Wissen & Verstehen

Die Mehrheit der gewöhnlichen Bevölkerung versteht nicht was wirklich geschieht. Und sie versteht noch nicht einmal, daß sie es nicht versteht.

– Noam Chomsky

Ja, und wir beide gehören dazu, zu dieser „gewöhnlichen Bevölkerung“.

Denn das mit dem Verstehen und dem Wissen ist so eine Sache: Der Sokrates sagte bereits vor Christus, daß es nichts zu wissen gibt, daß wir uns alle bloß – zum Teil erfolgreich – vormachen, irgend etwas zu wissen.

In Wirklichkeit handelt es sich hier eher um eine Art Mutmaßen. Selbst die Wissenschaft bedient sich mittels ihrer Methoden eines wissenschaftlich gestützten Vermutens.

Jeder von uns Vielen versteht genau so viel, wie er verstehen muß. Und niemand kann – aufgrund verschiedener Voraussetzungen – mehr verstehen, als er letztlich verstehen kann. Demzufolge kann niemandem ein Vorwurf daraus gemacht werden, daß er nur so viel versteht, wie er verstehen kann.

  • Weißt du als Spieler auf der Bühne, was wirklich geschieht?
  • Kannst du verstehen, daß nicht jeder alles verstehen muß?

Noam Chomsky: „Und sie versteht noch nicht einmal, daß sie es nicht versteht.“

  • Kannst du verstehen, was du nicht verstehst?
  • Und falls du nicht verstehst, daß du etwas nicht verstehst: Kannst du verstehen, daß du nicht einmal das verstehst?

Die Summe dessen, was wir zu wissen und zu verstehen glauben ist – gemessen an dem, was wir niemals wissen oder verstehen werden – nicht der Rede wert und letztlich… unbedeutend.

Perfektion

Unmani, Verstand, Perfektion, Nirmalo,

Perfektion als Bewertung ist ideeller Schlußpunkt eines Prozesses. Sie trifft auf keinen anderen Punkt des Prozesses zu. Dennoch ist das jeweilige Werk, zwar irgendwann beendet, im Sinne von Perfektion aber… niemals vollendet. 

Vollkommenheit ist bereits gegeben. In jedem sich verändernden Moment.

Ein Vulkan-Berg ist vor dem Ausbruch in all seinen Nuancen vollkommen. Nach dem Ausbruch ebenso, obwohl jetzt: völlig verändert, komplett verschieden im Vergleich zu zu gestern.

Perfektion gehört zur Horizontalen,
Vollkommenheit zur Vertikalen.

  • Kein Mensch ist perfekt.
  • Jeder ist vollkommen.

Denken  📌

Sokrates

Diese Liebe ist die Philo-Sophia, die Liebe zur Weisheit, und Sokrates ist ihr Prophet.

– Barbara Zehnpfennig

Hier geht es nicht um Religiöses; auch nicht um religiöse Figuren wie Messias oder Prophet. Hier geht es um etwas, zu dem wir alle qua Geburt das Zugangsrecht haben. Bei vielen Menschen ist dieser Zugang etwas verschüttet, durch den Verstand – durch unsere Art zu denken und zu werten – blockiert, das ist alles.

Ein Mann wie Sokrates hilft wie eine Hebamme: Er erschafft nichts, was nicht schon vorhanden wäre. Er hilft, die Umstände ein wenig zu begünstigen, damit das, was schon vorhanden ist, etwas leichter ans Licht kann.

Sokrates, bekannt und gefürchtet wegen seiner Sucht, andere in Gespräche zu verwickeln, (Quelle)

– Barbara Zehnpfennig  

Es war eher ein Entwickeln, denn ein Verwickeln. Und seit wann klassifizeren wir die Tätigkeit der Lehrer als Sucht?

Die Lehrer der Weisheit nutzen unterschiedliche Techniken, um ihren Schülern zu helfen, an ihr eigenes Licht der Weisheit zu gelangen. Die Liebe des Sokrates drückte sich, um der Wahrheit auf die Spur zu kommen, in der „Hebammen-Technik“ aus.

Die Schüler suchten den Mann aus freien Stücken auf. Sie hatten ihn also nicht wegen seiner Gesprächsweise gefürchtet, sondern ihn genau wegen seiner Qualitäten aufgesucht. Und das ist ein Indiz für die bereits sehr hohe Geistige Reife derer, die ihn besuchten.

Die heutigen Philosophie-Studenten und -Professoren jedoch, ja sie würden ihn wohl fürchten. 😲 Zu Recht.

Akademische Herangehensweise an einen Mann
wie Sokrates kann das Verstehen nicht fördern.

Würde der Begriff Philosophie im Wortsinn verstanden werden können, die Sokratische Methode wäre gängige Praxis in den philosophischen Seminaren – vielleicht sogar auf dem Campus, unter den Studenten.

Neuland

Kreativtität ist die Fähigkeit zu sehen (oder bewusst wahrzunehmen) und zu antworten.

– Erich Fromm

Das genügt nicht:

• Sehen und antworten
• Hören und antworten
• Lesen und nichts weiter
• Denken wie gewöhnlich
• Sprechen wie gewöhnlich
• Handeln wie gewöhnlich

All das ist der uns gut bekannte gewöhnliche Automatismus. Er benötigt keine Kreativität.

Kreativität = ist das Verlassen von Bahnen und Schleifen.

Kreativität schwingt auf einer höheren Ebene und bedarf einer anderen, einer höheren Form der Intelligenz als die, welche für das bloße Sehen, Hören, Lesen, Denken, Sprechen und Handeln in den üblichen Bahnen und Schleifen bereits ausreicht. Kreativität ist das Ausbrechen aus dem Bekannten, aus dem Gewohnten.

Kreativität = ist per se Neuland.

Das bewußte Wahrnehmen ist ein nicht zu vermeidender Nebeneffekt der Kreativität. Immer wenn wir das Bekannte verlassen, kippt der Schalter sofort auf „erhöhte Aufmerksamkeit“ – und damit verlassen wir den Schlafmodus.

Ein weiterer Effekt betrifft das Lernen: Mit dem Verlassen des Automatik-Modus wechseln wir auf eine anspruchsvollere Ebene des Lernens. 🌻

Der freie Mensch lebt notwendigerweise in Ungewissheit.

– Erich Fromm

Jeder andere aber auch. Nur weiß es der (vermeintlich) freie Mensch vielleicht etwas früher, daß er in Ungewissheit lebt – weil er aufmerksamer lebt als der vermeintlich unfreie Mensch.

Das Stete

Der Mann, der sagte, man könne nicht zweimal in den gleichen Fluß steigen, sagte etwas Falsches; man kann zweimal in den gleichen Fluß steigen.

– Ludwig Wittgenstein (?)

Das Zitat wird dem Ludwig Wittgenstein zugeschrieben – ich vermute: fälschlich. Denn er war ein guter Beobachter und als solcher kommst du nicht umhin, zu erkennen, daß niemand ein zweites Mal in den selben Fluß steigen kann.

Wir können oftmals in einen ähnlichen Fluß
steigen, aber kein zweites Mal in den selben.

Denn nach weniger als einem Wimpernschlag… ist der Fluß schon nicht mehr der selbe. 

Dies hier ist wohl „der Mann“ und dessen Aussage, worauf sich das (angebliche) Zitat des Ludwig Wittgenstein bezieht:

Man kann nicht zweimal in den selben Fluß steigen.

– Heraklit

Jeder Moment, jede Wegbiegung ist einzigartig und einmalig – ob wir das in jedem Moment sehen können, oder nicht. Und eine „exakte“ Wiederholung? Selbst die ist (im Wortsinne) einmalig.

Wir steigen in denselben Fluß
und doch nicht in denselben,
wir sind es und wir sind es nicht.

– Heraklit

Das einzig Stetige:
Die Veränderung.