Freiheit

Frei sein, heißt wählen können, wessen Sklave man sein will.

– Jeanne Moreau

Ja, unsere Freiheit ist so groß, daß es sogar möglich ist, sich freiwillig in Unfreiheit zu begeben und ja, wir haben die freie Wahl zwischen verschiedenen Arten (Qualitäten), Orten, Strukturen und Menschen (Charaktere), Unfreiheit zu erleben.

Gehorsam nicht…
gleich Gehorsam.

Obwohl es sich um ähnliche Verhaltensmuster handelt; Beispiel:

Fahnen-Eid beim Militär
Ordens-Gelübde im Kloster

Der Gehorsam als solcher ist in der Einrichtung Militär der selbe wie der in der Einrichtung Kloster. Und doch gibt es hier einen himmelweiten Unterschied.

Gehorsam ist freiwillige Selbst-Einschränkung als
rituelles Element innerhalb einer fiktiven Struktur.

Das gilt ab der Erwachsenen-Reife. Bis dahin muß in diesem Kontext Unfreiwilligkeit attestiert werden.

Wer das weiß, weiß zudem, daß er selbst im Gehorsam die Verantwortung für sein Tun & Lassen letztlich nicht abgibt, niemals abgeben kann!

In sehr vielen alltäglichen Strukturen sind wir ebenfalls nicht wirklich frei – nur weniger offensichtlich. Und wir sind uns nicht darüber im Klaren, daß wir gehorchen. Zwei Beispiele:

• Beziehungs-Geflechte
• Straßenverkehrs-Ordnung

Wir begeben uns (mindestens partiell) freiwillig in Unfreiheit.
Das macht die Reife des Erwachsenen (4) aus, daß er nun in
der Lage ist, Verantwortung zu erkennen und anzunehmen.

Einwand: „Der „freie Wille“ ist grundsätzlich eine Illusion. Jedenfalls in der Vorstellung der Deterministen.“

Den Verdacht habe ich auch, aber das berührt nicht mein Verhalten in dieser Dimension. Hier ist der freie Wille (ob Illusion oder nicht) Lebensvoraussetzung. Wir können nicht leben, wir können nichts tun, ohne die Annahme, daß wir frei entscheiden können, was wir tun oder lassen. 

Was aber irgendwelche „Deterministen“ und ihre Vorstellungen dazu sagen, ist komplett irrelevant. – Wie ist die Sachlage an deinem Wohnort? 

Frage: „Sind die Gedanken „irgendwelcher Deterministen“ für dich grundsätzlich irrelevant?“

An dem, was irgendwelche Deterministen zu sagen hatten, bin ich nicht interessiert. Sie sind entweder tot oder weit weg. Sie gehen mich nichts an. 

Wie ich selbst die Dinge bezüglich des freien Willens sehe, hatte ich kurz angerissen. 

Doch wie ist DEIN Blick in die Dinge? Siehst du selber dich in Willens-Angelegenheiten als frei… oder siehst du deine Handlungen, deine Entscheidungen und dein Wollen als bereits vorbestimmt, als längst festgelegt an? 

Ist also der Freie Wille 
     a) real 
     b) oder bloß eine beliebte Illusion?

Jeanne Moreau: „Frei sein, heißt wählen können, wessen Sklave man sein will.“

Es ist wohl die allgemein beliebte gegenseitige Sklaverei auf Augenhöhe, auch (eheliche) Bindung genannt, die Madame Moreau hier gemeint hat. In ihr steht nicht die Freiheit, nicht der freie Ausdruck, nicht die freie Entfaltung und auch nicht die Freiheit des Willens im Vordergrund, sondern… die gegenseitige Erfüllung unterschiedlicher Bedürfnisse.

Anpassung ist selbst
gewählte Unfreiheit.

Man ist überrascht, wenn sich mal jemand aus dem Mittelmaß herausbewegt. Ich denke gerade an Simone de Beauvoir und an Dorothea Christiane Erxleben. Aber auch an Emma Goldmann, die in ihrem spießigen Feministinnen-Club verlauten ließ:

„Wenn ich nicht tanzen darf, will ich an eurer Revolution nicht beteiligt sein!“

Sie fallen auf, die wenigen Menschen, denen Freiheit und Wahrheit wichtiger sind als die kuschelige Spießigkeit, die letztlich immer – auf freiwilliger Basis – mit fein strukturierter Sklaverei abgegolten wird.

Anpassung

Es ist leichter, gehorchen, als befehlen zu lernen.

– Niccoló Machiavelli

Klar, denn wenn du befiehlst, stehst du allein da, forderst du heraus, bist du immer angreifbar, bist du Zielscheibe für alle möglichen Sorten von Anfeindung. Du bist, für jeden sichtbar, selbst verantwortlich und… mußt alles allein entscheiden.

Wenn du gehorchst, folgst du einfach der Angst. Du kannst dich hinter dem Befehl verstecken, dich fast unsichtbar machen. Du suchst Schutz und gibst die Verantwortung für dein Handeln an den Befehlenden ab. Gehorsam (Unterwerfung) ist um vieles einfacher als das Kommandieren.

Das Bedürfnis nach Anpassung…  ist kollektiv
gesehen größer, als das Bedürfnis, zu befehlen.

Archaisch gesehen ist das Befehlen
Angriff und das Gehorchen Flucht.

Diese psychologischen Mechanismen funktionieren wie am Schnürchen.

Meistens findet sogar der, der ihnen Furcht
einflößt, mehr Folgsamkeit und Gehorsam
als der, der ihnen Liebe entgegenbringt.

– Niccoló Machiavelli

Gut beobachtet, Niccoló. 😎

Zudem generiert er mehr Aufmerksamkeit und Achtung. Man setzt mehr Vertrauen in seine Stärke und er bekommt wesentlich mehr Unterstützung als der, der ihnen Liebe entgegenbringt.