Weisheit

Weisheit ist nichts als eine Bereitschaft der Seele, eine Fähigkeit, eine geheime Kunst, jeden Augenblick, mitten im Leben, den Gedanken der Einheit denken, die Einheit fühlen und einatmen zu können.

– Hermann Hesse

Romantische Formulierungen fördern selten die Klarheit.

Weisheit ist nichts…
als eine Bereitschaft.

– Hermann Hesse

So weit, so gut. Denn ja, genau so ist es. Doch leider geht der Satz dann weiter… 😲

1. Weisheit ist kein (!) Denken, sondern eher… ein spontanes Wissen.
2. Einheit IST.

Sie muß nicht erst… und kann auch gar nicht gedacht werden. Dafür ist der Verstand nicht gemacht. Seine Profession ist die Dualität.

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Fallen in die Mitte….  reicht aus.
Jenseits des Denkens ist Einheit.

Hermann Hesse: Weisheit ist eine geheime Kunst…“

…aber nur für jene, die darauf bestehen, sich selbst etwas vorzumachen und die Welt ausschließlich durch den Verstand betrachten zu wollen, denn: Die Weisheit ist weder geheim, noch ist sie eine Kunst (-fertigkeit) oder gar künstlich.

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Wissen / Weisheit

„Habe nun, ach! Philosophie, Juristerei und Medizin, und leider auch Theologie durchaus studiert, mit heißem Bemühn. Da steh ich nun, ich armer Tor und bin so klug als wie zuvor. Heiße Magister, heiße Doktor gar, und ziehe schon an die zehen Jahr herauf, herab und quer und krumm meine Schüler an der Nase herum – und sehe, daß wir nichts wissen können!“ – Johann Wolfgang von Goethe

Kein Wissen der Welt kann uns erklären,
was diese  „im Innersten zusammenhält“.

Johann Wolfgang von Goethe: „…und (ich) sehe, daß wir nichts wissen können!“

Wenn du das wirklich siehst, bist du (zumindest im Augenblick dieses Sehens) weise (6). Solltest du jedoch plagiiert haben, solltest du einen Satz des Sokrates nur ein bißchen umgeschrieben haben, bist du lediglich gebildet (2).

Weisheit attestieren wir einem Menschen, bei dem wir eine „außergewöhnlich“ hohe Dichte an (eigenen!) Erkenntnissen, Selbständigkeit im Denken und vor allem ein vorurteilsfreies Wahrnehmen beobachten können.

Gebildetheit = ist (im besten Fall): Aneignung + Glaube:

1. Aneignung: Die Ansammlung von Erkenntnissen und Informationen anderer.
2. Glaube… an die 
Kompetenz, die Lauterkeit und die Weisheit fremder Autoren.

Wissen aus zweiter Hand = ist genau genommen gar kein Wissen, sondern ein Glauben.

Weisheit können wir nur dann als solche erkennen, wenn wir in diesem Augenblick selbst ebenfalls in den lichten Höhen der Weisheit schwingen, denn: Unweisheit kann Weisheit nicht erkennen.

Der Weise kann einen Gebildeten als solchen
erkennen, aber der Gebildete keinen Weisen
.

„Der Weise“ bezieht seine Erkenntnisse nicht aus den Niederungen des Denkens, sondern mittels des Sich-Öffnens für „Einfälle“ aus den höheren Schichten der Möglichkeiten unserer Wahrnehmung. Den Verstand nutzt er lediglich für die Formulierung, für die auf die Einsicht folgende Form der Kommunikation. 

„Weisheit“ gibt es nur in der Kommunikation mit mindestens einem weiteren Wesen. Für Einsiedler und Mönche ist Weisheit als Begriff (zumindest für sie selbst) irrelevant und meist gar nicht existent, denn…

Weisheit ist nichts Besonderes!
Sie bezieht ihren Glanz ausschließlich 
aus dem Kontrast zur Unweisheit.


Weisheit ist einfach

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Zwar kann man die einfache Weisheit (unnötigerweise) verkomplizieren – dabei mal vorausgesetzt, daß die Aussagen dadurch nicht verfälscht werden – man muß es aber ausdrücklich nicht!

Verkomplizierung = ist nicht (identisch mit) Anreicherung von Weisheit.

Und: Kein Name ist per se Garant für Weisheit.

Weisheit = ist ein kurzer Moment der Klarheit.
(z.B. beim Blick auf ein vermeintliches Problem.)

Weisheit…

  • ist nicht angepaßt
  • ist nicht bescheiden
  • braucht kein Wissen
  • ist nicht vergleichbar
  • ist nicht anstrengend
  • ist nicht unbescheiden
  • ist nicht altersabhängig
  • kennt keine Bestätigung
  • benötigt keinerlei Bildung
  • braucht keine Vorbereitungen
  • läßt sich durch nichts erreichen

Weisheit ist kein starres und auch kein andauerndes Phänomen, sondern ein temporäres, problembezogenes.

Weisheit bedient sich (im Augenblick von Weisheit) einer hohen Reife-Ebene.

Weisheit läßt sich nicht erlangen. In einer Bildungseinrichtung kann man einen Abschluß erlangen, aber für die Weisheit kann man nichts „tun“. — Aussichtslos.

Es ist eher ein Loslassen . . .
welches die Weisheit einlädt.

Wahre Weisheit… gibt es genau so wenig, wie es eine falsche Weisheit… geben kann. Die Unterscheidung bildet sich durch: Weisheit < contra > Nichtweisheit.


Weisheit

„Weisheit wird dargeboten am einsamen Markt,
wo keiner kauft, und gefunden auf dürrem Acker,
wo der Landmann vergebens den Pflug zieht.“

~ William Blake

William Blake: „Weisheit wird dargeboten am einsamen Markt, wo keiner kauft…“

Ganz so düster ist die Situation nun auch wieder nicht. Daß niemand am Kauf von Weisheit interessiert ist, hat auch einen praktischen Grund (in doppeltem Wortsinn !):

Weisheit läßt sich  nicht „veräußern“.

Das, was du an den Markt-Ständen bekommen kannst, ist viel abgestorbene Literatur, aber keine einzige lebendige Weisheit. Und solltest du selber voll der Weisheit sein: Niemand sonst ist an ihr interessiert. Du bleibst drauf sitzen. Die Leute kaufen dir jede Dummheit ab, aber an Weisheit… besteht kein Bedarf.

Weisheit ist
Privatsache.

Sie ist nicht für den Marktplatz.
Weisheit ist nicht objektivierbar.

Wörter, Bücher, Buchhandlungen, Bibliotheken, Wikipedia, Google, Amazon: Sämtliche Informationen und Ergebnisse sind objektivierbar, Weisheit nicht.

Informationen… sind für die Massen.
Weisheit… ist Sache des Individuums.

William Blake: „…und gefunden auf dürrem Acker, wo der Landmann vergebens den Pflug zieht.“

Mit dem Bild des dürren Ackers bin ich nicht ganz einverstanden, denn die Weisheit ist (auch für dich!) immer gegenwärtig. 24 Stunden lang, an 7 Tagen der Woche und danach auch noch… in reichlichem Maße!

Für Weisheit brauchst du nicht zu ackern.
Brauchst dich bloß auf sie einzustimmen.

Ein Pflug wird nicht helfen: Unser Wollen kann hier nichts ausrichten. In Sachen Weisheit können wir nicht pushen, nichts forcieren. Wir können gar nichts „tun“. Im Gegenteil: Die Weisheit verlangt (ohne zu verlangen), daß wir alles absichtsvolle Denken einstellen und eine rezeptive Haltung einnehmen.

Weisheit ist nichts Erdachtes!

Verstandesaktivitäten sind nicht Weisheit.
Weisheit ist keine mentale Angelegenheit.

Weisheit ist nicht tradierbar und kann auch nicht erworben werden. Jemand kann uns von außen auf etwas hinweisen, doch sehen können wir nur selber.

Zeigen ist öffentlich, Sehen… Privatsache.
Information ist allgemein, Weisheit privat.

Eine Meinung kann geteilt werden, Weisheit nicht.

Meinung, Klugheit, Cleverness, Gewitztheit, Fähigkeiten, hoher IQ, sind nicht Weisheit. Sie hat auch nichts mit Zufriedenheit oder mit Unzufriedenheit zu tun und schließlich:

Weisheit kann weder gelehrt,
noch kann sie erlernt werden.


Zwei Märchen

In Bezug auf Weisheit geistern zwei Märchen durch die Lande:

Das eine will uns sagen, es gäbe zumindest für ein paar Wenige die Möglichkeit, ein für alle Mal weise zu sein.

Das zweite will uns sagen, daß es geradezu unschicklich wäre, anzunehmen, man selbst könnte etwas mit Weisheit zu tun haben, daß es folglich immer nur jemand anderes sein müßte, dem wir die Nähe zur Weisheit zutrauen dürften, sodaß wir es schließlich als überheblich bis anmaßend gewertet ablehnen, uns selbst mit ihr in Verbindung zu bringen.

Zur Realität: Zwar halten sich manche Menschen mehr oder öfter in der Frequenz von Weisheit (6) auf als andere, aber:

1. Es gibt keinen weisen Menschen.
2. JEDER  hat Zugang zur Weisheit !

Einwand: „Danke für diese Aufklärung, Nirmalo!“

Der Begriff Aufklärung hat mindestens zwei Bedeutungen:

  1. im Sinne von Informationsübermittlung durch  a n d e r e .
  2. im Sinne von  e i g e n e r  Erkenntnis.
  • Die erste ist nicht viel Wert: Du glaubst an einen hohen Wirklichkeitsgehalt einer Information.
  • Die zweite ist von hohem Wert: In diesem Fall ist der Andere allenfalls ein Auslöser. Die Einsicht selbst… ist exklusiv deine eigene.

Es gibt ein paar Dinge, die niemand für uns erledigen kann. — Die Aufklärung gehört dazu.

Aufklärung  📌


Geistige Reife… wird leicht verwechselt mit dem beliebten (weil Ego-aufbauschenden) „IQ“. Dieser Quotient hat aber nur wenig mit Intelligenz und gar nichts mit Weisheit zu tun. Umgekehrt: Allein der Wunsch, einen hohen IQ attestiert zu bekommen, zeigt eine eher kindliche Reifestufe (2), also noch sehr weit entfernt von jeder Weisheit (6).


Weisheit & Torheit

Denn die Weisheit dieser Welt ist Torheit bei Gott.

~ 1 Kor 3,19

Das schrieb der Paulus aus Tarsus (heutige Türkei) vor etwa 2.000 Jahren in einem Brief an seine Freunde in Kórinthos (Griechenland). Und ja:

Warum sollte sich Gott für unsere Weisheit interessieren? Unsere Idee von „Weisheit“ ist sooo klein, wie unsere Idee von den menschlichen „Problemen“.

Weisheit ist wie Medizin:
Beide haben keinerlei Wert
allein aus sich selbst heraus.

Medizin wird nur und so lange gebraucht, wie „Krankheit“ vorliegt. Im Fall von „Gesundheit“ ist der Wert von Medizin dahin.

Weisheit wird nur gebraucht, solange jemand in Unbalance zu sein scheint, „ein Problem hat“, oder es zwischen einzelnen Menschen oder Menschengruppen so etwas gibt, das wir „Probleme“ nennen.

Gibt es keine „Probleme“,
braucht´s keine Weisheit.

Weisheit verschwindet mit dem Problem, wie…
Medizin mit dem Verschwinden der Krankheit.

Weisheit ist also…
bloß ein Notbehelf.

Ein Gesunder, ein Mensch ohne „Probleme“, ist nicht an Weisheit interessiert, für ihn ist Weisheit ohne Belang. Er wird sich aber vielleicht für Wahrheit interessieren. Vielleicht sogar so sehr, daß wir ihn möglicherweise… weise nennen.

Paulus: „Denn die Weisheit dieser Welt ist Torheit bei Gott.“

Ja. Und: Gott wird sich genau so wenig
für unsere Torheiten interessieren. 😉

Ephesus
Pinien auf den Ruinen von Ephesus (Türkei)