Weltformel

Wir sollten diesen Hund nicht „dumm“ nennen,
solange wir noch nach der Weltformel suchen.

Dieses Wesen ist beschränkt darin, die Gesamt-Situation erfassen zu können – genauso wie wir, bezüglich der unseren…, wenn wir die ganze Welt zu fassen kriegen wollen.

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Die Situation dieses Hundes verstehen zu können, erhebt uns nicht. Wir haben keinen Grund, sein Engagement zu belächeln. Was die Beschränktheiten betrifft, sitzen wir im selben Boot. 😉 Die Unterschiede sind letztlich marginal:

Er kann die Grenze seiner Verstehens-Möglichkeiten
nicht erkennen – und wir unsere. . .   ebenfalls nicht.

Nirmalo

Freiheit

Frei sein, heißt wählen können, wessen Sklave man sein will.

– Jeanne Moreau

Ja, unsere Freiheit ist so groß, daß es sogar möglich ist, sich freiwillig in Unfreiheit zu begeben und ja, wir haben die freie Wahl zwischen verschiedenen Arten (Qualitäten), Orten, Strukturen und Menschen (Charaktere), Unfreiheit zu erleben.

Gehorsam nicht…
gleich Gehorsam.

Obwohl es sich um ähnliche Verhaltensmuster handelt; Beispiel:

Fahnen-Eid beim Militär
Ordens-Gelübde im Kloster

Der Gehorsam als solcher ist in der Einrichtung Militär der selbe wie der in der Einrichtung Kloster. Und doch gibt es hier einen himmelweiten Unterschied.

Gehorsam ist freiwillige Selbst-Einschränkung als
rituelles Element innerhalb einer fiktiven Struktur.

Das gilt ab der Erwachsenen-Reife. Bis dahin muß in diesem Kontext Unfreiwilligkeit attestiert werden.

Wer das weiß, weiß zudem, daß er selbst im Gehorsam die Verantwortung für sein Tun & Lassen letztlich nicht abgibt, niemals abgeben kann!

In sehr vielen alltäglichen Strukturen sind wir ebenfalls nicht wirklich frei – nur weniger offensichtlich. Und wir sind uns nicht darüber im Klaren, daß wir gehorchen. Zwei Beispiele:

• Beziehungs-Geflechte
• Straßenverkehrs-Ordnung

Wir begeben uns (mindestens partiell) freiwillig in Unfreiheit.
Das macht die Reife des Erwachsenen (4) aus, daß er nun in
der Lage ist, Verantwortung zu erkennen und anzunehmen.

Einwand: „Der „freie Wille“ ist grundsätzlich eine Illusion. Jedenfalls in der Vorstellung der Deterministen.“

Den Verdacht habe ich auch, aber das berührt nicht mein Verhalten in dieser Dimension. Hier ist der freie Wille (ob Illusion oder nicht) Lebensvoraussetzung. Wir können nicht leben, wir können nichts tun, ohne die Annahme, daß wir frei entscheiden können, was wir tun oder lassen. 

Was aber irgendwelche „Deterministen“ und ihre Vorstellungen dazu sagen, ist komplett irrelevant. – Wie ist die Sachlage an deinem Wohnort? 

Frage: „Sind die Gedanken „irgendwelcher Deterministen“ für dich grundsätzlich irrelevant?“

An dem, was irgendwelche Deterministen zu sagen hatten, bin ich nicht interessiert. Sie sind entweder tot oder weit weg. Sie gehen mich nichts an. 

Wie ich selbst die Dinge bezüglich des freien Willens sehe, hatte ich kurz angerissen. 

Doch wie ist DEIN Blick in die Dinge? Siehst du selber dich in Willens-Angelegenheiten als frei… oder siehst du deine Handlungen, deine Entscheidungen und dein Wollen als bereits vorbestimmt, als längst festgelegt an? 

Ist also der Freie Wille 
     a) real 
     b) oder bloß eine beliebte Illusion?

Jeanne Moreau: „Frei sein, heißt wählen können, wessen Sklave man sein will.“

Es ist wohl die allgemein beliebte gegenseitige Sklaverei auf Augenhöhe, auch (eheliche) Bindung genannt, die Madame Moreau hier gemeint hat. In ihr steht nicht die Freiheit, nicht der freie Ausdruck, nicht die freie Entfaltung und auch nicht die Freiheit des Willens im Vordergrund, sondern… die gegenseitige Erfüllung unterschiedlicher Bedürfnisse.

Anpassung ist selbst
gewählte Unfreiheit.

Man ist überrascht, wenn sich mal jemand aus dem Mittelmaß herausbewegt. Ich denke gerade an Simone de Beauvoir und an Dorothea Christiane Erxleben. Aber auch an Emma Goldmann, die in ihrem spießigen Feministinnen-Club verlauten ließ:

„Wenn ich nicht tanzen darf, will ich an eurer Revolution nicht beteiligt sein!“

Sie fallen auf, die wenigen Menschen, denen Freiheit und Wahrheit wichtiger sind als die kuschelige Spießigkeit, die letztlich immer – auf freiwilliger Basis – mit fein strukturierter Sklaverei abgegolten wird.

Torheit

Die Torheit begleitet uns in allen Lebensperioden. Wenn einer weise scheint, liegt es daran, daß seine Torheiten seinem Alter und seinen Kräften angemessen sind.

– François de La Rochefoucauld

Hier liegt der Schwerpunkt auf der Torheit. Es sieht so aus, als müßte jemand sich selbst und anderen gegenüber rechtfertigen, daß er der Weisheit weniger Beachtung schenkt.

François: „Die Torheit begleitet uns in allen Lebensperioden.“

Du weißt, François, daß uns auch die Weisheit in allen Lebensperioden begleitet, daß sie bloß öfter ignoriert oder sogar geleugnet wird als die Torheit. Die Torheit vor oder über die Weisheit zu stellen, ist allerdings noch weniger als nur eine Torheit.

François: „Wenn einer weise scheint…“

• Der Anschein von Weisheit ist nicht Weisheit.
• Weisheit bedarf keines Anscheins.

Ab einer gewissen Höhe der Geistigen Reife wird das Geschenk der Weisheit nicht ausgeschlagen. Nicht im Alter, nicht im Erwachsenen-Alter, nicht in der Jugend, nicht einmal in der Kindheit.

Bleibt die Geistige Reife jedoch auf einem niedrigen Niveau, behält die Weisheit den Status eines Fremdwortes und dem entsprechend gewinnt die Torheit an Akzeptanz.

Weisheit  📌

Ein freies Wesen

Der Mensch ist…
– ein Naturwesen auf der untersten Stufe, dann ist er
– ein Gesellschaftswesen, und darüber hinaus ist er
– ein freies Wesen.

– Joseph Beuys

Ja, der Mensch besteht aus all diesen (und weiteren) Aspekten gleichzeitig.

Nur zeigen die meisten Menschen ab dem sogenannten „Erwachsenen“-Alter (wie in Starre) vorwiegend nur einen einzigen Reifegrad, den sie dann „Charakter“ nennen. Sie mögen die „Vorhersagbarkeit“. Die vermittelt Vertrautheit und damit die Illusion von „Sicherheit“. So jemand wird als „gesellschaftsfähig“ empfunden.

Die meisten Menschen sind Gesellschaftswesen, sie wollen „dazu gehören“. Die Angst vor dem Ausgeschlossen-werden korrumpiert sie. Sie verzichten auf ihre Freiheit, den dazu gehörigen Mut zur bedingungslosen Wahrhaftigkeit und versuchen sogar, die Liebe einzuhegen: Die Zustimmung und Anerkennung von Seiten der gewählten Gruppe ist ihnen wichtiger.

Das „freie Wesen“, von dem du hier sprichst, findet man eher selten. Der Freigeist ist nicht wirklich gesellschaftsfähig. Er ist unberechenbar, nicht einschätzbar, also unkontrolliert. Man weiß nie so recht, was man von ihm halten soll. Das macht unsicher. Du bist auf deiner dritten Stufe also so ziemlich allein. 😉

Und zuerst bis zuletzt ist der Mensch… ein spirituelles Wesen.

Nichts auf der Welt ist dem Menschen mehr zuwider,
als den Weg zu gehen, der ihn zu sich selber führt!

Hermann Hesse

Zehn Gebote

Die Zehn Gebote sind deswegen so kurz und logisch, weil sie ohne Mitwirkung von Juristen zustande gekommen sind.

– Charles de Gaulle

Wir haben uns vom Dorfältesten verabschiedet und wollen es lieber „ganz genau“ wissen. Deshalb sind die Gesetzestexte so präzise und damit auch so umfangreich.

Dieser riesige Aufwand muß nicht sein, aber die Gesellschaft hat sich dafür entschieden. Uns ist der gerichtsbeständige Vertrag und die ihn regelnden Einzelheiten um Vieles lieber als der einfache Handschlag.

Im Grunde
ist alles ganz einfach.
Probleme wachsen mit den Details.

Die vermehrte Einrichtung von Schiedsstellen könnten ein erster Schritt… in die intelligentere Richtung sein. Die Gerichte sind eh hoffnungslos überlastet.

Aber was, bitte, soll denn an diesen Geboten „logisch“ sein? Es sind bloß kurze Imperative, Forderungen, Gebote. Sie sind Ermahnungen (Erinnerungen) an den Einzelnen, von dem angenommen wird, daß er aus der Liebe herausgefallen und folglich nicht in der Lage ist, von sich aus… das Rechte zu tun.

Dort, wo die Liebe wirkt,
bedarf es keiner Gebote.