Mündigung

Politik und Kirche sind dasselbe. Sie halten die Menschen in Unwissen.

– Bob Marley

So mächtig sind weder die Politik, noch die Kirchen, lieber Bob Marley. Wollen die Menschen in Unwissen (welcher Art auch immer) sein und bleiben, so ist das ihre Sache.

Will aber jemand „vom Unwissen zum Wissen“ übergehen, sich also emanzipieren, so ist das nicht Sache der Politik und selbstverständlich auch keine der Kirchen:

Die Mündigung kann immer
nur jeder selbst vornehmen!

Immanuel Kant nannte das „Aufklärung“. Der Begriff ist mißverständlich, weil er nahelegt, Einer könnte des Anderen Aufklärer sein, doch er sprach wörtlich von der selbstverschuldeten Unmündigkeit und forderte:

Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen!

Faulheit und Feigheit sind die Ursachen, warum ein so großer
Teil der Menschen, nachdem sie die Natur längst von fremder
Leitung freigesprochen, dennoch gerne zeitlebens unmündig
bleiben; und warum es anderen so leicht wird, sich zu deren
Vormündern aufzuwerfen.

Es ist so bequem, unmündig zu sein.“           – Immanuel Kant

Recht hat er. Politik & Kirchen für die eigene Unmündigkeit anzuklagen heißt, sie damit zu Vormündern zu erklären.

Für unsere Unmündigkeit können wir niemanden
sonst verantwortlich machen ― außer uns selbst.

An dieser Stelle sind beide Institutionen, Politik und Kirchen*, nun mal komplett unschuldig. 😇

Was ist Aufklärung?  📌


*) Mit Kirchen sind hier nicht nur die festen religiösen Strukturen der Christen gemeint, sondern in gleicher Weise die exoterischen Einrichtungen der Juden, Moslems, Hindus und vieler anderer Strömungen.

Arithmetik

1 x 1 = 1, unzweifelhaft. Aber 1² ist nicht 1, weil das Quadrat einer gegebenen Zahl größer sein muß als die Zahl selbst. Die Wurzel aus 1 kann logischerweise nicht 1 sein, weil die Wurzel aus einer Zahl kleiner sein muß als die Zahl selbst. Aber mathematisch oder formal ist √1 = 1. Die Mathematik widerspricht in diesem Falle der Logik oder der reinen Vernunft, und darum ist die Mathematik in diesem Kardinalfalle vernunftwidrig. Auf dieser Sinnlosigkeit, der 1, bauen sich dann alle Werte auf, und in diesen falschen Werten fußt die mathematische Wissenschaft, die „einzig exakte, unfehlbare“. Aber dies ist Mathematik! Ein artiges Spiel für Leute, die nichts zu tun haben.

– August Strindberg

Das Problem ist nicht ein Konstrukt der Mathematik, hier der Arithmetik, sondern daß die Mathematik als solche von ihren Fans eine solche Ehrerbietung erfährt, die weit über die reale Nützlichkeit des Konstrukts hinaus geht.

Mathematik = ist als ein aus Zahlen und Buchstaben bestehendes erdachtes Konstrukt-Konglomerat ein unterstützendes mentales Hilfs-Werkzeug für letztlich praktische Gestaltung.

Mehr nicht – aber als solches an den passenden Stellen eingesetzt, nützlich.

Auch ein Axiom, dem jede Wirklichkeit (Wahrheit) abgeht, kann (als provisorische Annahme) in einem begrenzten Kontext hilfreich und also… enorm nützlich sein.

Zweiter Punkt: Regelwerke entziehen sich als solche einer Bewertung in richtig und falsch.

Die Mathematik funktioniert, wie jedes andere Spiel (z.B. „Mensch ärgere Dich nicht“), innerhalb eines Regelsystems, auf das sich die Spieler/Rechner einigen konnten. Dieses hier beruft sich auf den Herrn Riese.

Wer sich auf ein regelbasiertes Spiel einläßt,
hat das Konstrukt kommentarlos akzeptiert.

Schuld & Dank

Keine Schuld ist dringender, als die, Dank zu sagen.

 – Marcus Tullius Cicero

Wer diesem Satz des Marcus zustimmt, oder ihn gar verinnerlicht, sitzt zwei Illusionen auf: 1. daß es so etwas wie Schuld gibt und diese von Bedeutung sei und 2. daß es vonnöten sei, Dank zu sagen.

Der Schuld-Begriff wurde für die Masse derer erfunden, die nicht von sich aus wissen, was rechtens ist und deshalb zur Orientierung ein Konvolut an Moral-Vorschriften und Gesetzen benötigen, damit ein einigermaßen reibungsarmes Verhalten gewährleistet ist.

Wer aus einem Schuldgefühl heraus „danke“ sagt, hat vielleicht der Etikette entsprochen, ist aber Meilen von der Dankbarkeit entfernt.

Wirkliche Dankbarkeit ist kein Element der Etikette und gedeiht auch nicht auf dem Boden der Angst vor irgendwelchem Verlust.

Auf das Aufkommen echter Dankbarkeit haben wir keinen Einfluß.

Doch auf die Ausführung von Verhaltens-Mustern haben wir auf verschiedene Weise Einfluß: Durch Schuldgefühle oder Pflichtprogramme von innen oder durch variablen Druck von außen. Sämtliche Verhaltens-Muster unterliegen unseren Entscheidungen, aber…

Die echte Dankbarkeit entzieht sich komplett all unserem Wollen:
Sie steigt auf, wenn sie aufsteigt und bedarf keiner Formulierung.

Geistige Näherung

Die Natur muß gefühlt werden, wer sie nur sieht und abstrahiert, kann (…) Pflanzen und Tiere zergliedern, er wird die Natur zu beschreiben wissen, ihr aber selbst ewig fremd sein.  (1810 an J.W.v. Goethe)

– Alexander Freiherr von Humboldt

Kleine Kinder (und Wissenschaftler) machen das gerne mal so, daß sie etwas aufschneiden, wenn sie es verstehen wollen. Das paßt zu ihrem Reifegrad (2).

Wir haben aber auch noch andere, höhere (geistige) Ebenen zur Verfügung; solche, die über die Kapazitäten des Verstandes hinaus gehen: Die (unbedingte) Liebe ist solch eine, die Gegenwärtigkeit (Achtsamkeit) bietet eine solche, die Ehrfurcht ebenfalls und die Dankbarkeit…

Wie der Alexander schon sagt: Wir nähern uns der Seele der Natur mit unserer Seele, mit unserem Wesen, nicht über den analytischen Verstand. Mit der Ratio halten wir sie uns (als Objekt) auf Distanz.

Mit der sezierenden Methode, mit einer rein wissenschaftlichen Einstellung, solange wir uns der Natur nur via Verstand zu nähern versuchen, wird sie uns ewig fremd bleiben. 

Solange wir also nur die Kruste der Natur untersuchen wollen, reicht der analytische und einordnende Verstand aus, solange genügen Hacke, Stift, Tabelle, Labor, Algorithmus, Zollstock, Waage, Reagenzglas und Seziermesser.

Wenn wir uns aber der Natur selbst, ihrer Seele, schon allein ihrer Schönheit nähern wollen, müssen wir die groben Werkzeuge beiseite legen und mit unserer Seele lauschen und… schauen. Diese ehrfurchtsvolle Näherung – an was auch immer – wird uns mehr an (auch wissenschaftlicher) Erkenntnis bringen, als jede aggressive Methode.

Einwand: „Humboldt war ein besonderer Mensch.“

Mit dieser Formulierung wird vorausgesetzt, es gäbe auch „nicht besondere“ Menschen. Angenommen du hast eine Tochter mit nur durchschnittlichen Schulnoten: Ist sie ein nicht besonderer Mensch?

Dieser Alexander war ein ganz normaler Mensch. Aber ein Wissenschaftler wie der Alexander, ein DatenSammler mit Herz und Seele, fällt auf. Menschen mit einer höheren Geistigen Reife fallen uns auf. Sie bringen etwas ins Schwingen. Sie erinnern uns an die eigenen höheren Ebenen.

„Ich denke…“

Wenn wir sagen: „Ich denke….“ bedenken wir meistens nicht, was wir damit sagen. Wir stellen nicht vorab die Frage: „Was eigentlich heißt hier… denken?“

Nicht selten ist das, was wir „denken“ nennen, ein Griff in die Mottenkiste: Alte Erinnerungsfetzen gepaart mit Wert-Maßstäben, die nicht einmal von uns selber stammen, sondern früh übernommen wurden.

Wahrnehmen… können wir nur in
Momenten der Gedankenlosigkeit.

Andernfalls befinden wir uns in der Mottenkiste, aber nicht im Feld der Möglichkeit von Wahrnehmung der Grazie.

Wer sich von der Schönheit eines Gänseblümchens berühren läßt, befindet sich in diesem Moment in der gedankenleeren Zone. Kein Vergleich, keine Wertung. Oft sind es nur sehr kurze Momente der Präsenz, bevor der grobe Verstand wieder einbricht… in die feine Sphäre der Wahrnehmung.

Wahrnehmung ist…
unmittelbares Sehen.

…unter Hintanstellung des wertenden Verstandes. Den sollten wir erst später wieder bemühen – beim Einkauf, zum Beispiel.

Der Verstand ist in der Lage, eine Bombe zu bauen, aber nicht fähig,
den Liebreiz im Gesicht der kleinen Tochter des „Feindes“ zu sehen.

Das Denken ist nicht so
wichtig, wie wir denken.

Einwand: „…immer wieder auch das Staunen, das der Antrieb jeder Forschung sein sollte.“

Sollte. Weil Staunen und Ehrfurcht einerseits die (wissenschaftliche) Neugierde wecken, gleichzeitig auch menschengemachte Katastrophen vermeiden können.

Nur kann ich im Gros der Wissenschaft vorrangig nur Verstandesaktivität erkennen. Die leider sehr wenigen Ausnahmen bestätigen meine Befürchtungen.

Staunen und Ehrfurcht gehören einer höheren Schwingung an, sie sind nicht Teil des Verstandes. Der hält sie für „unvernünftig“.

Der Verstand allein gelassen und von höheren Einsichten unkontrolliert, führt unweigerlich ins Verderben. Beispiel: Es bedarf sehr viel an Verstandes-Kapazität, um eine Wasserstoffbombe bauen zu können. Dagegen braucht´s bloß ein kleines bißchen an Weisheit, um es bleiben zu lassen. Oder ein wenig Mitgefühl, oder etwas Ehrfurcht, oder etwas Einsicht, oder…

Der Verstand
ist beschränkt.

Nimmt sich aber enorm wichtig! 

Wenn es uns gelingt, die Grenzen des Verstandes erkennen zu können,
heißt das doch nicht…, daß uns seine Fähigkeiten abhanden kommen !

Aber nur mit dem nötigen Abstand – mit der nötigen Intelligenz, bzw. Weisheit – können wir ihn sinnvoll und verantwortungsvoll einsetzen. 

Mit den Mitteln des Verstandes können wir die Randbereiche* der Natur wiegen, messen, zählen und aufschneiden. Wir können ein paar Theorien konstruieren, sie aber niemals wirklich verstehen. Selbst wenn dies prinzipiell möglich wäre, müßte unser vergleichsweise primitiv funktionierender Verstand größer sein als alles das, was er verstehen will, deswegen:

Vom Verstand können wir tiefes Verstehen so wenig erwarten,
wie die Neukomposition einer Symphonie von einer Drehleier.

Erkenntnisse gewinnen wir nicht via Verstand,
sondern kommunizieren sie lediglich mit ihm.

*) Die Randbereiche der Natur ist der Teil, den wir mit unseren Sinnen und ihren Hilfsmitteln „sehen“ können.

Dankbarkeit

Das Undankbarste, weil Unklügste, was es gibt, ist Dank erwarten oder verlangen.

– Theodor Fontane

…denn das, was man bekommt, wenn man Dank verlangt, ist allenfalls eine GESTE scheinbarer Dankbarkeit – aber niemals Dankbarkeit.

Über wirkliche Dankbarkeit kann niemand verfügen; man kann sie nicht einfordern und auch nicht beabsichtigen. Jemand kann eine Geste der Dankbarkeit verlangen und ein Anderer kann Dankbarkeit heucheln. Beides ist möglich.

Doch die wirkliche Dankbarkeit ist immer echt.
Sie kommt auf, wenn sie aufkommt. Nur dann.

Sokrates

Philosophie heißt für Sokrates: auf Wahrheit ausgerichtet zu sein, ohne sie zu besitzen.

Wolfgang H. Pleger  (S. 174)

• Gilt es nur für den Sokrates, daß Philosophie auf Wahrheit ausgerichtet ist?
• Könnte denn jemals… irgend jemand „Wahrheit besitzen“? Wenn ja, wer?

1. Für die Philosophie ist es Voraussetzung, auf die Wahrheit ausgerichtet zu sein. Das gilt nicht nur für den Sokrates, sondern für jeden Philosophierenden – ausnahmslos! Wer nicht auf die Wahrheit ausgerichtet ist, kann vielleicht schwätzen, aber nicht philosophieren.

2. Nicht nur Sokrates kann die Wahrheit nicht besitzen. – Niemand kann das.

Diese beiden Aspekte sind also nicht typisch… für die
Person Sokrates, sondern typisch für die Philosophie.

Aspekte der Freiheit

Viele Philosophen meinen, dass wir auch in einer naturgesetzlich determinierten Welt einen freien Willen haben können.

– Geert Keil

(Reclam-Klappentext zu „Willensfreiheit und Determinismus“)

Was „viele Philosophen“ dazu „meinen“, ist nicht erheblich. Interessant ist, ob wir alle grundsätzlich (oder partiell) frei  s i n d  –  oder es nicht sind.

Hier geht es um mehr als nur  e i n e n  Aspekt des Begriffs „Freiheit“:

◾ Handlungs-Freiheit
◾ Universelle Freiheit
◾ Freiheit des Willens
◾ Körperliche Freiheit
◾ Gedankliche Freiheit
◾ Wahrnehmungs-Freiheit
◾ Außerkörperliche Freiheit

Gut möglich, daß wir in Wirklichkeit gar keine Wahl haben.

Vielleicht sagt uns das unsere Wissenschaft in Kürze oder hat es schon getan, aber: Wir könnten keine vierzehn Tage überleben, würden wir uns nicht mindestens in der Illusion wiegen, frei zu sein… im Wollen und im Tun, im Denken und in der Wahrnehmung!

Ein Schaf fühlt sich vielleicht grenzenlos frei, wenn es
sich im Schutz der Herde innerhalb einer für uns klar
erkennbaren Umzäunung bewegt.

Die Frage ist also nicht so sehr, ob wir frei  s i n d,
sondern ob wir uns als frei  e r l e b e n,  denn:

Können wir Zäune überwinden, die
wir gar nicht als solche erkennen ?

Eine Grenze können wir nur dann überwinden, wenn wir sie
1. als solche sehen,
2. als solche anerkennen und dann
3. als solche „verletzen“ oder reißen.

Grenzen sind Denkgebilde.

Selbst in einer Gefängniszelle kann man sich frei fühlen. Die Klosterzelle bietet kaum mehr Freiraum und doch begeben sich viele Leute freiwillig und über viele Jahre in eine solche. Manche bis zum Ende ihres Lebens – ohne sich auch nur einen Augenblick lang unfrei gefühlt zu haben.

Und wer kennt schon seine Denk-Grenzen? Wer kennt die absoluten Grenzen seiner mentalen Möglichkeiten?

Ich nehme mal an, wir haben 25 Sinne der Wahrnehmung zur Verfügung. Meinetwegen können wir uns zusätzlich auch noch ein paar technische Hilfskonstruktionen (Krücken) bauen, um damit den einen oder anderen Sinn ein bißchen zu erweitern, aber irgendwo ist die absolute Grenze.

Also sind wir in dieser Inkarnation als Mensch wohl nicht wirklich frei: Unsere Sinne begrenzen uns. Unser Vorstellungsvermögen begrenzt uns. Körperlich sind wir in unserem Bewegungsradius eingeschränkt. Im Denken sind wir begrenzt. Unser Erinnerungsvermögen ist rudimentär. Fühlen können wir nur, was wir fühlen können und nichts darüber hinaus. Können wir mehr wollen, als wir wollen? – Können wir überhaupt wollen, was wir wollen?

Trotz aller Begrenzungen haben wir alles, um ein zufriedenes, ein aufregendes, ein intensives, ein erfüllendes, ein auf vielen Ebenen reiches Leben führen zu können.

O.k., womöglich können wir es nicht wirklich „führen“, 😉
doch können wir viele seiner Nuancen bewußt erleben.

Ob determiniert oder nicht, geht die (echte) Philosophie nichts an. Warum nicht? Weil sich hier das Feld der Spekulationen (2) auftut und das ist nicht die Ebene der Weisheit (6), also nicht das Feld der Philosophie. Auf jeden Fall sind wir so frei, daß wir als Menschen die anstehenden Erfahrungen machen und (geistig) reifen können.

kunstschaffende: „Wahre Freiheit findet für mich nur im Geiste statt!“

Die körperliche Bewegungs-Freiheit ist aber auch nicht zu verachten.
Solltest du die außerkörperliche meinen: Da könntest du Recht haben.

kunstschaffende: „Die Gedanken Freiheit ist noch nicht sichtbar!“

Auch wenn du sie (noch) nicht sehen kannst: Sie ist da. Im Rahmen dessen, was dir der Verstand ermöglicht, hast du alle Freiheiten der Welt. Wer wollte oder könnte sie dir nehmen? – Wenn wir mal von den Konditionierungen, die in den frühen Jahren stattgefunden haben, absehen. Und da wären noch die Prägungen und somit Einengungen, die sich jeder, zum Beispiel mittels seines „Weltbildes“ und den internalisierten Wertvorstellungen, selber konstruiert.

Innerhalb all dessen:
Gedankenfreiheit. 🌾