht um die Verabschiedung jedweder unbewußt funktionierender Fremdbestimmung; es geht um die Freiheit, auch geistig auf eigenen Füßen zu stehen und es geht um den aufrechten Gang (ohne jede „Schuld“ !). 

Eine Emanzipation, die nicht die unbewußten
(Re-)Aktionsmechanismen erkennt, ist keine.

Erst, wenn wir die längst internalisierte Fremdbestimmung bei uns selbst erkennen können, sind wir in die Lage versetzt, in Distanz zu ihr zu gehen, um – nun weitgehend ungebunden – zu entscheiden. Erst dann sind wir frei. Mögliche Folge: Harmonie mit uns selbst und unserer Umgebung.

Voraussetzung für die Emanzipation ist die radikale, also ungebremste Bestandsaufnahme unserer inneren Unfreiheiten (Konditionierung).

Emanzipation = ist das entschlossene Entschlüpfen aus dem Kokon lang andauernder Unmündigkeit. Sie ist einerseits die Rücknahme der Erlaubnis-Freigabe zur Fremd-Bestimmung durch andere und andererseits die mutige Aufnahme der freien Selbstbestimmung. Emanzipation kennt vielleicht einen Anfang, aber kein Ende.

Emanzipation ist nichts, daß uns jemand von Außen geben könnte, sondern eine Entschiedenheit, die dem inneren Impuls folgt. Sie beginnt mit der Beobachtung aller Entscheidungen: Warum genau habe ich so entschieden? Was möchte ich wirklich? Denn nur echte, wirklich eigene Entscheidungen… sind souveräne Entscheidungen. Zweitens die Beobachtung aller Bewertungen: Warum genau habe ich etwas gerade so und nicht anders bewertet?

Emanzipiertheit, oder das emanzipiert-sein korreliert bezüglich der Geistigen Reife mit der Erwachsenen-Ebene (4).

Viel Erfolg beim Aufstöbern!

Freiheit  📌

Anpassung  📌
Geistige Reife  📌

*) Dasselbe gilt selbstverständlich in gleicher Weise auch für andersartige Konditionierungen.

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Emanzipation & Souveränität

Emanzipation ist keine
Sache des Geschlechts!

Emanzipation ist das bewußte Eintauschen der Erlaubnis zur Fremd-Bestimmung (2) gegen den mutigen (3) Schritt in die Selbstbestimmung.

Emanzipation = ist das entschlossene Entschlüpfen aus dem Kokon lang andauernder Unmündigkeit.

Emanzipation ist nichts, was uns von Außen gegeben, gar geschenkt werden könnte, sondern eine Entschiedenheit, die einem inneren Impuls folgt.

Emanzipiertheit, das Emanzipiertsein korreliert mit der ErwachsenenReife (4).

Emanzipation ist ein temporäres Ereignis;
nur ein Schritt auf dem Weg der Freiheit.

Die „Emanzipation“ beginnt, wenn wir bereit sind… den Opferstatus zu verlassen.

Emanzipation kann nur individuell und von innen her geschehen,
sie kann nicht von Außen gegeben, gefordert oder gepuscht werden.

 

Souveränität

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. . . ein Ausdruck weiblicher Souveränität.

Wer sich bei Dritten beklagt,
ohne die mögliche Verantwortung für
die Situation zu übernehmen, ist nicht souverän.

Feminine Souveränität und Feminismus vertragen sich nicht.

Der Feminismus ist nicht (!)
identisch mit Souveränität.

Der Feminismus (basierend auf männlicher Energie) zeigt sich vorwiegend in vorwurfsvollem Klagen von unten nach oben. Er beklagt sich über die (fehlende) männliche Intelligenz – ohne die weibliche zu nutzen. Er ist eine Art Stellungskrieg.

Einem feministischen Club beizutreten zeigt die Bereitschaft, eine Einengung gegen eine andere austauschen zu wollen. 

Die Aktivistin Emma Goldman* (1869-1940) soll damals zu ihren feministischen Mitstreiterinnen gesagt haben:

Wenn ich nicht tanzen kann, bin
ich nicht  Teil  eurer Revolution.

Emanzipiertsein ist Ausdruck der Freiheit
von jeglicher, auch von geistiger Gängelei.

Das EmanzipiertSein der Frau zeigt sich nicht im Sich-beklagen
über den Mann, sondern in der Art, wie sie ihn zu nehmen weiß.

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Emanzipation ist gegeben, wenn Dominanz
und Unterwerfung keine Themen mehr sind.

Wir, die Gesellschaft, sind dafür verantwortlich – insbesondere über die Bildungs-Einrichtungen – die jungen Menschen freundlich dabei zu unterstützen, körperlich, geistig und schließlich auch im Ausdruck… bestmöglich in die Souveränität zu wachsen.

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*) Emma Goldman: „US-amerikanische Anarchistin, Friedensaktivistin, Antimilitaristin, Atheistin und feministische Theoretikerin.“

Freiheit

Freiheit

Freiheit = ist, tun und lassen können.

.

Frei ist, wer in Ketten tanzen kann.

― Friedrich Nietzsche

Das ist wohl wahr: Wir können auf unsere Begrenztheiten fokussieren oder auf unsere Freiheiten.

Wer seine Freiheit sehen kann, wird tanzen.
Die Umstände werden ihn nicht behindern.

Aber Achtung!

Ketten sind keine Voraussetzung
…die Freiheit erleben zu können!

Es soll Leute geben, die, obwohl nirgends (an-)gebunden, dennoch nicht tanzen können: Sie können ihre Freiheit gar nicht sehen und also… auch nicht feiern.

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Freiheit für… oder von…

Die Freiheit des Menschen liegt nicht darin, daß er tun kann, was er will, sondern daß er nicht tun muß, was er nicht will.

― Jean-Jacques Rousseau

Ja, Freiheit bedeutet einerseits, daß du lassen kannst, was du nicht willst, Freiheit bedeutet aber auch, daß du tun kannst, was du tatsächlich tun willst und Freiheit bedeutet zudem, daß du tun kannst, was du nicht tun willst. Auch das gehört zur Freiheit.

Sie beinhaltet mehr, als nur ein entweder/oder. Viel eher ist sie ein sowohl/als auch. Sie ist größer als du denkst.

Freiheit ist einer der Begriffe, die eine größere Zahl an Bedeutungen haben können. Das Zitat enthält bereits  z w e i  grundverschiedene Formen von Freiheit:

  • Die Freiheit für… etwas.
  • Die Freiheit von… etwas.

Der erste Teil des Satzes beinhaltet die „Freiheit für…“

Jean-Jacques Rousseau: „Die Freiheit des Menschen liegt nicht darin, daß er tun kann, was er will.“

Das ist Quatsch, Jean-Jaques. Natürlich ist es eine der Möglichkeiten von Freiheit, daß der Mensch tun kann, wonach ihm gerade ist. Auf diese Form von Freiheit kann man sich mit den meisten Menschen verständigen.

VERANTWORTUNG  ist
transzendierte Freiheit.

Verantwortung (freiwillig !) übernehmen, geht über das Grundbedürfnis nach Freiheit hinaus. Die Einschränkungen/Unfreiheiten, die angenommene Verantwortung mit sich bringt, sind… Teil der Freiheit.

Die Freiheit zur Verantwortung schwingt auf einer höheren Ebene (4) der Reife.

Jean-Jacques Rousseau sagt: „Die Freiheit des Menschen liegt … darin, … daß er nicht tun muß, was er nicht will.“

Dieser Satzteil erwähnt die Freiheit von

Die Freiheit von körperlicher und psychologischer Einengung. Kein Gehorsam, keine Gängelung, keine Nötigung, keine Entwürdigung. Dieser Aspekt des Begriffs Freiheit hat sehr viel mit Würde zu tun.

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Freiheit des Handelns

Die Freiheit besteht darin, daß man alles
tun kann, was einem anderen nicht schadet.

― Matthias Claudius

Freiheit ist Freiheit und umschließt per se… alle (!) Möglichkeiten.

Andernfalls handelt es sich um was auch immer aber nicht um Freiheit.

  • Warum kennen wir z.B. „gute“ Taten und „schlechte“ Taten?
  • Warum gibt es so viel extreme Armut und solchen extremen Reichtum?
  • Warum kennen wir im menschlichen Miteinander Macht und Ohnmacht?

Weil: Anders als andere Wesen (z.B. die Tiere), kennt der Mensch die Freiheit.

Wir haben die Freiheit der Wahl.
Innerhalb dieser Freiheit sind wir zu allem fähig.

Verhalten wir uns so, daß wir anderen nicht schaden, kann das mindestens zwei Gründe haben:

A – Wir verhalten uns „richtig“ aufgrund einer von außen gesetzten, und damit die Freiheit einschränkenden Moral.
B – Wir verhalten uns „richtig“ aufgrund von Bewußtheit, bzw. un/über-persönlicher Empathie. In diesem
Fall schaden wir auch niemanden ― bleiben aber in Freiheit.

Moral bindet.
Bewußtheit und Empathie… nicht.

Moral  📌

Die Ehe

Die Ehe soll unablässig ein Ungeheuer bekämpfen, das alles verschlingen will, was an ihr erhaben ist: Die Gewohnheit.

– Honoré de Balzac

Die Ehe ist ein miserabel konzipiertes Gesellschaftsspiel.

Warum eigentlich sollte sich eine lebensfrohe Frau mit nur EINEM Mann (für alle Fälle) begnügen, wo sie doch so viele verschiedenartige Interessen, Neigungen, Wünsche und Bedürfnisse hat? Warum sich nicht eine lockere, also eine sich gegenseitig Raum gebende Beziehung zu mehreren Männern gönnen?

Einen Mann für den Garten, einen für das Maschinelle, einen für´s Feingeistige, einen für die Lust, einen für die Berge, einen für´s Städte-Reisen und noch einen…

Wozu sollte sie sich unnötige (Selbst-)Beschränkungen und EinEngungen auferlegen?

So ganz nebenbei werden dadurch auch die Männer… an die eigene Emanzipation herangeführt. Die alten Krusten der Konditionierung brechen auf, das Verhalten zwischen den Menschen wird geschmeidiger und den Eifersuchts-Dramen gehen, wegen schmelzender starrer Regelkonstrukte, langsam aber sicher… die Energie aus.

Aber ja:
Zur Freiheit des Menschen gehört ebenfalls, daß er an
seinen selbstgestrickten Dummheiten festhalten kann.

Leiden inklusive.

Es liegt an uns, wie viel Intelligenz wir in die Art
unseres Miteinanders einfließen lassen wollen.

Freiheit  📌

KI / Entscheidung

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Einspruch, Nirmalo ! Das ist so nicht ganz zutreffend. 

  • Maschinen können nichts verantworten.

Das ist richtig, aber: 

  • Maschinen können nicht entscheiden, sie müssen entscheiden.

Sie sind so programmiert, daß sie „entscheiden“ und wie sie entscheiden. Sie haben keine Wahl (-Freiheit). Und selbst das ist nicht ganz richtig: Maschinen entscheiden nicht wirklich,

  • Maschinen funktionieren. 

Zwischen dem Impuls, auf den die Maschinen reagieren müssen und der auf den Impuls folgenden Reaktion existiert kein Entscheidungs-Spielraum. Den wir Menschen brauchen, wenn wir zunächst – also vor unserer Reaktion – reflektieren wollen:

Denken braucht Zeit.

Im Gegensatz zum Menschen sind Maschinen unabhängig von Art und Umfang der das Programm bestimmenden Algorithmen  grundsätzlich nicht frei in ihrer Entscheidung. Sie haben keinen (eigenen) Willen. In Allem unterliegen sie dem Willen der (sie programmierenden) Menschen. 

Roboter sind in ihren „Entscheidungen“ nicht einmal annähernd so frei, wie die Pferde vor der Postkutsche.

Genau genommen ist es gar keine Entscheidung,
denn die setzt Freiheit zur Entscheidung voraus.

Betreff der (scheinbar !) autonom agierenden Maschinen kann man also maximal von Schein-Entscheidungen sprechen.

Nirmalo

PS: Teil unserer Freiheit ist, uns selbst widersprechen zu können.

Freiheit

Frei sein, heißt wählen können, wessen Sklave man sein will.

– Jeanne Moreau

Ja, unsere Freiheit ist so groß, daß es sogar möglich ist, sich freiwillig in Unfreiheit zu begeben und ja, wir haben die freie Wahl zwischen verschiedenen Arten (Qualitäten), Orten, Strukturen und Menschen (Charakteren), Unfreiheit zu erleben.

Gehorsam ist nicht
= gleich Gehorsam,

…obwohl es sich um ähnliche Verhaltensmuster handelt. Beispiel:

Fahnen-Eid beim Militär
Ordens-Gelübde im Kloster

Der Gehorsam als solcher ist in der Einrichtung Militär der selbe wie der in der Einrichtung Kloster. Und doch gibt es hier einen himmelweiten Unterschied.

Gehorsam ist freiwillige Selbst-Einschränkung als
rituelles Element innerhalb einer fiktiven Struktur.

Das gilt ab der Erwachsenen-Reife. Bis dahin muß in diesem Kontext Unfreiwilligkeit attestiert werden.

Wer das weiß, weiß zudem, daß er selbst im Gehorsam die Verantwortung für sein Tun & Lassen letztlich nicht abgibt, niemals abgeben kann!

In sehr vielen alltäglichen Strukturen sind wir ebenfalls nicht wirklich frei – nur weniger offensichtlich. Und wir sind uns nicht darüber im Klaren, daß wir gehorchen. Zwei Beispiele:

• Beziehungs-Geflechte
• Straßenverkehrs-Ordnung

Wir begeben uns (mindestens partiell) freiwillig in Unfreiheit.
Das macht die Reife des Erwachsenen (4) aus, daß er nun in
der Lage ist, Verantwortung zu erkennen und anzunehmen.

Einwand: „Der „freie Wille“ ist grundsätzlich eine Illusion. Jedenfalls in der Vorstellung der Deterministen.“

Den Verdacht habe ich auch, aber das berührt nicht mein Verhalten in dieser Dimension. Hier ist der freie Wille (ob Illusion oder nicht) Lebensvoraussetzung. Wir können nicht leben, wir können nichts tun, ohne die Annahme, daß wir frei entscheiden können, was wir tun oder lassen. 

Was aber irgendwelche „Deterministen“ und ihre Vorstellungen dazu sagen, ist komplett irrelevant. – Wie ist die Sachlage an deinem Wohnort? 

Frage: „Sind die Gedanken „irgendwelcher Deterministen“ für dich grundsätzlich irrelevant?“

An dem, was irgendwelche Deterministen zu sagen hatten, bin ich nicht interessiert. Sie sind entweder tot oder weit weg. Sie gehen mich nichts an. 

Wie ich selbst die Dinge bezüglich des freien Willens sehe, hatte ich kurz angerissen. 

Doch wie ist DEIN Blick in die Dinge? Siehst du selber dich in Willens-Angelegenheiten als frei… oder siehst du deine Handlungen, deine Entscheidungen und dein Wollen als bereits vorbestimmt, als längst festgelegt an? 

Ist also der Freie Wille 
     a) real 
     b) oder bloß eine beliebte Illusion?

Jeanne Moreau: „Frei sein, heißt wählen können, wessen Sklave man sein will.“

Es ist wohl die allgemein beliebte gegenseitige Sklaverei auf Augenhöhe, auch (eheliche) Bindung genannt, die Madame Moreau hier gemeint hat. In ihr steht nicht die Freiheit, nicht der freie Ausdruck, nicht die freie Entfaltung und auch nicht die Freiheit des Willens im Vordergrund, sondern… die gegenseitige Erfüllung unterschiedlicher Bedürfnisse.

Anpassung ist selbst
gewählte Unfreiheit.

Man ist überrascht, wenn sich mal jemand aus dem Mittelmaß herausbewegt. Ich denke gerade an Simone de Beauvoir und an Dorothea Christiane Erxleben. Aber auch an Emma Goldmann, die in ihrem spießigen Feministinnen-Club verlauten ließ:

„Wenn ich nicht tanzen darf, will ich an eurer Revolution nicht beteiligt sein!“

Sie fallen auf, die wenigen Menschen, denen Freiheit und Wahrheit wichtiger sind als die kuschelige Spießigkeit, die letztlich immer – auf freiwilliger Basis – mit fein strukturierter Sklaverei abgegolten wird.

Anpassung  📌

Ein freies Wesen

Der Mensch ist…
– ein Naturwesen auf der untersten Stufe, dann ist er
– ein Gesellschaftswesen, und darüber hinaus ist er
– ein freies Wesen.

– Joseph Beuys

Ja, der Mensch besteht aus all diesen (und weiteren) Aspekten gleichzeitig.

Nur zeigen die meisten Menschen ab dem sogenannten „Erwachsenen“-Alter (wie in Starre) vorwiegend nur einen einzigen Reifegrad, den sie dann „Charakter“ nennen. Sie mögen die „Vorhersagbarkeit“. Die vermittelt Vertrautheit und damit die Illusion von „Sicherheit“. So jemand wird als „gesellschaftsfähig“ empfunden.

Die meisten Menschen sind Gesellschaftswesen, sie wollen „dazu gehören“. Die Angst vor dem Ausgeschlossen-werden korrumpiert sie. Sie verzichten auf ihre Freiheit, den dazu gehörigen Mut zur bedingungslosen Wahrhaftigkeit und versuchen sogar, die Liebe einzuhegen: Die Zustimmung und Anerkennung von Seiten der gewählten Gruppe ist ihnen wichtiger.

Das „freie Wesen“, von dem du hier sprichst, findet man eher selten. Der Freigeist ist nicht wirklich gesellschaftsfähig. Er ist unberechenbar, nicht einschätzbar, also unkontrolliert. Man weiß nie so recht, was man von ihm halten soll. Das macht unsicher. Du bist auf deiner dritten Stufe also so ziemlich allein. 😉

Und zuerst bis zuletzt ist der Mensch… ein spirituelles Wesen.

Nichts auf der Welt ist dem Menschen mehr zuwider,
als den Weg zu gehen, der ihn zu sich selber führt!

Hermann Hesse

Dazu noch ein Zitat von einem Mann, der 40 (!) Jahre seines Lebens im Gefängnis verbrachte:

»Freiheit ist keine Sache des Ortes, sondern des Zustandes. Ich war glücklich im Gefängnis, denn diese Tage vergingen auf dem Pfade des Dienens. Gefangenschaft war mir Freiheit, Schwierigkeiten sind Erholung für mich, Tod ist Leben. Es ist eine Ehre, verachtet zu werden. Deshalb war ich sehr glücklich während meiner Haft. Wahre Freiheit ist, aus dem Gefängnis des Selbstes befreit zu sein; denn das Selbst ist das größte Gefängnis! Wenn man davon frei wird, kann man nie mehr eingekerkert werden. Doch diese Freiheit kann man nur erhalten, wenn man schlimme Schicksalsschläge nicht mit dumpfem Entsagen, sondern in strahlender Ergebenheit annimmt.«

– عبدالبهاء

Mündigung

Politik und Kirche sind dasselbe. Sie halten die Menschen in Unwissen.

– Bob Marley

So mächtig sind weder die Politik, noch die Kirchen, lieber Bob Marley. Wollen die Menschen in Unwissen (welcher Art auch immer) sein und bleiben, so ist das ihre Sache.

Will aber jemand „vom Unwissen zum Wissen“ übergehen, sich also emanzipieren, so ist das nicht Sache der Politik und selbstverständlich auch keine der Kirchen:

Die Mündigung kann immer
nur jeder selbst vornehmen!

Immanuel Kant nannte das „Aufklärung“. Der Begriff ist mißverständlich, weil er nahelegt, Einer könnte des Anderen Aufklärer sein, doch er sprach wörtlich von der selbstverschuldeten Unmündigkeit und forderte:

Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen!

Faulheit und Feigheit sind die Ursachen, warum ein so großer
Teil der Menschen, nachdem sie die Natur längst von fremder
Leitung freigesprochen, dennoch gerne zeitlebens unmündig
bleiben; und warum es anderen so leicht wird, sich zu deren
Vormündern aufzuwerfen.

Es ist so bequem, unmündig zu sein.“           – Immanuel Kant

Recht hat er. Politik & Kirchen für die eigene Unmündigkeit anzuklagen heißt, sie damit zu Vormündern zu erklären.

Für unsere Unmündigkeit können wir niemanden
sonst verantwortlich machen ― außer uns selbst.

An dieser Stelle sind beide Institutionen, Politik und Kirchen*, nun mal komplett unschuldig. 😇

Was ist Aufklärung?  📌


*) Mit Kirchen sind hier nicht nur die festen religiösen Strukturen der Christen gemeint, sondern in gleicher Weise die exoterischen Einrichtungen der Juden, Moslems, Hindus und vieler anderer Strömungen.

Aspekte der Freiheit

Viele Philosophen meinen, dass wir auch in einer naturgesetzlich determinierten Welt einen freien Willen haben können.

– Geert Keil

(Reclam-Klappentext zu „Willensfreiheit und Determinismus“)

Was „viele Philosophen“ dazu „meinen“, ist nicht erheblich. Interessant ist, ob wir alle grundsätzlich (oder partiell) frei  s i n d  –  oder es nicht sind.

Hier geht es um mehr als nur  e i n e n  Aspekt des Begriffs „Freiheit“:

◾ Handlungs-Freiheit
◾ Universelle Freiheit
◾ Freiheit des Willens
◾ Körperliche Freiheit
◾ Gedankliche Freiheit
◾ Wahrnehmungs-Freiheit
◾ Außerkörperliche Freiheit

Gut möglich, daß wir in Wirklichkeit gar keine Wahl haben.

Vielleicht sagt uns das unsere Wissenschaft in Kürze oder hat es schon getan, aber: Wir könnten keine vierzehn Tage überleben, würden wir uns nicht mindestens in der Illusion wiegen, frei zu sein… im Wollen und im Tun, im Denken und in der Wahrnehmung!

Ein Schaf fühlt sich vielleicht grenzenlos frei, wenn es
sich im Schutz der Herde innerhalb einer für uns klar
erkennbaren Umzäunung bewegt.

Die Frage ist also nicht so sehr, ob wir frei  s i n d,
sondern ob wir uns als frei  e r l e b e n,  denn:

Können wir Zäune überwinden, die
wir gar nicht als solche erkennen ?

Eine Grenze können wir nur dann überwinden, wenn wir sie
1. als solche sehen,
2. als solche anerkennen und dann
3. als solche „verletzen“ oder reißen.

Grenzen sind Denkgebilde.

Selbst in einer Gefängniszelle kann man sich frei fühlen. Die Klosterzelle bietet kaum mehr Freiraum und doch begeben sich viele Leute freiwillig und über viele Jahre in eine solche. Manche bis zum Ende ihres Lebens – ohne sich auch nur einen Augenblick lang unfrei gefühlt zu haben.

Und wer kennt schon seine Denk-Grenzen? Wer kennt die absoluten Grenzen seiner mentalen Möglichkeiten?

Ich nehme mal an, wir haben 25 Sinne der Wahrnehmung zur Verfügung. Meinetwegen können wir uns zusätzlich auch noch ein paar technische Hilfskonstruktionen (Krücken) bauen, um damit den einen oder anderen Sinn ein bißchen zu erweitern, aber irgendwo ist die absolute Grenze.

Also sind wir in dieser Inkarnation als Mensch wohl nicht wirklich frei: Unsere Sinne begrenzen uns. Unser Vorstellungsvermögen begrenzt uns. Körperlich sind wir in unserem Bewegungsradius eingeschränkt. Im Denken sind wir begrenzt. Unser Erinnerungsvermögen ist rudimentär. Fühlen können wir nur, was wir fühlen können und nichts darüber hinaus. Können wir mehr wollen, als wir wollen? – Können wir überhaupt wollen, was wir wollen?

Trotz aller Begrenzungen haben wir alles, um ein zufriedenes, ein aufregendes, ein intensives, ein erfüllendes, ein auf vielen Ebenen reiches Leben führen zu können.

O.k., womöglich können wir es nicht wirklich „führen“, 😉
doch können wir viele seiner Nuancen bewußt erleben.

Ob determiniert oder nicht, geht die (echte) Philosophie nichts an. Warum nicht? Weil sich hier das Feld der Spekulationen (2) auftut und das ist nicht die Ebene der Weisheit (6), also nicht das Feld der Philosophie. Auf jeden Fall sind wir so frei, daß wir als Menschen die anstehenden Erfahrungen machen und (geistig) reifen können.

kunstschaffende: „Wahre Freiheit findet für mich nur im Geiste statt!“

Die körperliche Bewegungs-Freiheit ist aber auch nicht zu verachten.
Solltest du die außerkörperliche meinen: Da könntest du Recht haben.

kunstschaffende: „Die Gedanken Freiheit ist noch nicht sichtbar!“

Auch wenn du sie (noch) nicht sehen kannst: Sie ist da. Im Rahmen dessen, was dir der Verstand ermöglicht, hast du alle Freiheiten der Welt. Wer wollte oder könnte sie dir nehmen? – Wenn wir mal von den Konditionierungen, die in den frühen Jahren stattgefunden haben, absehen. Und da wären noch die Prägungen und somit Einengungen, die sich jeder, zum Beispiel mittels seines „Weltbildes“ und den internalisierten Wertvorstellungen, selber konstruiert.

Innerhalb all dessen:
Gedankenfreiheit. 🌾

Zur Freiheit des Handelns

Niemand kann mich zwingen auf seine Art (wie er sich das Wohl-sein anderer Menschen denkt) glücklich zu sein, sondern ein jeder darf seine Glückseligkeit auf dem Wege suchen, welcher ihm selbst gut dünkt, wenn er nur der Freiheit Anderer, einem ähnlichen Zwecke nachzustreben, die mit der Freiheit von jedermann nach einem möglichen allgemeinen Gesetze zusammen bestehen kann, (d.i. diesem Rechte des Andern) nicht Abbruch thut.

– Immanuel Kant, AA VIII, 290[17]

Das geht auch kürzer und für jeden verständlich:

Was du nicht willst, das man dir tu´, 
das füg auch keinem andern zu.

– Tobias 4,16

Freiheit

Wenn Sie mich, als Künstler, fragen, was ich in dieser Welt zu tun habe, werde ich immer antworten: Ich bin hier, um laut zu leben.

– Émile Zola

Da die Erde wohl mehr leise als laute Menschen beherbergt, macht es nichts, wenn du vorübergehend ordentlich Lärm machst.

Aber warum? Hast du etwas Wichtiges zu sagen oder zu zeigen?

Oder willst du Aufmerksamkeit – einfach nur, um beachtet zu werden? Frei nach René Descartes: „Ich werde gesehen, also bin ich.“ ?

Deine Formulierung: „werde ich immer antworten…“ erinnert mich an eine Drehleier. Die hatte das auch mal beschlossen und wich niemals von ihrem Repertoire ab.

Es ist dumm, sich derart festzulegen. Du weißt doch gar nicht, ob du nicht schon morgen etwas leiser auftreten magst. Vielleicht ist dir übermorgen sogar die Einsiedelei näher als die Bühne?

Wir Menschen sind frei.

Diese Freiheit beinhaltet, daß einige von uns unnötigerweise die verrücktesten Schwüre ablegen, ohne den Fluß des Lebens in seiner Wildheit zu berücksichtigen.