Im Grunde

Im Grunde kann jeder Philosoph sein.

Richard David Precht   (im TV)

Spontan möchte man dir zustimmen, doch im Feld der Philosophie müssen wir etwas genauer sein.

1. Es gibt keinen Philosophen.

Allenfalls gibt es Menschen, die öfter als andere philosophisch tätig sind. Kein Mensch ist jemals 24/7 philosophisch tätig (gewesen).

2. Jeder Mensch hat sich schon philosophisch geäußert.

Jeder kennt mindestens kurze Zustände der Weisheit, aber nur selten ist jemandem klar, daß er gerade philosophisch tätig ist oder war. Das liegt unter anderem daran, daß Weisheit als völlig unspektakulär und selbstverständlich erlebt wird.

Punkt 2. belegt, daß du sinngemäß Recht hast: Niemand kann nicht philosophieren. Jeder kann sich jederzeit in das Feld der Weisheit einstimmen und philosophisch sein.

Philosophie ist: Liebe zur Weisheit und
die setzt die Liebe zur Wahrheit voraus.

Wer bereit ist,
sich selbst gegenüber rückhaltlos
wahrhaftig zu sein, kann die Philosophie nicht verfehlen.

Denn niemand, kein einziger Mensch ist von der Weisheit wirklich abgeschnitten.

Jacobus_Weisheit+James+              Philosophie 📌

Wert der Statistik

Mit Statistiken kann ich alles beweisen, nur nicht die Wahrheit.

– Von Unbekannt

Wer das weiß, hat mit ihnen kein Problem, denn Statistiken haben mit „Wahrheit“ nichts zu tun.

Sie sind ein primitives Handwerkzeug und als solches in einer speziellen Situation eventuell nützlich, das ist alles. Mehr kann von ihnen nicht erwartet werden. Wer mehr erwartet, hat vielleicht ein Problem mit seiner partiellen Dummheit – nicht mit der Statistik. 🙂 Das Werkzeug selbst hat keinen Wert. Erst die Art und Weise seiner Anwendung generiert ihn.

Statistik = ist eine Zahlen-basierte Methode, welche die Exaktheit einer eng begrenzten Beschreibung beansprucht oder anstrebt.

Der Wahrheitsbegriff ist an dieser Stelle unpassend. Der passendere ist: Realität. Wahrheit beinhaltet mehr als das, was wir Realität nennen, sie bedarf an der jeweiligen Stelle einer genaueren Definition. (Siehe Link unten rechts)

Realität = ist das, was wir über unsere Sinne in Kooperation mit dem interpretierenden Verstand wahrnehmen, begreifen, handhaben und einordnen können.

Die Statistik sollte die zweite Wahl bleiben – wenn wir uns nicht unnötig selbst verdummen wollen.

Wir alle haben das Sensorium für Wahrheit, um viele Dinge bereits von uns selbst aus wahrnehmen, abschätzen und einordnen zu können: Ja, man kann es ungenutzt brach liegen lassen und nahezu uneingeschränkt glauben, was die Statistik-Interpreten uns gerne glauben machen.

Die anspruchsvollere Variante ist aber, dieses Sensorium sich entfalten zu lassen. In diesem (intelligenteren) Fall schrumpft der Wert der Statistik auf ihre echte Größe.

Siehe >  Wahrheit  📌

Wir benutzen die Statistik wie ein Betrunkener
einen Laternenpfahl: Vor allem zur Stütze unseres Standpunktes
und weniger zum Beleuchten eines Sachverhalts.“  – Andrew Lang

Die eigene Wahrnehmung

Schopenhauer, Wahrheit, Weisheit, Nirmalo, Anschauung,

Ja – und nicht, wie gerne kolportiert wird, im Denken.

Wahrheit und Weisheit haben direkt nichts mit dem Denken zu tun. Im Gegenteil: Das Denken würde hier bloß stören. Es handelt sich eher um Sehen (Anschauung) oder um Wahrnehmung.

Denken oder Wahrnehmen.
Beides zugleich geht nicht.

Das Wahrnehmen ist von Wert.
Denken hat nur assistierende Funktion.

Sokrates

Philosophie heißt für Sokrates: auf Wahrheit ausgerichtet zu sein, ohne sie zu besitzen.

Wolfgang H. Pleger  (S. 174)

• Gilt es nur für den Sokrates, daß Philosophie auf Wahrheit ausgerichtet ist?
• Könnte denn jemals… irgend jemand „Wahrheit besitzen“? Wenn ja, wer?

1. Für die Philosophie ist es Voraussetzung, auf die Wahrheit ausgerichtet zu sein. Das gilt nicht nur für den Sokrates, sondern für jeden Philosophierenden – ausnahmslos! Wer nicht auf die Wahrheit ausgerichtet ist, kann vielleicht schwätzen, aber nicht philosophieren.

2. Nicht nur Sokrates kann die Wahrheit nicht besitzen. – Niemand kann das.

Diese beiden Aspekte sind also nicht typisch… für die
Person Sokrates, sondern typisch für die Philosophie.

Wahrheit

Wir sind dazu geschaffen, die Wahrheit zu suchen;
sie zu besitzen ist das Vorrecht einer höheren Macht.

– Michel de Montaigne

Auch wenn er so schön klingt, muß deinem Satz widersprochen werden:

1. Die Wahrheit ist nicht etwas, welches irgend jemand besitzen könnte.
2. Niemand hat ein „Vorrecht“ auf die Wahrheit auch nicht eine „höhere Macht“.
3. Die Wahrheit muß und kann nicht gesucht und dann später… gefunden werden.

Was wir jedoch können, weil es in unserer Macht liegt:

Unsere Bereitschaft (!) beschließen, uns
der Wahrheit gegenüber offen zu halten.  

4. Ein „Vor-Recht“ auf Wahrheit zu beanspruchen ist schon deshalb blanker Unsinn, da sie eh uns allen — wie die Atemluft — permanent zur Verfügung steht.
5. Daß der Mensch keinen Sinn für die Wahrheit habe, daß sie übermenschlich sei, ist nur eine faule Ausrede derer, denen sie nicht sonderlich viel bedeutet.

Ein Geheimschlüssel zum Erkennen der Wahrheit ist die
fortwährende Einübung in die eigene Wahrhaftigkeit. 😎

Was ist die Wahrheit?

Einstein, Materie, Nirmalo

Jemand sagt: „Die Sonne ist untergegangen“. Ist das wahr?

Nein: Die Sonne scheint und scheint und scheint – so scheint es und so sagen es uns die Astronauten. Die Sonne wird die nächsten Generationen oder Jahrtausende über nicht ein einziges Mal unter gehen, sagen die Astrophysiker. Das ist wohl wahr.

Dennoch ist es ebenfalls wahr, wenn jemand sagt: „Die Sonne ist untergegangen“, weil ihre Scheibe gerade hinter dem Horizont verschwunden ist (apropos „Scheibe“). Man weiß allgemein, was gemeint ist, es ist gesellschaftliche Gepflogenheit. Man versteht sich.

Letztendlich ist es nicht wahr, das mit dem Sonnenuntergang – und dennoch handelt es sich nicht um Unwahrheit, nicht um eine Lüge.

Das Wort Wahrheit ist ein höchst bedeutendes – aber es muß
in seinem Kontext definiert sein, andernfalls gibt es Konfusion.

Wenn Albert Einstein sagt: Es gibt keine Materie, liegt er damit wohl richtig: Er sagt die Wahrheit.

Dennoch, wenn der Mann die offene Tür ignoriert und den Weg durch die massive Wand wählt, holt er sich eine blutige Nase. Denn das Mauerwerk besteht aus Materie. Das ist ebenfalls wahr.

Beide Aussagen…

• Die Materie bestimmt unser gesellschaftliches Leben
• Es gibt keine Materie

…sind wahr, jede in ihrem Kontext.

Wer sagt, es gäbe nur eine einzige Wahrheit, lügt – oder weiß es nicht besser, bzw. sieht nicht genau genug hin.

Man könnte auch sagen:
Materie ist eine handfeste Illusion.