Menschenwürde

.

Die Würde des Menschen ist unantastbar.
Sie zu achten und zu schützen
ist Verpflichtung aller staatlichen Gewalt.

~ Artikel 1.1 Grundgesetz ~

.

Die menschliche Würde ist von nichts abhängig. Sie ist un-abhängig von

  • Hautfarbe,
  • nationaler Zugehörigkeit,
  • der Art der Tätigkeiten,
  • Einkommen,
  • Geschlecht,
  • sexuellen Neigungen,
  • gesundheitlicher Verfassung,
  • Ansehen,
  • Zustand des Kontos,
  • der Art zu denken,
  • Gesinnung
  • der Seite eines möglichen Kriegsgrabens,
  • religiöser Zuneigung,
  • zurückliegenden und zukünftigen Handlungen,
  • geistigen und handwerklichen Fähigkeiten.

Die Würde des Menschen ist bedingungslos.


Würde

Nicht das Zeitliche, sondern das Ewige
…bestimmt die Würde des Menschen.

― Jean Paul

Frage: „Wie begründet sich die Menschenwürde?“

Gar nicht.

Die Würde des Menschen…
bedarf keiner Begründung.

Die niederen Werte begründen sich meist über ihre Nützlichkeit. Die höheren Werte… bedürfen keiner Begründung.

Begründung ist ein
Element der Logik.

Die Würde des Menschen, des Tieres,
der Natur ist größer als unsere Logik.

Es bedarf aber einer gewissen Geistigen Reife, um würdigen zu können und um Würde überhaupt erkennen zu können.

Nichts ist quälender als die Kränkung menschlicher
Würde – nichts erniedrigender als die Knechtschaft.

― Marcus Tullius Cicero   (Quelle: Leo Tolstoi, Für alle Tage. Ein Lebensbuch)

Was „gekränkt“ oder „erniedrigt“ werden kann, Marcus Tullius oder Lew Nikolajewitsch, ist nicht die Würde, sondern das Ego.

Die Würde hat es nicht mit dem Ego
und das Ego weiß nichts von Würde.

Pilatus konnte sie sehen, die Würde, als Jesus geschunden vor ihm stand, und gedemütigt.

Einwand: „Die christliche Sicht … Es gibt auch humanistische Begründungen der Menschenwürde.“

Die Würde ist nicht eine Sache einer
Religion oder einer Weltanschauung.

Würdigung ist kein Verhalten.

Und niemand muß erst eine Bibliothek oder einen Tempel betreten, um würdigen zu können.

Würdigung ist kein Tun,
also nicht antrainierbar.

Verhalten ist trainierbar – Würdigung nicht.

Einwand: „Ob man einer Sache eine Würde und einen Wert beimisst, hat natürlich schon etwas mit Erziehung und Sozialisation zu tun.“

Wert und Würde sind zweierlei.

Werte messen wir Dingen unter dem Aspekt der Nützlichkeit bei. Werte verleihen wir den Dingen auf der Horizontalen.

Im Feld dessen was wir Würde nennen, befinden wir uns in der Vertikalen. Beispiel:

Wenn wir uns beim Anblick eines Kalbes vorstellen, was es als Ganzes auf dem Markt wohl bringen wird, oder der Nacken, das Schulterstück, usw, befinden wir uns auf der HORIZONTALEN: Wir bewerten seine einzelnen Körper-Teile auf der gesellschaftlichen Ebene unter verschiedenen Gesichtspunkten der Nützlichkeit (Geld, Geschmack, Aufwand usw…).

Befinden wir uns aber in der Schwingung der Liebe, des Mitgefühls, der Würdigung, der Achtung, des Respekts, der Achtsamkeit, der Ehrfurcht, haben wir die Ebene der Waren-Einschätzung verlassen. Wir öffnen uns der VERTIKALEN.

Es gibt eine Anekdote aus dem Leben Jesu, wo er dies klar unterscheidet: Mit aufweckenden Peitschenschlägen weist er auf die erforderliche Trennung von Tempel und Marktplatz hin.

Der Marktplatz ist ok, aber in den Kirchen
müssen wir ihn komplett draußen lassen!

Einwand: „Der Mensch besitzt Menschenwürde, weil Gott sie ihm zuspricht.“

Die Menschenwürde wird uns von niemandem zugesprochen. Gott ist keine Person.

„Der Mensch HIER bekommt von Gott DORT etwas zugesprochen“? Das ist eine eher kindliche Idee. Gott ist kein Gegenüber.

Das Göttliche ist überall.
Oder kennst du auch nur eine einzige Stelle…

Der Mensch hat seine Würde ohne jeden Grund.

Der Mensch mag tun und leiden,
was es auch sei,
er besitzt immer und unveräußerlich
die göttliche Würde.

~ Christian Morgenstern ~

Nur, daß die Würde selbstverständlich nicht zu den vermeintlichen Besitztümern gehört!

Besitz läßt sich rauben ― die Würde nicht.


Recht auf Leben

Martin Luther King, Nirmalo,

Deinem Statement muß widersprochen werden, Martin. Nicht jeder Mensch mag ständig auf des Messers Schneide leben. Und  dennoch „verdient“ es jeder Mensch, zu leben; ganz egal, wie er sein Leben gestalten möchte!

JEDER Mensch hat das
bedingungslose Recht, zu leben und
muß dies mit absolut gar nichts rechtfertigen!

Und NIEMAND muß sich sein Recht auf Leben erst „verdienen“.

Ob bekannt oder unbekannt, faul oder fleißig, Krieger oder Friedliebender, Schwarzer oder Weißer, Held oder Feigling, Revolutionär oder Spießer, Rechtsbrecher oder angepaßt, laut oder leise…

Jeder hat das Recht auf Leben, einfach weil es ihn gibt!

Für alle diese – und für alle anderen –
gilt die Würde des Menschen. Ungeteilt.

Du zählst, weil du du bist.
Und du wirst bis zum letzten
Augenblick deines Lebens
eine Bedeutung haben.

~ Cicely Saunders ~


Daseinsberechtigung

Spinoza, Nirmalo,

Mehr Beweis bedarf es nicht, mehr an „Rechtfertigung“ wird nicht gebraucht. Ohne weiteres „wenn“ und ohne jedes weitere „aber“:

Die Existenzberechtigung braucht nicht
erworben und nicht begründet zu werden.

Auf der Erde vorgefunden haben wir Menschen:

Reichhaltige Flora und Fauna, gesunden
Boden, sauberes Wasser und frische Luft.

Wenn wir gehen, sollten wir zurück-
lassen, was wir vorgefunden hatten.