Beobachtung

Niels Bohr, Realität, Beobachtung, Nirmalo,

• Keine Person sieht das Selbe wie eine beliebig andere.
• Jede neue Perspektive zeigt uns eine neue Gestalt.
• Das Gleiche ist nie (das Selbe wie) das Selbe.
• Nichts Anderes kann das Selbe sein.
• Nichts ist, wie es zu sein scheint.

Mindestens zwei Begriffe müssen wir deutlich unterscheiden:

◾ Realität  und
◾ Wirklichkeit

Realität und Wirklichkeit sind nicht kongruent, nicht identisch.

Realität ist als unsere Projektion
nur eine scheinbare Wirklichkeit.

Die Wirklichkeit ist, wie sie ist. Und so wie sie ist, ist sie uns schon allein wegen der Begrenztheit unserer menschlichen Möglichkeiten der Wahrnehmung nahezu vollständig unbekannt.

Die Realität ist das, was wir „real“ nennen. Sie ist unsere Interpretation einiger Fragmente der Wirklichkeit, die wir vorwiegend über den Filter unserer Sinne wahrnehmen. Die Realität gestaltet sich über unsere Art und Weise, wie wir die Dinge beobachten, benennen, bewerten und einordnen.

Realität = ist nur eine Schein-Wirklichkeit, die darum im Osten Maya = Illusion genannt wird.

Realität ist bloß. . .
unsere Sichtweise.

Dennoch ist der Begriff „Realität“ im gesellschaftlichen Leben als eine Art Arbeits-Begriff nützlich und erforderlich.


Auch ein Satori zeigt dem Sehenden nur das, was er sieht und was er sehen/erleben soll: Einen winzig kleinen Ausschnitt der Wirklichkeit, der sich anschließend als eine beeindruckende Erinnerung (Initiation) im Gedächtnis ablegt.

Niemand sonst sieht
und erlebt das Selbe.

Selbst der das Satori Erlebende
selbst ist nicht mehr der Selbe.

Aspekte der Freiheit

Viele Philosophen meinen, dass wir auch in einer naturgesetzlich determinierten Welt einen freien Willen haben können.

– Geert Keil

(Reclam-Klappentext zu „Willensfreiheit und Determinismus“)

Was „viele Philosophen“ dazu „meinen“, ist nicht erheblich. Interessant ist, ob wir alle grundsätzlich (oder partiell) frei  s i n d  –  oder es nicht sind.

Hier geht es um mehr als nur  e i n e n  Aspekt des Begriffs „Freiheit“:

◾ Handlungs-Freiheit
◾ Universelle Freiheit
◾ Freiheit des Willens
◾ Körperliche Freiheit
◾ Gedankliche Freiheit
◾ Wahrnehmungs-Freiheit
◾ Außerkörperliche Freiheit

Gut möglich, daß wir in Wirklichkeit gar keine Wahl haben.

Vielleicht sagt uns das unsere Wissenschaft in Kürze oder hat es schon getan, aber: Wir könnten keine vierzehn Tage überleben, würden wir uns nicht mindestens in der Illusion wiegen, frei zu sein… im Wollen und im Tun, im Denken und in der Wahrnehmung!

Ein Schaf fühlt sich vielleicht grenzenlos frei, wenn es
sich im Schutz der Herde innerhalb einer für uns klar
erkennbaren Umzäunung bewegt.

Die Frage ist also nicht so sehr, ob wir frei  s i n d,
sondern ob wir uns als frei  e r l e b e n,  denn:

Können wir Zäune überwinden, die
wir gar nicht als solche erkennen ?

Eine Grenze können wir nur dann überwinden, wenn wir sie
1. als solche sehen,
2. als solche anerkennen und dann
3. als solche „verletzen“ oder reißen.

Grenzen sind Denkgebilde.

Selbst in einer Gefängniszelle kann man sich frei fühlen. Die Klosterzelle bietet kaum mehr Freiraum und doch begeben sich viele Leute freiwillig und über viele Jahre in eine solche. Manche bis zum Ende ihres Lebens – ohne sich auch nur einen Augenblick lang unfrei gefühlt zu haben.

Und wer kennt schon seine Denk-Grenzen? Wer kennt die absoluten Grenzen seiner mentalen Möglichkeiten?

Ich nehme mal an, wir haben 25 Sinne der Wahrnehmung zur Verfügung. Meinetwegen können wir uns zusätzlich auch noch ein paar technische Hilfskonstruktionen (Krücken) bauen, um damit den einen oder anderen Sinn ein bißchen zu erweitern, aber irgendwo ist die absolute Grenze.

Also sind wir in dieser Inkarnation als Mensch wohl nicht wirklich frei: Unsere Sinne begrenzen uns. Unser Vorstellungsvermögen begrenzt uns. Körperlich sind wir in unserem Bewegungsradius eingeschränkt. Im Denken sind wir begrenzt. Unser Erinnerungsvermögen ist rudimentär. Fühlen können wir nur, was wir fühlen können und nichts darüber hinaus. Können wir mehr wollen, als wir wollen? – Können wir überhaupt wollen, was wir wollen?

Trotz aller Begrenzungen haben wir alles, um ein zufriedenes, ein aufregendes, ein intensives, ein erfüllendes, ein auf vielen Ebenen reiches Leben führen zu können.

O.k., womöglich können wir es nicht wirklich „führen“, 😉
doch können wir viele seiner Nuancen bewußt erleben.

Ob determiniert oder nicht, geht die (echte) Philosophie nichts an. Warum nicht? Weil sich hier das Feld der Spekulationen (2) auftut und das ist nicht die Ebene der Weisheit (6), also nicht das Feld der Philosophie. Auf jeden Fall sind wir so frei, daß wir als Menschen die anstehenden Erfahrungen machen und (geistig) reifen können.

kunstschaffende: „Wahre Freiheit findet für mich nur im Geiste statt!“

Die körperliche Bewegungs-Freiheit ist aber auch nicht zu verachten.
Solltest du die außerkörperliche meinen: Da könntest du Recht haben.

kunstschaffende: „Die Gedanken Freiheit ist noch nicht sichtbar!“

Auch wenn du sie (noch) nicht sehen kannst: Sie ist da. Im Rahmen dessen, was dir der Verstand ermöglicht, hast du alle Freiheiten der Welt. Wer wollte oder könnte sie dir nehmen? – Wenn wir mal von den Konditionierungen, die in den frühen Jahren stattgefunden haben, absehen. Und da wären noch die Prägungen und somit Einengungen, die sich jeder, zum Beispiel mittels seines „Weltbildes“ und den internalisierten Wertvorstellungen, selber konstruiert.

Innerhalb all dessen:
Gedankenfreiheit. 🌾

Wahrnehmung

Zierlich Denken und süß Erinnern
Ist das Leben im tiefsten Innern.

– Johann Wolfgang von Goethe

Zierlich und süß… 😳

Du scheinst bereits mit Wenigem zufrieden zu sein, Johann Wolfgang, denn Denken und Erinnern spielt sich an unserem Rande ab.

„Im tiefsten Innern“…  findest du Bewußtsein

Erstaunlich, daß du noch nicht darauf gestoßen bist. – Bei deiner Beobachtungsgabe!

Wahrnehmen 
ist vor dem Denken
und vor dem Erinnern.

Wie könntest du etwas erinnern, das du nicht schon vorher wahrgenommen hättest? Was ermöglicht es dir, das eigene Denken und Erinnern wahrzunehmen? Also: 

Wahrnehmung ist bedeutender. . .  als die Erinnerung.

Mal ganz abgesehen davon, daß – im Gegensatz zum Wahrnehmen – das Erinnern immer brüchig bleibt und sukzessive rudimentärer wird.

Wahrnehmung geschieht, bevor Denken
und Erinnern zu funktionieren beginnen.

Und Wahrnehmen geschieht auch dann, wenn sich Denken und Erinnern bereits langsam verabschieden.