Projektion

Ich glaub wohl, daß Ihre Liebe zu mir mit dem Absein
wächst; denn wo ich weg bin, können Sie auch die Idee
lieben, die Sie von mir haben; wenn ich da bin, wird sie
oft gestört durch meine Tor- und Tollheit.

– Johann Wolfgang von Goethe (an Charlotte von Stein)

Er zeigt sich sehr bewußt, der Mann. Im Augenblick der Äußerung bewegt er sich auf der weisen (6) Ebene: Klare Unterscheidung zwischen Liebe und Projektion.

Diese Klarheit ist für Fortgeschrittene, denn das meiste von dem was üblicherweise unter Liebe verstanden wird, ist durch den Emotionalkörper ausgelenkte Projektion.

Bei ständiger Konfrontation mit der Wirklichkeit kann sich keine „schöne Idee“ von etwas oder Jemandem aufbauen oder halten. Im geistigen Mittelmaß aber… wird die Romantik gepflegt, die Illusion, das schöne Bild. Hier wird die klärende Wahrheit als störend, oft sogar als „verletzend“ empfunden.

Frage: „Wie verhält es sich bei Feindschaften?“

Genau so, selbstverständlich.

Auch „der Feind“  ist eine Projektion,
nur eine Idee jenseits der Wirklichkeit.

Wenn wir Krieg führen wollen, müssen wir ein drohendes Feindbild aufbauen. Anders geht es nicht, denn liebenswürdige Mit-Menschen will man nicht übervorteilen, hintergehen, verletzen oder sogar töten.

Wenn wir ein Feindbild generieren wollen, müssen wir zunächst nacheinander alle Kontakte abbrechen. Denn Liebe, Verständnis, Respekt… müssen unbedingt vermieden und verhindert werden! (Im Größeren (Nationalen) wird zudem eine Propaganda-Maschinerie eingerichtet, die den kollektiven Emotionalkörper befeuern und steuern soll.)

Das Ganze funktioniert ziemlich leicht, weil die archaische Anlage dazu in uns allen vorinstalliert ist und jederzeit in Funktion treten kann.

Auch hier sind es allein die Bewußtheit, die Weisheit, oder der Grad der Reife weniger Individuen, die diese – wenn der Mut dazu vorhanden ist – ausscheren lassen.

Doch auch hier gilt: Die (auf-) klärende Wahrheit ist nicht willkommen. Im harmlosen Fall wird sie als unangebracht und störend empfunden. Im weniger harmlosen Fall als „Verrat am Vaterland“ .

Wenn wir eine Zeit lang in den Mokassins des Menschen gehen, den wir
den Feind nennen, wird unser Feind-Bild sehr schnell dahin schmelzen.

Dabei ist es ganz egal, um welche Art „Feind“ es sich handelt.

Hinweis: „C.G.Jung: „Anima Projektion“.

Lesen… kann ich
nicht empfehlen.

Ob Jung oder Alt… Immer behindert Lesen die Intelligenz, hält die eigene Weisheit fern, verhindert den klaren, den unverstellten Blick auf die Dinge, blockiert das selbständige Denken, eben… die eigene Wahrnehmung.

Einwand: „Wir sind uns sicher darin einig, dass es in dieser Welt zu wenig Liebe gibt.“

Nein, sind wir nicht. 🙂

Wenn du den Eindruck hast, daß es in der Welt zu wenig Liebe gibt, dann liebe. Und die Welt sieht gleich ein bißchen anders aus. Ein Anfang für den Ausdruck der Liebe kann sein: Wertschätzung der Menschen – ohne Unterschied.

Freie Liebe

Liebe kann man erbetteln, erkaufen, geschenkt bekommen, auf der Gasse finden, aber rauben kann man sie nicht.

– Hermann Hesse

Hier sind wir nicht ganz einig, denn das ist – bei aller Liebe – nicht wahr:

Wir können alles Mögliche
erbetteln, aber keine Liebe.

Ja, es kann sein, daß du irgend etwas erbettelst und du bekommst Liebe. Doch dann kommt sie aus freien Stücken, aber nicht aufgrund deiner Bettelei.

2. Du kannst Liebe auch nicht erkaufen. Du kannst die körperliche Zuwendung eines Masseurs erkaufen, das ist üblich. Sollte dabei auch Liebe fließen, bekommst du sie gratis.

Andererseits kannst du noch so viel drauflegen: Wenn sie nicht fließt, läßt sie es.

Oder meinst du die sexuelle Begegnung? Die kannst du erkaufen, denn hier geht es um körperliche Zuwendung. Daß dabei viel Liebe fließt, ist zwar eher unwahrscheinlich, andererseits aber auch nicht ausgeschlossen.

Liebe bekommen wir
immer nur geschenkt.  Ausschließlich!

Und wir finden sie überall fließen: „Auf der Gasse“, in „hohen Häusern“, auch in „Freudenhäusern“. Es gibt keinen Ort der Welt, wo sie nicht fließen kann, aber:

Liebe entzieht sich den
Gesetzen des Handels !

Dienstleistungen aller Art sind – wie Waren – den Gesetzen des Handels unterworfen, doch die Liebe ist immer und überall absolut frei.

5. Ja, rauben kann man Liebe genauso wenig, wie man Intelligenz rauben kann.

Verständnis

Verständnis kommt uns durch die Liebe.
– Richard Wagner

Es funktionieren beide Wege:

  • Durch Liebe finden wir zum Verständnis.
  • Durch Verständnis finden wir zur Liebe.

Schon allein die Offenheit…
begünstigt das Verständnis.

Bei der Feindbildung verfahren wir genau anders herum: Hierbei verschließen wir uns und lassen sowohl Liebe als auch Verständnis außen vor. Im Gegenteil: Während der Feindbildung dämonisieren wir den anderen und vergrößern auf diese Weise den vermeintlichen Abstand noch weiter.

 

PS: Bei der Feindbildung befinden wir uns auf der Stufe (2) unserer Geistigen Reife; mit der Erfahrung, die der Richard Wagner gemacht hat, auf der Stufe (6) und (7).

Eifersucht

Eifersucht ist die unnötige Besorgnis um etwas, das man nur verlieren kann, wenn es sich sowieso nicht lohnt, es zu halten.

– Ambrose Bierce

Ambrose: „…wenn es sich sowieso nicht lohnt, es zu halten.“

Das ist die Sprache eines Händlers, eines Geschäftsmanns, der vom Bestreben nach Maximierung seines Gewinns getrieben ist und alles übrige in seinem Wert, diesem unterordnet. Wer so denkt, bewegt sich auf der Ebene des Handels, aber nicht in den Höhen der Liebe.

Ambrose: „…nicht lohnt, es zu halten,“

Mit dieser Formulierung setzt du voraus, daß wir überhaupt die Macht hätten, einen Menschen (oder sogar die Liebe auf-) halten zu können. Das ist ja, wie… mit einem Fischernetz das Meerwasser einfangen und halten wollen. 😮 Liebe ist unfaßbar. 

Eifersucht und Liebe schwingen nicht in der selben Oktave. 

  • In der Eifersucht… (einem Kind der Angst) schwingen wir in den niedrigsten Frequenzen.
  • In der Liebe… schwingen wir in den höchsten.

Beides gleichzeitig geht nicht. Entweder sind wir in Angst, oder wir sind in Liebe.

Eifersucht und Liebe können sich nicht
begegnen  sie bleiben einander fremd.

Liebe & Imperativ

Diese Anekdote erzählt man sich vom Alten Fritz…

Er war ein bisweilen harscher und unberechenbarer Zeitgenosse!
     Die Bürger hatten also wenig Neigung, ihn irgendwo im Land zu treffen, wußte man doch, daß er mitunter auch inkognito unterwegs war.
     Eines Nachts, ein Bürger war noch in den Straßen der Stadt unterwegs, als dieser weiter hinter sich Schritte hörte, die vom „tack, tack, tack…“ eines Krückstocks begleitet wurden.
     Der Bürger ahnte sofort, wer dort hinter ihm schritt und schlich sich flugs in die Ecke eines Hauseingangs, um nicht vom Schein der Straßenlaterne erfaßt zu werden.
     Die harten Schritte kamen immer näher und plötzlich stand der Verfolger direkt vor ihm.
     „Was denkt er von seinem König?“, fragte dieser unvermittelt mit harter Stimme den verängstigten Mann.
„Er achtet ihn“, antwortete der Mann wahrheitsgemäß, aber leise.
     „Er achtet ihn…“, wiederholte der Alte Fritz und seine Stimme wurde allmählich etwas drohender: „Lieben soll er mich! Lieben soll er mich! Lieben soll er mich!…“
     Und mit jedem: „Lieben soll er mich!“ drischt der König hart mit seinem Krückstock auf seinen armen Untertanen ein…

Selbst ein Kriegsherr und König bleibt beim Einfordern von Liebe erfolglos. Spätestens hier muß er scheitern.

✿  Liebe kann nicht eingefordert werden.alte-fritz_223-3
✿  Frieden kann nicht eingefordert werden.
✿  Vertrauen kann nicht eingefordert werden.

Verrückte Welt

Wir leben in einer verrückten Welt. Menschen sterben vor Hunger, aber Schoßhündchen gehen an Verfettung ein.

– Norman Mailer 

Wir Menschen sind frei.
Also können wir uns auch daneben benehmen.

Wenn wir aus der Liebe gefallen sind, unterscheiden wir z.B. zwischen solchen Menschen, die uns genehm sind und den anderen, die uns eher unangenehm sind. Es stellt sich Angst ein und wir erfinden den Begriff Eigentum.

  • Ich
  • Mein Hund
  • Meine Familie
  • Mein Deutsch-Land

Alles, was „MEIN“ ist, soll gesund und mobil sein, viel zu essen, gute Kleidung zur Verfügung, sowie ein stolzes Bankkonto haben, außerdem wollen wir ein möglichst repräsentatives Anwesen unser „Eigen“ nennen können. Ausreichende Versicherungen und die Security sollen „meinen Wohlstand sichern“.

Die anderen? Egal.

Sobald wir realisieren, daß es in Wirklichkeit keine Fremden gibt, daß wir EINE Familie sind, wird niemand verhungern oder unnötig Not erleiden.

Und dem Schoß-Hündchen
geht es auch wieder besser.