Wirklichkeit

Wenn aber das Erkennbare auch das Wirkliche ist, so ist es klar, dass das Erkennen notwendig ist und das vernünftige Denken ebenso.

– Aristoteles

Aristoteles: „…das Erkennbare auch das Wirkliche ist“

Aber nein: Das Sichtbare, Hörbare und Fühlbare sind nicht identisch mit der Wirklichkeit. Unsere Sinne täuschen uns gewaltig, wenn wir nicht äußerst aufmerksam sind.

Darum halten wir die Illusion von
Wirklichkeit für die Wirklichkeit.

Aristoteles: „…klar, dass das Erkennen notwendig ist“

Vieles ist „notwendig“: Der Blut-Kreislauf, die Verdauung der Nahrung, das Unterscheidungsvermögen… und ja, auch das Erkennen. Aber nichts von dem ist notwendiger oder weniger nötig als das andere.

Aristoteles: „…und das vernünftige Denken ebenso (notwendig)“

Ja, auch das Vernunft-Denken ist wichtig. Aber auch das ist nicht wichtiger als die Intuition, als das Mitgefühl, als der Zugang zu Intelligenz und Weisheit…

Das, wovon du sprichst, ist nur die Basis für das (Über-)Leben des Körpers in der Gesellschaft. Bliebe es dabei, bliebe es bei der Horizontalen – wäre es nichts.

Der Mensch beginnt mit der
Einbeziehung der Vertikalen.

Erfolg

Ich kenne keinen sicheren Weg zum Erfolg, aber einen sicheren Weg zum Mißerfolg: Es allen Recht machen zu wollen.

– Platon

Erfolg im Sinne von etwas dauerhaft oder gar endgültig Erreichtem ist eine kindische (2) Idee. Mit der Wirklichkeit hat sie nicht viel zu tun. Denn ob es sich um ein Phänomen in der Natur oder um eine durch Menschen gestaltete Konstellation handelt:

Alles hat einen Anfang, seinen Zenit und
natürlich… auch ein Ende. Ausnahmslos.

Der Begriff Erfolg suggeriert, ein bestimmter Punkt im Entwicklungs-Bogen oder in der Entwicklungs-Kurve sei der „richtige“ und der, welcher wieder die Grundlinie erreicht, der „falsche“, also der Mißerfolg, doch:

Jeder Punkt auf dem Bogen der Entwicklung ist der
richtige und selbstverständlich auch der Endpunkt.

Bewerte deine Erfolge daran, was du aufgeben musstest, um sie zu erzielen.

– Dalai Lama

Hier wird uns die Möglichkeit angeboten, uns und unseren Erfolg – in was auch immer – nicht mit anderen zu vergleichen, sondern an dem, was wir geopfert haben, um es zu erreichen.

Was ist am Erfolg so toll? Das Scheitern! Es macht die Sache rund.

Wann
hat jemand
den größten Erfolg?
Unmittelbar vor dem Abstieg.

Der Zenit des Erfolges markiert gleichzeitig den Wendepunkt. Das Wort sagt es: Darüber geht es niemals hinaus. (Falls doch, war es noch nicht der Zenit)

Erfolg bedeutet, etwas so zu machen, wie es funktioniert.

– Sadhguru

…so lautet die positive, die praktische Definition. Frei von illusionären Schnörkeln.

„Wir neigen dazu, Erfolg eher nach der Höhe unserer Gehälter oder nach der Größe unserer Autos zu bestimmen als nach dem Grad unserer Hilfsbereitschaft und dem Maß unserer Menschlichkeit.“ ~ Martin Luther King

Das Herz findet üblicherweise im Zusammenhang mit Erfolg & Scheitern so gut wie gar keine Erwähnung.

Scheitern

Samuel Beckett, Scheitern,

Wir klammern uns an den Erfolg und schauen verächtlich auf den, der scheitert. Aber:

Das
Scheitern
ist lebenswirklich
die Zwillingsseite des Erfolgs.

Der Aufstieg geht nicht ins Grenzenlose. Sein unkündbarer Bruder, der Abstieg wartet bereits auf seinen Auftritt.

Heraklit hatte das (um 500 vor) schon mal so formuliert: „Hodos anô katô mia kai hôutê“.

Der Weg hinauf und herab ist ein und derselbe.

~ Heraklit von Ephesus

Bisher kennen wir nur die Kultur des Erfolges. Für das Scheitern, für die B-Seite der selben Münze, schämen wir uns.

Ein reiferes Individuum und eine reifere Gesellschaft werden auch das Scheitern (ganz selbstverständlich) genau so hoch achten, wie den Erfolg.

Eine Kultur des Scheiterns drückt sich aus… im Tanz, im Singen und im Lachen. Alexis Sorbas ist ein bekannter Protagonist dieser Kultur.

Scheitern ist nicht unser Feind.
Kultur ist auch..,  den Segen im
Scheitern erkennen zu können.

Und nun noch dieser Blickwinkel… auf den Erfolg:

Wenn der Tag und die Nacht so sind,
daß du sie mit Freude begrüßt
und das Leben dir duftet
wie Blumen – das ist dein Erfolg.

~ Henry David Thoreau ~

Projektion

Ich glaub wohl, daß Ihre Liebe zu mir mit dem Absein
wächst; denn wo ich weg bin, können Sie auch die Idee
lieben, die Sie von mir haben; wenn ich da bin, wird sie
oft gestört durch meine Tor- und Tollheit.

– Johann Wolfgang von Goethe (an Charlotte von Stein)

Er zeigt sich sehr bewußt, der Mann. Im Augenblick der Äußerung bewegt er sich auf der weisen (6) Ebene: Klare Unterscheidung zwischen Liebe und Projektion.

Diese Klarheit ist für Fortgeschrittene, denn das meiste von dem was üblicherweise unter Liebe verstanden wird, ist durch den Emotionalkörper ausgelenkte Projektion.

Bei ständiger Konfrontation mit der Wirklichkeit kann sich keine „schöne Idee“ von etwas oder Jemandem aufbauen oder halten. Im geistigen Mittelmaß aber… wird die Romantik gepflegt, die Illusion, das schöne Bild. Hier wird die klärende Wahrheit als störend, oft sogar als „verletzend“ empfunden.

Frage: „Wie verhält es sich bei Feindschaften?“

Genau so, selbstverständlich.

Auch „der Feind“  ist eine Projektion,
nur eine Idee jenseits der Wirklichkeit.

Wenn wir Krieg führen wollen, müssen wir ein drohendes Feindbild aufbauen. Anders geht es nicht, denn liebenswürdige Mit-Menschen will man nicht übervorteilen, hintergehen, verletzen oder sogar töten.

Wenn wir ein Feindbild generieren wollen, müssen wir zunächst nacheinander alle Kontakte abbrechen. Denn Liebe, Verständnis, Respekt… müssen unbedingt vermieden und verhindert werden! (Im Größeren (Nationalen) wird zudem eine Propaganda-Maschinerie eingerichtet, die den kollektiven Emotionalkörper befeuern und steuern soll.)

Das Ganze funktioniert ziemlich leicht, weil die archaische Anlage dazu in uns allen vorinstalliert ist und jederzeit in Funktion treten kann.

Auch hier sind es allein die Bewußtheit, die Weisheit, oder der Grad der Reife weniger Individuen, die diese – wenn der Mut dazu vorhanden ist – ausscheren lassen.

Doch auch hier gilt: Die (auf-) klärende Wahrheit ist nicht willkommen. Im harmlosen Fall wird sie als unangebracht und störend empfunden. Im weniger harmlosen Fall als „Verrat am Vaterland“ .

Wenn wir eine Zeit lang in den Mokassins des Menschen gehen, den wir
den Feind nennen, wird unser Feind-Bild sehr schnell dahin schmelzen.

Dabei ist es ganz egal, um welche Art „Feind“ es sich handelt.

Hinweis: „C.G.Jung: „Anima Projektion“.

Lesen… kann ich
nicht empfehlen.

Ob Jung oder Alt… Immer behindert Lesen die Intelligenz, hält die eigene Weisheit fern, verhindert den klaren, den unverstellten Blick auf die Dinge, blockiert das selbständige Denken, eben… die eigene Wahrnehmung.

Einwand: „Wir sind uns sicher darin einig, dass es in dieser Welt zu wenig Liebe gibt.“

Nein, sind wir nicht. 🙂

Wenn du den Eindruck hast, daß es in der Welt zu wenig Liebe gibt, dann liebe. Und die Welt sieht gleich ein bißchen anders aus. Ein Anfang für den Ausdruck der Liebe kann sein: Wertschätzung der Menschen – ohne Unterschied.

Zeit

Ernst Bloch, Zeit, Nirmalo,

Gut beobachtet. 😎

Erstens: Ja, in dieser Dimension, in der Frequenz, in der wir uns hier auf dem Planeten Erde befinden ist alles, was vor dem Bewußtsein stattfindet, also alles, was wir „das Geschehen“ nennen, nur durch unsere Sinne erfahrbar.

Zweitens: Sämtliche Sinne funktionieren ausschließlich über Bewegung. In Stillstand, in Bewegungslosigkeit sind sie tot, funktionslos.

Und das nährt die Idee, es gäbe eine fortschreitende Abfolge von zeitlichen Einheiten. Ansonsten (in Wirklichkeit) gibt es sie nicht.

Zeit ist eine Illusion.

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Denke immer daran, daß es nur eine
wichtige Zeit gibt: Heute. Hier. Jetzt.

– Leo Tolstoi

Eine andere Zeit gibt es nicht.
Alles andere sind bloß Ideen.

Aber all diese Vorstellungen von „morgen, übermorgen, gleich, gestern“ haben wir nicht wirklich zur Verfügung: In ihnen können wir nicht leben. Leben können wir nirgends sonst als hier – und zwar jetzt.

Zeit = ist eine Metapher.

Hat man eine Metapher nur oft genug gehört und paßt nicht gut auf, fängt man irgendwann an, ihren Inhalt für wahr zu halten, für real existierend. Dann ist es gar nicht mehr so einfach, zwischen Konstrukt und Realität zu unterscheiden, zumal wir von früh an auf die „Existenz“ der Zeiten (Vergangenheit, Zukunft) konditioniert wurden.

Das kann so weit gehen, daß wir die einzige „Zeit“, die randvoll ist von Wirklichkeit, nämlich die Gegenwart, für illusionär halten, für ein behelfsmäßiges Brücken-Konstrukt zwischen Vergangenheit und Zukunft, indem wir Ziele formulieren.

Ziele werden allesamt in die Zukunft projiziert. Dadurch wird scheinbar bedeutend, was es gar nicht gibt: Die Zukunft.

Die lebendige Gegenwart
wird darüber fast vergessen.

Gerd Z: „Es gibt keine Zeit, Zeit wurde einzig erschaffen um die Logik des Menschen
am laufen zu halten.“

Ja, es gibt keine Zeit.

Und nein, Zeit wurde nicht erschaffen. Es gibt sie nicht.
Alles Wahrzunehmende ist in einem Atemzug enthalten.

Gerd Z: „Einstein beschäftigte sich intensiv mit der Zeit, vergebens, denn er konnte das Wesen der Zeit nicht erkennen.“

Zeit hat kein „Wesen“. Denn es gibt sie gar nicht.

Einstein konnte das nicht sehen. Er beschäftigte sich mit einem Phantom, einer Fata Morgana, einer Illusion.

Das Erste, was die niedere Wissenschaft – die mehr sein will als ein materiell ausgerichtetes Glaubenssystem – leisten muß ist: Realität von Illusion zu unterscheiden.

Daß aber auch das, was wir „Realität“ nennen, ebenfalls bloß eine Illusion ist, können wir als höhere Wissenschaft bezeichnen.

Gerd Z: „Zeit ist ein Kunstgriff der Natur damit nicht alles gleichzeitig passiert“

Genauer gesagt: Es handelt sich hier
um einen Kunstgriff des Verstandes.

Der Verstand arbeitet (unter anderem) ähnlich einem Magier: Er versteht es, Dinge erscheinen zu lassen, die gar nicht da sind und Dinge verschwinden zu lassen, obwohl sie da sind und sogar unmittelbar mit den Augen gesehen werden (könnten) !

Es ist einzig der Verstand, der uns die Illusion von Zeit beschert.
Und dieser macht das ohne unser bewußtes, absichtliches Zutun.

Ja, es ist unser konditionierter Verstand, der „autonom“ entscheidet, was wir sehen und wahrnehmen und… was nicht.

Daß es keine Zeit gibt und das vermeintliche „Wahrnehmen“ von Zeit eine Illusion ist, daß wir uns hier quasi selber etwas vormachen, das bedeutet aber dennoch nicht, daß die Nutzung von Uhr und Kalender in unserem Erdenleben unnütz wären.

Wir können die Illusionen nutzen ― ohne ihnen aufzusitzen. 

Es gibt zwei Tage im Jahr,
an denen man nichts tun kann.
Der eine ist gestern, der andere morgen.

– Dalai Lama –

Was ist die Wahrheit?

Einstein, Materie, Nirmalo

Jemand sagt: „Die Sonne ist untergegangen“. Ist das wahr?

Nein: Die Sonne scheint und scheint und scheint – so scheint es und so sagen es uns die Astronauten. Die Sonne wird die nächsten Generationen oder Jahrtausende über nicht ein einziges Mal unter gehen, sagen die Astrophysiker. Das ist wohl wahr.

Dennoch ist es ebenfalls wahr, wenn jemand sagt: „Die Sonne ist untergegangen“, weil ihre Scheibe gerade hinter dem Horizont verschwunden ist (apropos „Scheibe“). Man weiß allgemein, was gemeint ist, es ist gesellschaftliche Gepflogenheit. Man versteht sich.

Letztendlich ist es nicht wahr, das mit dem Sonnenuntergang – und dennoch handelt es sich nicht um Unwahrheit, nicht um eine Lüge.

Das Wort Wahrheit ist ein höchst bedeutendes – aber es muß
in seinem Kontext definiert sein, andernfalls gibt es Konfusion.

Wenn Albert Einstein sagt: Es gibt keine Materie, liegt er damit wohl richtig: Er sagt die Wahrheit.

Dennoch, wenn der Mann die offene Tür ignoriert und den Weg durch die massive Wand wählt, holt er sich eine blutige Nase. Denn das Mauerwerk besteht aus Materie. Das ist ebenfalls wahr.

Beide Aussagen…

• Die Materie bestimmt unser gesellschaftliches Leben
• Es gibt keine Materie

…sind wahr, jede in ihrem Kontext.

Wer sagt, es gäbe nur eine einzige Wahrheit, lügt – oder weiß es nicht besser, bzw. sieht nicht genau genug hin.

Man könnte auch sagen:
Materie ist eine handfeste Illusion.