Wahrnehmung

Zierlich Denken und süß Erinnern
Ist das Leben im tiefsten Innern.

– Johann Wolfgang von Goethe

Zierlich und süß… 😳

Du scheinst bereits mit Wenigem zufrieden zu sein, Johann Wolfgang, denn Denken und Erinnern spielt sich an unserem Rande ab.

„Im tiefsten Innern“…  findest du Bewußtsein

Erstaunlich, daß du noch nicht darauf gestoßen bist. – Bei deiner Beobachtungsgabe!

Wahrnehmen 
ist vor dem Denken
und vor dem Erinnern.

Wie könntest du etwas erinnern, das du nicht schon vorher wahrgenommen hättest? Was ermöglicht es dir, das eigene Denken und Erinnern wahrzunehmen? Also: 

Wahrnehmung ist bedeutender. . .  als die Erinnerung.

Mal ganz abgesehen davon, daß – im Gegensatz zum Wahrnehmen – das Erinnern immer brüchig bleibt und sukzessive rudimentärer wird.

Wahrnehmung geschieht, bevor Denken
und Erinnern zu funktionieren beginnen.

Und Wahrnehmen geschieht auch dann, wenn sich Denken und Erinnern bereits langsam verabschieden.

Was ist die Wahrheit?

Einstein, Materie, Nirmalo

Jemand sagt: „Die Sonne ist untergegangen“. Ist das wahr?

Nein: Die Sonne scheint und scheint und scheint – so scheint es und so sagen es uns die Astronauten. Die Sonne wird die nächsten Generationen oder Jahrtausende über nicht ein einziges Mal unter gehen, sagen die Astrophysiker. Das ist wohl wahr.

Dennoch ist es ebenfalls wahr, wenn jemand sagt: „Die Sonne ist untergegangen“, weil ihre Scheibe gerade hinter dem Horizont verschwunden ist (apropos „Scheibe“). Man weiß allgemein, was gemeint ist, es ist gesellschaftliche Gepflogenheit. Man versteht sich.

Letztendlich ist es nicht wahr, das mit dem Sonnenuntergang – und dennoch handelt es sich nicht um Unwahrheit, nicht um eine Lüge.

Das Wort Wahrheit ist ein höchst bedeutendes – aber es muß
in seinem Kontext definiert sein, andernfalls gibt es Konfusion.

Wenn Albert Einstein sagt: Es gibt keine Materie, liegt er damit wohl richtig: Er sagt die Wahrheit.

Dennoch, wenn der Mann die offene Tür ignoriert und den Weg durch die massive Wand wählt, holt er sich eine blutige Nase. Denn das Mauerwerk besteht aus Materie. Das ist ebenfalls wahr.

Beide Aussagen…

• Die Materie bestimmt unser gesellschaftliches Leben
• Es gibt keine Materie

…sind wahr, jede in ihrem Kontext.

Wer sagt, es gäbe nur eine einzige Wahrheit, lügt – oder weiß es nicht besser, bzw. sieht nicht genau genug hin.

Man könnte auch sagen:
Materie ist eine handfeste Illusion.

Eigentum

Alles ist fremdes Gut, nur die Zeit ist unser Eigen.

– Lucius Annaeus Seneca

Eine nette Illusion, denn nicht einmal sie, die Zeit, ist unser Eigen. Die Wahrheit: Real ist nur der Moment. Aber selbst der gehört uns nicht. In ihm geschieht unser Leben.

Zeit, Fremdheit und Eigentum haben keine Realität, sondern sind kollektive Ideen. Haben wir sie nur lange genug gehegt, erscheinen sie uns… beinahe als „wirklich“.

Nichts ist fremdes Gut,
nichts ist unser Eigen.

Und drittens: Selbst unsere Körper… sind nur Leihgaben.

Viertens ist auf der sozialen Ebene, im gesellschaftlichen Umgang miteinander, die Idee von Eigentum selbstverständlich von großem Nutzen! Hier braucht es die Regeln und andere Hilfskonstrukte, sowie auch Uhr und Kalender.

Zweite Seite zu…  Eigentum  📌

Unser Wissen

Durch unser Wissen unterscheiden wir uns nur wenig, in unserer grenzenlosen Unwissenheit aber sind wir alle gleich.

– Karl Raimund Popper

Das sind weise Worte. 

Und was du hier sagst, gilt nicht nur für vermeintliches Wissen. Auch in dem, was wir denken, in dem, was wir sagen und in dem, was wir tun unterscheiden wir uns bei Licht betrachtet so minimal, daß es der Rede nicht wert ist.

In dem was wir sind, sind wir
ausnahmslos alle 100% gleich.

Wir sind Brüder. Ob wir uns nun gegenseitig erschlagen, oder nicht.

Nur, wenn wir verblendet sind und den Bruder nicht als Bruder erkennen, können wir Spielzeugbomben basteln und Krieg führen.

In Beethoven´s Ode an die Freude singt man: „Alle Menschen werden Brüder…“ Aber das ist falsch, denn…

Alle Menschen SIND Brüder.

Je genauer wir hinsehen, desto schneller schmelzen die Unterschiede dahin.

Gelehrtheit

Michel de Montaigne, Wissen Nirmalo, Weisheit,

So ist es halt. Danke, Michel. Es ist einfach wahr: Gelehrtheit nutzt uns nicht viel, kommt nicht auch noch die Weisheit hinzu.

Wissen kommt von Außen,
Weisheit… NUR von Innen.

Gelehrtheit trennt uns von der Weisheit unüberbrückbar ab. Aber die Leute trauen meist eher dem vermeintlichen Wissen anderer, als ihrer ihnen selbst innewohnenden Weisheit. Wovor diese Angst?

Es braucht nur ein bißchen Mut und…
die unbedingte Bereitschaft zur Wahrhaftigkeit.

„Wenn man von Mitgefühl und von Weisheit spricht … von Intelligenz oder Wissen, ist es notwendig zu verstehen, daß wir wiederum über verschiedene Stufen und Arten von Wissen und Weisheit sprechen. Ganz allgemein betrachtet, gibt es das konventionelle Wissen, das sich auf unsere alltägliche Erfahrungswelt bezieht, und es gibt letztendliches Wissen, das sich auf die tieferen Aspekte der Wirklichkeit bezieht.“  Dalai Lama

Die selbe Notwendigkeit zur Differenzierung
besteht in Bezug auf das Wort:  Wahrheit  📌

Das Denken

Das Denken…  macht die
Größe des Menschen aus.

– Blaise Pascal

Hast du das von dem René Descartes? Der hat mal ähnlichen Unsinn erzählt: „Cogito ergo sum.“ Der Herr Lichtenberg blickt hier schon etwas tiefer:

„Es denkt“ sollte man sagen, so wie man sagt:
„Es blitzt“. Zu sagen „cogito“ ist schon zu viel.

– Georg Christoph Lichtenberg

Ja, weil es nicht der reinen Wahrheit entspricht, wenn man sagt: „Ich denke“. Denn schließlich ist eine gewonnene Erkenntnis auch nicht „meine Erkenntnis“. Ich kann sie mittels Verstand formulieren.  Das ist alles. Dadurch gehört sie mir noch nicht.

Mancher Schrifthersteller mag das aus seinem Ego und/oder aus monetären Gründen heraus anders sehen. Aber nur, wenn wir nicht wahrhaftig oder intelligent genug sind, können wir von „geistigem Eigentum“ reden.

Schöpfung

Das Universum kann sich selber aus dem Nichts erschaffen.

– Stephen Hawking

Aber das Nichts ist
nicht gleich Nichts.

Das Nichts ist bloß nichts, mit dem unser kleiner logisch funktionierender Verstand etwas anfangen könnte. Das Nichts ist zu groß für ihn. Der Verstand ist so wenig für das Nichts gebaut, wie der Vorschlaghammer für das Programmieren eines Roboters.

Wenn wir mit dem Verstand identifiziert sind – und somit die Weisheit außen vor lassen – glauben wir, mit dem Fingerhut den Himmel ausschöpfen zu können.

Ohne den Einfluß der Weisheit ist
der Verstand so dumm wie Stroh.

Zweite Perspektive: Das Universum kann nichts erschaffen. – Auch nicht aus dem Nichts. Aufgrund der Funktion unserer Sinne im Zusammenspiel mit dem Verstand, glauben wir schlußfolgernd (Interpretation), Geschehen wahrzunehmen.

Dieses  g e s c h e h e n  ist  Einheit.

Es gibt keinen Nanometer Trennung in dem Geschehen, das du hier erschaffen nennst. Nichts und Niemand erschafft und nichts wird erschaffen, von niemand – auch nicht vom Universum.

In unserem überschaubaren Verständnis-Radius hingegen, im gesellschaftlichen Leben, macht die Annahme von Dualität Sinn. Hier unterscheiden wir vernünftigerweise das schaffende Subjekt vom geschaffenen Objekt.

Genauso wie ein Kind, das in einem Sandkasten einen „Kuchen backt“:
Das Kind (Subjekt) → verfolgt die Absicht (Idee, Skizze) → über das
Mittel Förmchen (Matrize, Werkzeug) → den Sand (Objekt), → seine
Form, → seine Funktion und → seine (ideelle) Wertigkeit zu ändern.

Hier ist der Verstand von Nutzen.