Worte

Die Worte sind nur das Äußere der Gedanken. Es ist töricht, wenn man nur das Äußere ansehen wollte und darüber die Gedanken vernachlässigte.

– Lü Bu We

Intellektuelles Begreifen ist nicht identisch mit Erkenntnis.

Sinnlich… begreifen, anfassen
Intellektuell… begreifen, erfassen

Hier paßt der Wort-Sinn als Bild. Wenn mir aber jemand sagt, ich wäre „gestern hackebreit gewesen“, nützen mir weder die Wortbedeutung von „Hacke“ und „breit“, noch helfen mir Herkunft und Geschichte der beiden Wörter (eventuell eine Aspirin). Der elaborierte Code eines Professors für Linguistik wird hier auch nicht gebraucht, denn es gilt allgemein:

Wichtiger als Worte und Begriffe ist die Bereitschaft,
den Sinn des Gesprochenen verstehen zu  WOLLEN !

Hört man die Worte, ohne die Gedanken zu erfassen, so kann man gerade so gut die entgegengesetzten Worte hören, und es kommt auf dasselbe heraus.

– Lü Bu We

Fehlt die Offenheit für den Sinn des Gesagten, nämlich für das Gemeinte, ist das Gespräch sinnlos.

Die Ursachen, die das Begreifen bewirken, sind für den Erkennenden dieselben, wie für den Nichterkennenden. Aber die beiden Menschen unterscheiden sich darin, daß der eine das, was der andere begreifen kann, nicht begreift.

– Lü Bu We

Und daran… läßt sich nichts ändern.

Wir können das Wissen anderer erweitern, aber nicht das Erkenntnisvermögen fördern. Allenfalls können wir möglichst früh die Umstände der geistigen Entfaltung begünstigen, aber…

Freigelegt werden kann nur,
was bereits… vorhanden ist.

Sprache

Hier ist die Verbal-Sprache gemeint. Aber natürlich kennen wir auch noch andere Formen von Sprache:

  • Verbal-Sprache
  • Darstellung
  • Gestus
  • Mimik

Doch haben wir der „bewußten“ Verbal-Kommunikation den Vorrang gegeben. Der anderen Formen sind wir uns im Gespräch kaum oder nur selten bewußt.

Unter der Voraussetzung, daß sich mindestens zwei Personen mindestens in Sichtweite befinden, hat Paul Watzlawick Recht, wenn er sagt, daß Nicht-Kommunikation unmöglich sei.

Frage: „Welchen Wert haben Wort und Sprache?“

Wort und Sprache haben nicht den Wert, den wir ihnen üblicherweise beimessen. Sie sind letztlich von unter-geordneter Bedeutung.

  1. Wort… ist Teil der Sprache.
  2. Sprache… ist ein Teil der Kommunikation.
  3. Kommunikation… ist ein Hilfskonstrukt für gutes Verstehen.

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Verstehen… ist der Wert, nicht das Reden.
Wo man sich versteht, braucht nicht viel gesprochen zu werden.

Und solange Verstehen gegeben ist, ist die „Perfektion“ der Wörter oder deren Platzierung… zweitrangig.

Im TV… hörte ich einen Schweizer sagen, daß er mal versucht habe, mit einem Kölner auf „Hochdeutsch“ zu kommunizieren. Es hätte nicht wirklich geklappt, sagte er. Daraufhin hätten sie beschlossen, sich in ihren jeweiligen Dialekten zu unterhalten. Nun, sagte er, hätten sie sich prima verstehen können.

Wörter, Begriffe, Sprache und Kommunikation sind bloß wert-unterstützende Konstrukte.

Und wenn entweder die kognitive Kompetenz oder die für das Verständnis erforderliche Reife gerade nicht vorhanden sind, nützt auch das „perfekte Wort“ an der „richtigen Stelle“ nichts.

Verstehens-Bereitschaft…
ist wichtiger als das Wort.

Wir verstehen uns besser, wenn der Kopf
gelegentlich in den Urlaub geschickt wird.

Im TV… sah ich mal eine junge Familie, die eine längere Zeit auf dem Segelboot verbracht hatte. Das jüngste Kind kannte bis dato nahezu nur das Wasser: Es war auf dem Boot geboren worden. Den Schulunterricht übernahmen die Eltern und (fast) jedes Familienmitglied bediente gelegentlich die Kamera.
Eines Tages legten sie an einer fremden Südsee-Insel an. Auf ihr lebte ein der Familie völlig unbekannter Stamm von Menschen in einfachsten Verhältnissen.
Die weißen Eltern setzten sich zu den Erwachsenen vor die große Hütte ans Feuer und die Jugendlichen des Dorfes nahmen die weißen Kinder mit in den Urwald.
Nach ein paar Tagen verabschiedete sich die deutsche Familie wieder. Alle, die Einheimischen, wie die Gäste saßen rundherum im Kreis rücklings an der „Wand“ der Hütte und weinten gemeinsam still vor sich hin.

Wenn Sprache nicht möglich ist,
geht der Blick auf´s Wesentliche.