Treue

Wer sich selbst treu bleiben will,
kann nicht immer anderen treu bleiben.

― Christian Morgenstern

Treue = ist reine Abstraktion: Eine willkürliche, eine erdachte Hilfskonstruktion ohne Realität. Die IDEE von „Treue“ basiert auf der Erwartung einer Funktion, einer Nützlichkeit. Sie setzt einen gemeinsamen und unerschütterlichen Glauben an die vermeintliche Notwendigkeit der Selbst-Bindung durch Verpflichtung voraus.

Als Teil der Moral ist sie ein Versprechen, sich dauerhaft zu unter-stützendem Verhalten in Bezug auf jemand anderen gebunden zu sehen; auch dann noch, wenn die Beziehung oder das emotionale Verhältnis eindeutig unstimmig ist. Die Treue endet mit dem Tode oder einer einseitigen Aufkündigung, dem sogenannten Treuebruch.

TREUE… ist die unausgesprochene Zusage, ist das Versprechen, auf den natürlichen Freiheitsdrang, auf die eigene Reife, auf die Einsicht, auf die Empfindungen, selbst auf Intelligenz, Weisheit und Wahrheit keine Rücksicht zu nehmen.

Eine Ent-Bindung von der Treue (z.B. aufgrund
von Erkenntnis oder Reife) ist nicht vorgesehen.

Auf der Skala der Geistigen Reife entspricht der Wunsch nach Treue dem Stand des Kleinkindes (2). Er entspringt dem Bedürfnis nach Beständigkeit dem status quo, nach Sicherheit.

Letztlich entspringt der Wunsch nach Treue der tiefer liegenden Angst.

Der reife Mensch…
geht mit der Liebe.

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Treue-Schwur

Kein Mensch der Welt übertrifft die Germanen an Treue.

– Publius Cornelius Tacitus

A – Freiwillige… Treue auf der Basis von Selbstverpflichtung
B – Geforderte… Treue unter Androhung von Konsequenzen

Die Konstruktion TREUE wird benutzt, wenn ein Zusammenhalt gesucht/gebraucht wird, der auf anderem Wege nicht erreicht werden kann. Wir kennen die Treue zum Unternehmen, zum Vater-Land und… zur Fahne. Vor zwei Generationen spielte die Treue zum Führer eine Hauptrolle.

Treu bis in den Tod.

Ein Schneidermeister (Jahrgang 1905) sagte mir mal: „So sehr ich auch gegen das (Hitler-) Regime eingestellt war, aber ich hätte niemals die Hacken zur Front gedreht.“  Nur diese Stärke der Funktion solcher Art Treue kann die bekannten Ausdehnungen in den ersten und das Durchhalte-Vermögen in den letzten Kriegs-Jahren erklären.

Schwur und Treue gehören zur selben Begriffs-Familie. Sie passen zusammen und belegen die selbe Stufe der Reife (2).

In militärischen, aber auch in anderen Konstellationen (Beispiel Mafia) wird die Treue nicht nur angeboten, sondern auch gefordert: Die Untreue wurde und wird nicht selten mit dem Tode bestraft!

Drohung bei Untreue…
ist ein Indiz für das Scheitern der Idee der Treue..

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Beziehungs-Treue

Erwarte Treue von den Nachtigallen nicht, die jeden Augenblick auf andern Rosen singen.

― Saadi

Bis vor kurzem hat die sexuelle Treue noch eine sehr bedeutende Rolle gespielt. In einigen Beziehungen, vor allem jüngerer Leute, sorgt der Begriff auch heute für viel Konflikt und spannende Dramen.

Bewußtheit, Liebe, Eigenständigkeit und Reife bilden das Ende der „Treue“. In ihrem Licht kann sich die auf Unbewußtheit basierende Idee nicht halten.

Auf den ersten Blick hin könnte man annehmen, Treue hätte etwas mit Liebe zu tun. Dem ist aber nicht so, denn:

Die Treue ist ein Sproß der Angst, nicht einer der Liebe.

Es gibt die echte Liebe,
aber keine echte Treue:
Treue ist per se falsch.

Als ein Ausdruck von Unreife verträgt sich diese Form der Selbstbindung weder mit der Liebe, noch mit der Intelligenz. Sie ist nicht kompatibel mit der Freiheit und nicht mit der Weisheit. Selbst Intuition und Authentizität sind der Treue fremd.

Wer auf eigenen Füßen…
selbständig seinen Weg gehen kann, wird die Krücken fallen lassen.

Einwand: „Treue ist etwas rein freiwilliges.“

Treue = ist eine nicht erforderliche freiwillige Bindung an eine Person, eine Gruppe, eine Institution oder eine Idee. Sie beinhaltet die partielle Selbsteinschränkung oder Aufgabe der Freiheit.

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Man kann in der Liebe nicht untreu sein – außer ihr.

― Bettina von Arnim

Ihr treu zu bleiben, nämlich der Liebe und nicht einer Person, damit begeben wir uns auf eine höhere Ebene der Reife.

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Treuepunkte

Es soll Leute geben, die allen Ernstes
versuchen, Treuepunkte zu sammeln. 🤗

Wo Intelligenz, Freiheit und Bewußtheit
zuhause sind, wird Treue nicht gebraucht.

Einwand: „Die Liebe ist ohne das Gelöbnis der Treue im Grunde nicht denkbar.“

• Liebe hat nichts mit denken zu tun.
• Liebe kennt kein Gelöbnis.
• Liebe kennt keine Verabredung.
• Liebe kennt keine Ordnung.
• Liebe kennt keine Moral (sie ist a-moralischer Natur).
• Liebe ist nicht sozial.
• Liebe ist nicht geschäftsfähig.

• Liebe ist Chaos.
• Liebe ist anarchisch.
• Liebe ist Liebe – ohne „wenn“, „weil“ und „aber…“.

Einwand: „Kann eine Liebe auf den Gedanken der Dauer verzichten?“

Die Liebe ja, aber der Verstand nicht.
Der Verstand will Dauer, will ewige Wiederholung des Angenehmen.

Der Verstand kommt ohne die Liebe aus.
Die Liebe kommt ohne den Verstand aus.

Wir haben nicht einmal die Wahl: Sind wir im Verstand, sind wir nicht in der Liebe. Sind wir in der Liebe, sind wir nicht bei Verstand.

Die Liebe kennt nur die Nadelspitze des gegenwärtigen Moments.

Einwand: „Aber ohne Treue auskommen, das können wir alle, als Menschen nicht.“

Wenn du bisher nur mit unbewußten Menschen in Kontakt warst…, läßt sich deine Äußerung verstehen. Aber nur dann. Der größte Feind der Illusion? Die Intelligenz!

Wer
eine Illusion
als solche erkennt,
kann nicht mehr zurück.

Einwand: „Und schon stellt sich die Frage an das Gewissen.“

Gewissen = ist ein internalisiertes (ein gefressenes 😉 ) moralisches Instrument. Es funktioniert ebenfalls nur in dunkler Unbewußtheit.

Ein bewußter Mensch braucht kein Gewissen – er ist bewußt. Wenn ein unbewußter Mensch gewissenlos handelt, entfaltet sich eine Katastrophe. Das begründet den ganzen Komplex der Moral (Treue, Gewissen, u.a.).

Die Moral ist für das gute Funktionieren einer Gruppe, einer Sippe, einer Gesellschaft, von hilfreicher Bedeutung. Es ist eine Frage der Reife.

Einwand: „Treue strebt einfach für den erhalt der Bezeigung zum Anderen.“

Die Treue strebt nicht, sie ist kein autonomes Wesen in Wirkungsfreiheit. Es ist ein Mensch, der sich an die Illusion der Treue gebunden fühlt.

Treue und Intelligenz…
schließen sich aber aus!

Einwand: „Dieses Aufrechterhalten, von oder zu was auch immer, haben wir alle in uns.“

Nein, nicht alle. Etwas aufrecht erhalten wollen, ist oft angstgesteuert. Warum Angst haben? Etwas hält so lange, wie es hält. Und alles, was verschwindet, schafft Platz für Neues. 😉 Wat wech is, is wech.

Einwand: „Liebe und Verlangen sind aber nicht unbedingt dasselbe“

Das Verlangen, also die Lust auf Sex ist die Lust auf Sex – weiter nichts. Es hat in seinem Ursprung mit der Art-Erhaltung zu tun. Hier handelt es sich um einen Instinkt, ohne den es auch das Individuum nicht geben würde.

  1. Ja, sexuelles Verlangen ist nicht Liebe.
  2. Romantik und Gesäusel sind ebenfalls nicht Liebe.
  3. Gesellschaftsverträge (wie die Heirat) sind nicht Liebe.
  4. Familienbande an sich sind auch nicht zwangsläufig Liebe.
  5. Emotionen sind Emotionen – und nicht Liebe.
  6. Gute Gefühle sind angenehme Gefühle – aber nicht Liebe.

Das heiß ja nicht gleichzeitig, daß es in all dem nicht auch mal einen Anflug von Liebe geben könnte!
So wie ja auch nicht komplett ausgeschlossen ist, daß es in einem Freudenhaus einmal zu einem Anflug von Freude kommen könnte.

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Manchmal wollen die Menschen die Wahrheit nicht hören,
weil sie nicht wollen, dass ihre Illusionen zerstört werden.

― Friedrich Nietzsche 

Treue = ist der Wunsch nach Beständigkeit des aktuellen Standes einer Beziehung zu einem Menschen.

✵ Liebe ist Überfließen (7).
✵ Der Wunsch nach Liebe und Treue ist Ausdruck von Bedürftigkeit (1).

Geistige Reife  📌

Meister

Jeder Meister hat nur einen Schüler – und der wird ihm untreu, denn er ist zur Meisterschaft auch bestimmt.

– Friedrich Nietzsche

Der Treue-Begriff im Zusammenhang mit der Beziehung zwischen einem spirituellen Lehrer und dessen Schüler, ist schon ein bißchen wunderlich. Auch wenn es für einige vorüber schlendernde Touristen anders aussehen mag: In der Meister-Schüler-Beziehung geht es nicht um solche Albernheiten, wie „Treue“.

Der Meister (wenn er denn ein Meister ist) erwartet nichts, außer, daß der Schüler seine Masken ablegt, sich authentisch zeigt und allmählich selbst in die Meisterschaft wächst.

Ein Handwerksmeister hat einige Erwartungen an seinen Schüler, aber „Treue“? Die Lehrzeit ist auf eine bestimmte Zeit begrenzt, dann verläßt der Schüler seinen Meister und… geht seiner Wege.

Ein spiritueller Meister kennt diesen Begriff Treue nicht einmal. Das, was mit diesem Begriff verbunden wird, kommt ihm überhaupt nicht in den Sinn, er könnte gar nichts damit anfangen.

Treue… ist etwas für den „Kindergarten“ (2) der Reife-Entwicklung des menschlichen Geistes und nicht für ihr Finale (7). Ab einer gewissen Reife verschwinden einige Begriffe komplett. Das Wort „Treue“ gehört dazu. An ihrer Statt gewinnen andere Wörter an Bedeutung.

Emanzipation

Emanzipation ist der Übergang eines Sklaven aus der Unterdrückung durch einen anderen in die Unterdrückung durch sich selbst.

― Ambrose Gwinnett Bierce

Ja, die christliche* Konditionierung steckt uns längst so tief im Mark, daß wir die Fremdsteuerung als solche fast gar nicht bemerken. Wir müssen schon sehr bewußt sein, um sie in ihrer Wirkung (daß wir annähernd wie ein pawlowscher Hund funktionieren) wahrnehmen zu können.

Emanzipation (Selbstmündigung) ist keine Frage irgend eines Geschlechts.

Es geht um die Verabschiedung jedweder unbewußt funktionierender Fremdbestimmung; es geht um die Freiheit, auch geistig auf eigenen Füßen zu stehen und es geht um den aufrechten Gang (ohne jede „Schuld“ !). 

Eine Emanzipation, die nicht die unbewußten
(Re-)Aktionsmechanismen erkennt, ist keine.

Erst, wenn wir die längst internalisierte Fremdbestimmung bei uns selbst erkennen können, sind wir in die Lage versetzt, in Distanz zu ihr zu gehen, um – nun weitgehend ungebunden – zu entscheiden. Erst dann sind wir frei. Mögliche Folge: Harmonie mit uns selbst und unserer Umgebung.

Voraussetzung für die Emanzipation ist die radikale, also ungebremste Bestandsaufnahme unserer inneren Unfreiheiten (Konditionierung).

Emanzipation = ist das entschlossene Entschlüpfen aus dem Kokon lang andauernder Unmündigkeit. Sie ist einerseits die Rücknahme der Erlaubnis-Freigabe zur Fremd-Bestimmung durch andere und andererseits die mutige Aufnahme der freien Selbstbestimmung. Emanzipation kennt vielleicht einen Anfang, aber kein Ende.

Emanzipation ist nichts, daß uns jemand von Außen geben könnte, sondern eine Entschiedenheit, die dem inneren Impuls folgt. Sie beginnt mit der Beobachtung aller Entscheidungen: Warum genau habe ich so entschieden? Was möchte ich wirklich? Denn nur echte, wirklich eigene Entscheidungen… sind souveräne Entscheidungen. Zweitens die Beobachtung aller Bewertungen: Warum genau habe ich etwas gerade so und nicht anders bewertet?

Emanzipiertheit, oder das emanzipiert-sein korreliert bezüglich der Geistigen Reife mit der Erwachsenen-Ebene (4).

Viel Erfolg beim Aufstöbern!

Freiheit  📌

Anpassung  📌
Geistige Reife  📌

*) Dasselbe gilt selbstverständlich in gleicher Weise auch für andersartige Konditionierungen.

Wie entsteht Bewusstsein?

Beim Aufschlagen des Smartphones tauchte morgens plötzlich ein Artikel (vom 28.05.2021) der Zeitschrift SPEKTRUM.de auf. Der Titel:  Wie entsteht Bewusstsein? Dazu ein paar Anmerkungen:

Steve Ayan: „Einer neuen Theorie zufolge entsteht Bewusstsein nur dann, wenn die Prognosen unseres Gehirns versagen“

  1. Bewußtsein ist.
  2. Bewußtsein entsteht nicht.
  3. Alle Theorien dazu sind irrelevant.

Steve Ayan: „wenn die Prognosen unseres Gehirns versagen…“

Ja – nur dann, wenn das Denken stoppt, ist das
Bewußtsein als Bewußtsein bewußt erkennbar.

Und es handelt sich dabei nicht um ein „Versagen“!

Steve Ayan: „…weil allein das bewusste Denken unser Handeln leiten soll. Nur dann, so scheint es, hätten wir unser Leben in der Hand. Doch wie die moderne Forschung beweist, regieren vor allem automatische Reaktionsmuster unser Denken und Handeln“

Das ist zutreffend: Der intellektuelle oder denkende Teil des Verstandes füllt den Raum nicht in dem Maße, wie wir das gerne glauben möchten.

Wir handeln und denken so wenig bewußt, wie wir bewußt atmen. Hinge unser körperliches Leben von unserer bewußten Atmung ab… Na, wie lange würden wir denn am Leben bleiben? 😎

Dafür ist jedoch kein externer Forscher (Experte) erforderlich: Das kann jeder selber (Imperte) an seinem eigenen Körper-Geist-System beobachten.

Steve Ayan: „Wie die Erforschung des Unbewussten gezeigt hat, fällt unser Geist schnell und automatisch Urteile und Entscheidungen. Das Gehirn stellt dabei permanent Prognosen über zukünftige Ereignisse an.“

Steve Ayan: „Wie die Erforschung des Unbewussten gezeigt hat…“

Wie kann man etwas erforschen, was gar nicht existiert? Kann man die Abwesenheit von Licht, kann man die Dunkelheit wissenschaftlich erforschen?

Kann man Abstinenz erforschen?

Das (kollektive) Unbewußte ist – ähnlich den mathematischen Axiomen – als Abstraktion nützlich und sprachlich brauchbar, aber dennoch… in keiner Weise existent! In diesem Sinne benennt DAS UNBEWUSSTE die Summe all dessen, was uns in irgend einer Weise in Bewegung setzt, ohne daß wir uns dessen, was dies im Einzelnen ist, bewußt sind.

Steve Ayan: „…fällt unser Geist schnell und automatisch Urteile und Entscheidungen“

Das ist zutreffend und jederzeit von Jedermann nachprüfbar. Die Muster-Erkennung funktioniert mit einer unglaublichen Geschwindigkeit, ohne daß wir dafür etwas tun müssen.

Der intellektuelle Part unseres Verstandes agiert
dagegen mit der Geschwindigkeit einer Schnecke.

Der Begriff „Urteile“ ist an dieser Stelle unpassend, weil er erstens in den Bereich des Denkens gehört und zweitens viel zu viel Zeit braucht. Passender ist hier der Begriff „unbewußt funktionierende Einordnung“.

Steve Ayan: „Laut der Theorie des »predictive mind« entsteht Bewusstsein, wenn die impliziten Erwartungen des Gehirns versagen. Danach gilt es, den energieschonenden Automatikmodus rasch wiederherzustellen.“

Wie schon gesagt: Bewußtsein entsteht nicht!

Steve Ayan: „Danach gilt es, den energieschonenden Automatikmodus rasch wiederherzustellen.“

Auch der muß nicht „wiederhergestellt“ werden. Aber ja, dieser „Automatikmodus“ ist enorm energieschonend, Aufwands-arm und effizient.

Man kann auch sagen: „Gelernt ist gelernt“.

Die einmal gelernten Abläufe von Handlungen funktionieren wie automatisch. Unsere Aufmerksamkeit (Bewußtheit) wird dazu nicht gebraucht und das Denken ebenso wenig.

Kann man gut – zum Beispiel bei der Frühstücksvorbereitung – beobachten.

Hier handelt es sich im den funktionalen Part des Verstandes, der mit den primitiven Formen des Lernens korreliert.

Steve Ayan: „Diese revolutionäre Theorie…“

Grundsätzlich: Keine Theorie ist „revolutionär“.

Eine Theorie ist nur eine Theorie, also
immer nur… eine vorläufige Annahme.

Steve Ayan: „…weist der Automatik des Geistes eine zentrale Rolle zu“

Was, bitte, soll das sein, die „Automatik des Geistes“?

Steve Ayan: „Lernen, Erfahrung und auch Bewusstsein haben letztlich den Zweck, die impliziten Prognosen immer weiter zu verbessern“

Hier werden Kirschen mit Murmeln vermengt, weil sie eine ähnliche Form aufweisen.

  1. Erfahrung ist Teil, ist eine Form des Lernens.
  2. Bewußtsein hat weder etwas mit Erfahrung, noch etwas mit Lernen zu tun.

Du kannst während einer beliebigen Erfahrung bewußt sein – oder auch nicht. Das Bewußtsein ist nicht ein Teil der untersuchbaren Horizontalen.

Erfahrung – passiert vorwiegend körperlich und emotional.
Lernen – geschieht körperlich und geistig.

Bewußtheit – ist jenseits von beiden.

Lernen  📌

Weißes Dreieck_300

Steve Ayan: „Ein Muster wie etwa die durch ein imaginäres Dreieck teils verdeckten Kreise ergänzt unser Sehsystem vollautomatisch“

◾ So etwas passiert unentwegt,
◾ ohne unser aktives Tun und
◾ ohne daß es uns bewußt ist.

Das macht aber nicht das Sehsystem. Das sieht nur, was es sieht und… weiß nicht einmal, daß es etwas sieht. Es ist ein (nicht intellektuell agierender) Teil des Verstandes, der das Gesehene auf seine Weise für uns interpretiert, deutet, einordnet und so für uns nutzbar macht.

Steve Ayan: „Solche nützlichen Illusionen belegen laut Helmholtz, dass voreingestellte Mechanismen unser Bild der Welt prägen, ohne dass wir irgendetwas dazutun“

Die Bühne unseres Lebens besteht in ausnahmslos allen Details aus „nützlichen Illusionen“. Das ganze Drama ist eine nützliche Illusion. Wir nennen das „Realität“.

Und ja, bei jedem Schritt, mit jedem Blick haben wir unbewußt Erwartungen. Finden keine oder nur wenige Überraschungen statt, sprechen wir von „Normalität“. Das es die aber gar nicht gibt, übersieht unser System großzügig.

Steve Ayan: „Wie man inzwischen weiß…“

Das ist eine weit verbreitete, aber irreführende Formulierung. Hier wird WISSEN und MUTMASSEN nicht klar unterschieden und suggestiv das GLAUBEN anempfohlen.

Steve Ayan: „betrifft das jedoch nicht nur die Sinneswahrnehmung, sondern alle geistigen Prozesse, von der Urteilsbildung über Entscheidungen bis hin zur Handlungssteuerung“

Das ist zwar einerseits zutreffend, aber man kann es dennoch nicht so allgemein formulieren, denn: Es ist eine Frage der Bewußtheit

Für den vorwiegend unbewußt lebenden Menschen mag das zutreffen, aber es leben hier auch Menschen mit einem sehr hohen Grad an Bewußtheit.

Steve Ayan: „Ein grundlegendes Arbeitsprinzip des Gehirns besteht darin…“

Das Gehirn kennt kein „Prinzip“.

Prinzipien sind abstrakte Produkte unseres Menschenverstandes.

Steve Ayan: „Allein schon einen Ball zu fangen, ist für Maschinen ein Riesenproblem, denn dafür müssen visuelle und motorische Informationen laufend miteinander abgeglichen und aktualisiert werden. Dieser hochkomplexe Vorgang läuft bei uns Menschen (zum Glück!) unbewusst ab.“

Zum Glück, ja, denn der Mensch würde es nicht schaffen, müßte er es willentlich via logischem Verstand bewältigen. Er könnte auch nicht Fahrradfahren. Jonglieren wäre unmöglich…

Steve Ayan: „Ein anderes Untersuchungsparadigma, das sehr viel zu unserem Wissen über das Unbewusste beitrug, ist…“ 

Hier geht es nicht um das „Wissen über das Unbewußte“ (worüber es, wie weiter oben schon gesagt, nichts zu wissen gibt), sondern um das Wissen der Funktion des funktionalen Verstandes – der mit dem logisch funktionierenden nichts gemein hat. Sie grüßen sich nicht einmal. Der Eine weiß vom Anderen nichts.

Steve Ayan: „Viele Forscher halten den aktuellen Inhalt des Arbeitsgedächtnisses für identisch mit dem Bewusstsein.“

Was nur eines beweist, daß sie unbewußt sind…, die „vielen Forscher“.

„Jdeer nmrolae Msnech knan desei Wtröer vtlolmotisaucah eitfnefrzn. Ohwbol die Bsabtuehcn dhcerundaneirgberiwelt snid, heabn Sie kuam Pemlbore, dem brefenfteden Txet Snin awebinzgeunn. Das vnkednaern Sie der vbüfflerneden Amtoiatuk Irehs Gneirhs!“

Steve Ayan: „der Autopilot in Ihrem Kopf weiß immer schon einen Sekundenbruchteil vor dem bewussten Ich, was als Nächstes zu lesen sein wird. Er antizipiert die betreffenden Wörter und sortiert die verrutschten Buchstaben dabei blitzschnell um“

Das ist nicht ganz zutreffend: Wir denken (nehmen an), daß wir die Buchstaben der Wörter „lesen“. Das ist aber nicht der Fall. Die Wörter sind als Bilder abgespeichert und der funktionale Teil des Verstandes „korrigiert“ die Bilder Sinn-suchend durch Abgleich.

Steve Ayan: „Das Gros der Datenflut bleibt unbewusst und füttert das System 1, das automatisch und schnell arbeitet“

Das trifft auch auf die Tiere zu. Auch sie lassen alles (Eindrücke und Informationen) durchs Raster fallen, was nicht unmittelbar in ihren Lebensrahmen paßt.

Steve Ayan: „das Gehirn … blickt permanent in die Zukunft! Was wird gleich geschehen? Welche Sinnesreize sind zu erwarten? Droht Gefahr? Was führen andere im Schilde? Solche Prognosen umfassen nicht nur die Außenwelt, sondern auch das innere Milieu des Körpers, die Homöostase. Der Drang zur Nahrungsaufnahme ist so gesehen die unbewusste Vorwegnahme eines drohenden Energieverlusts“

Das ist Quark. Die Natur arbeitet mit Anreizen (Leckerlis) und der Angst vorm Tod, der körperlichen und mentalen Auslöschung:

  • Die Nahrungsaufnahme belohnt sie mit Lust, mit Leckereien.
  • Die Art-oder Gen-Erhaltung belohnt sie mit einem Tanz der Hormone. Sie weiß schließlich ganz genau, daß wir uns andernfalls die Mühe (Sex) nicht machen würden. 😎
  • Und die Angst sorgt dafür, daß wir nicht vom Dach springen.

Steve Ayan: „entsteht Bewusstsein lediglich dann, wenn die Vorhersagen des Gehirns fehlerhaft sind“

Hier werden erhöhte Wachsamkeit (Aufmerksamkeit) und Bewußtheit miteinander verwechselt oder gleichgesetzt.

Und: Bewußtsein „entsteht“ nicht (und vergeht auch nicht).

Eher können wir sagen: Wir fallen in die Bewußtheit. Denn sie ist immer da, immer präsent. Nur wir sind nicht da, sind in unseren ablaufenden Filmen gefangen, sind gerade mal verhindert.

Steve Ayan: „…strebe unser Geist nicht nach immer mehr Bewusstsein, sondern versuche im Gegenteil, es zu verhindern“

Der reifere Mensch ist der bewußtere – ohne daß er „strebt“.
Der weniger reife gibt sich mit seinen (und anderer Leut´s ) Filmen zufrieden.

Neuropsychoanalytiker Mark Solms: »Am liebsten wäre es dem Gehirn, wenn gar nichts Unerwartetes passiert. Totale Gleichförmigkeit ist dem Überleben viel dienlicher als das Energie und Zeit raubende Bewusstsein«

Bewußt sein… ist weder Energie-raubend, noch ist es Zeit-raubend. Schau selbst!

Steve Ayan: „Bewusstseinsforschung…“

Bewusstseinsforschung ist nur intern (eigenwissenschaftlich) möglich und niemals extern.

Das Bewußtsein ist
nicht objektivierbar.

Steve Ayan: „Nach einem Modell des Neuropsychoanalytikers Mark Solms speist sich Bewusstsein…“

Das Bewußtsein speist sich aus nichts.

Steve Ayan: „Einen einzigen neuronalen Sitz des Bewusstseins gibt es nicht“

Der Satz ist zutreffend, suggeriert aber, es gäbe irgendwo einen „Sitz“ des Bewußtseins.

Das Bewußtsein hat keinen Sitz.
Es ist nirgendwo ― und überall.

Steve Ayan: „Träger des Bewusstseins“

Auch die gibt es nicht.

Steve Ayan: „den eigentlichen Hort des Bewusstseins…

…gibt es nicht.

Mark Solms: »Die Mustersuche des Kortex kommt bestens ohne Aufmerksamkeit aus«

Exakt. So ist es.

Mark Solms: »Wenn uns etwas Bewusstsein verleiht…«

Bewusstsein wird durch nichts und niemanden verliehen. Auch nicht durch „tiefer liegende, emotionale Hirnteile“.

Emotionale Hirnteile? 😳

Steve Ayan: „Bewusstsein ist auch ohne Großhirnrinde möglich“

Zustimmung, denn:

Das Bewusstsein ist..
von nichts abhängig.

Das läßt sich leicht herausfinden. Von jedermann.

Steve Ayan: „Bewußtsein … möglich“

Das Bewusstsein ist nicht nur „möglich“. ES IST. Immer.

Das Bewußtsein ist auch nicht vom Gedächtnis oder von der Fähigkeit zu logischem Denken abhängig; nicht einmal von Nüchternheit oder Gesundheit. Unser Nicht-Erinnern an eine Situation ist kein Beleg für die Abwesenheit von Bewußtsein.

Steve Ayan: „Vorhersagefehler alias Überraschung alias Bewusstsein“

Hier wird wieder unzulässig gemixt.

Bewußtsein ist eine eigene Kategorie – keine unter anderen.

Steve Ayan: „Wenn etwas nicht so läuft wie erwartet, entsteht Bewusstsein…“

😎 Interessant. Bewusstsein entsteht… als krankhafter Zustand? 😎

Alles, was entsteht, kann objektiviert werden. Das Bewußtsein gehört nicht dazu.

Steve Ayan: „Dabei versucht unser Gehirn, diesen Zustand [der Bewußtheit] unter allen Umständen zu vermeiden“

Wie wunderlich unsere Wissenschaft arbeitet, zeigt sich besonders dann, wenn sie versucht, mit Hammer & Meißel in die geistigen Bereiche vorzudringen. 🤗

Wir sind es selber, die Bewußtheit vermeiden. Das versucht oder macht nicht das Gehirn.

Die meisten von uns setzen viel auf die Sinne, viele viel auf die Emotionen, einige etliches auf die Ratio, aber nur sehr wenige… etwas auf die Bewußtheit.

Steve Ayan: „das vermeintlich über den Dingen schwebende Bewusstsein ist eng an automatische Vorgänge gekoppelt“

Das Bewußtsein ist an gar nichts „gekoppelt“, auch nicht an „automatische Vorgänge“.

Steve Ayan: „Worauf sich Ihre Aufmerksamkeit richtet, welche Erinnerungen und Ideen Ihnen kommen, wie Sie die Menschen um sich herum wahrnehmen, was Sie aus der Flut der Eindrücke herausfiltern, wie Sie es interpretieren und welche Ziele Sie verfolgen – das resultiert aus automatischen Vorgängen“

Da steckt Richtiges drin, aber so wie er da steht, ist der Satz komplett falsch:

Muster-Erkennung und andere Abgleiche geschehen „automatisch“, das ist richtig (Funktionaler Verstand). Bei allen Menschen und auch bei den Tieren.

Interpretation und Zielverfolgung können eine Sache der Konditionierung und darüber eine der Automation sein – müssen es aber nicht: Ist eine Frage der Wachheit.

Blickrichtung, Erinnerungen, Ideen… können durch Konditionierung oder andere Impulse beeinflußt sein. Müssen aber nicht. Auch hier können bewußte Entscheidungen im Spiel sein. Grundsätzlich:

Der Mensch ist
kein Automat !

Steve Ayan: „Der Autopilot im Kopf macht uns zu denjenigen, die wir sind – nicht das Bewusstsein.“

Damit wird ein anderer Satz variiert, nämlich dieser:

„Es ist nicht das Bewußtsein der Menschen, das ihr Sein, sondern
umgekehrt ihr gesellschaftliches Sein, das ihr Bewußtsein bestimmt.“

― Karl Marx, 1859, Zur Kritik der politischen Ökonomie

Beide Formulierungen entsprechen nicht der Wahrheit.

Was hier mit Autopilot gemeint ist, unterscheidet sich nur nuanciert vom „Autopiloten“ vieler Tierarten. Also muß es da noch etwas anderes geben, was uns ausmacht, denn von den Tieren wollen wir uns doch unterscheiden – oder nicht?

Mein funktionaler Verstand (Autopilot) macht
mich jedenfalls nicht zu dem, der ich bin. 😉

Steve Ayan: „Die alte Unterscheidung zwischen dem triebhaften Unbewussten…“

Nicht alles, was unbewußt abläuft ist auch triebhaft. Ein paar Minuten auf nur einem Bein stehen bleiben zu können, benötigt viele Fähigkeiten, derer wir uns nicht bewußt sind, aber „triebhaft“ würde ich sie nicht nennen.

Steve Ayan: „…und dem rationalen Bewusstsein“

Das Bewußtsein ist nicht „rational“. Es hat mit der Ratio nichts zu tun. Das eine ist Vertikale, das andere Horizontale.

Der rationale Part des Verstandes, wie auch der funktionale Part stehen uns als Hilfsmittel zur Verfügung und werden (wie auch sonst alles) vom Bewußtsein gespiegelt.

Es fällt uns offenbar sehr schwer, die Ratio als kleiner zu sehen als das Bewußtsein.

Steve Ayan: „Das wahre Genie, das Probleme löst und unser Überleben sichert, ist das Unbewusste.“

Einem Betrunkenen würde ich so etwas nachsehen wollen. 🤗

Steve Ayan: „Bewusst und unbewusst sind keine Gegensätze.“

Doch, es sind Gegensätze.

Die Gegensätze lösen sich in dem Maße auf..,
wie wir uns erlauben, Bewußtheit zuzulassen.

Macht

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Macht = ist zunächst nichts weiter als ein Pool von Möglichkeiten.

Macht ist NICHT = gleich Gewalt.
Macht ist ein Energie-Potenzial.
Macht = Kraft in Wartestellung.

Energiepotenziale = sind neutral. Sie können der Destruktion aber auch der Gestaltung dienen, dem allgemeinen Wohl, oder auch der Despotie.

Gewalt = ist die (Negativ-) Bewertung von ausgeübter Kraft oder Macht.

Der Reifegrad derer, denen besonders in den Bereichen Politik, Wirtschaft und Geld ein hohes Energiepotenzial (Macht) zur Verfügung steht, bestimmt über Wohl und Wehe vieler Menschen.

Wer die Geschichte versteht, wird nie eine Rolle in ihr spielen.

~ Théodore Simon Jouffroy

So, wie jemand mit einer gewissen Intelligenz nicht zum Dieb wird. Nicht, weil er ein „guter Mensch“ wäre, sondern einfach, weil die Intelligenz ihn daran hindert.

Es gibt aber auch Ausnahmen, Menschen, die mit lauteren Absichten, die ihre – ihnen zugewiesene – Macht nicht aus einem Gefühl der Minderwertigkeit heraus nutzen und damit mißbrauchen, sondern nach besten Kräften zum Wohl der Allgemeinheit einsetzen.

Regieren ist nicht Macht ausüben, sondern stets
das BESTE für das Gemeinwohl erwirken wollen.

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Macht korrumpiert?

Der Satz klingt griffig, entspricht aber nicht per se der Wahrheit, denn:

Es ist eine Frage der Reife,
ob jemand durch Machtfülle
korrumpierbar ist, oder nicht.

Sie haben Recht, sofern es sich um Personen mit niedrigen Graden (den Stufen (1) bis (3) auf einer imaginären (7)-stufigen Skala) geistiger Reife handelt. Diese Personen sind selbstverständlich anfällig für alle möglichen Einflüsse und deshalb lenkbar. Die auch dadurch entstehende Schwächung des Staates nützt wiederum denen, die eine noch größere Macht haben.

Es gibt aber auch Menschen mit höheren Graden an Geistiger Reife.

Die Krux ist bloß, daß diese Leute sich selten bis gar nicht vom „politischen Geschäft“ angezogen fühlen, weil ihnen z.B. „Macht“ nichts bedeutet. Also werden wir uns vielleicht daran gewöhnen müssen, solche Frauen und Männer freundlich zu bitten, innerhalb eines bestimmten Zeitrahmens die Bürde dieses Dienstes auf sich zu nehmen.

Great men are almost always bad men.
Große Männer sind fast immer schlechte Männer.

― John Lord Acton

Die Politik ist ein starker Anziehungspunkt auch für die falschen Leute, doch… das ist kein Naturgesetz!

Die Bedingungen, die diese Situation ermöglichen, sind nicht in Stein gemeißelt. Vom Menschen gesponnene Konstrukte kann der Mensch auch wieder lösen, wenn sie sich als untauglich erweisen und… neue spinnen.

Die Wahl-Modalitäten, die dieses Problem weichenstellend ändern können, die begünstigen können, daß „gute Männer“, also die richtigen Leute „groß und mächtig“ und ihrer übertragenen Verantwortung gerecht, sich für das Gemeinwohl einsetzen, werden wir haben, sobald wir so weit sind, also… wenn wir dazu auch bereit sind.

Wir sind so weit, die geeigneten Frauen und Männer in den Parlamenten zu begrüßen, wenn wir die  a k t u e l l e  Situation klar sehen und durchschauen können.

Eignung  📌

Der Macht-Typ

Welcher Typus Mensch ist an persönlicher Macht interessiert? Ein Mann (psychologisch gesehen, denn das Geschlecht ist hier nicht relevant) mit…

◾ fettem Ego
◾ starkem Ehrgeiz
◾ hohem Energielevel
◾ Neigung zur Intriganz
◾ populistischem Auftreten
◾ wenig Neigung zur Empathie
◾ geringem Grad an Geistiger Reife
◾ starkem Bedürfnis, Beachtung zu finden

Diese Kombination…
sollten wir fürchten!

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Kinder an die Macht?

Die Unbewußtheit und das rein monetäre Interesse vieler „Lieder-Macher“ ist so groß, daß sie mögliche Botschaften und Wirkungen ihres Tuns nicht erkennen können oder nicht sehen wollen.

Es ist sinnvoll, Kinder
Kinder (2) zu nennen.

Ja, es ist sinnvoll und intelligentes Verhalten, Kinder von jeglicher Macht fernzuhalten. Und ja, es ist ebenso sinnvoll, Kinder langsam an die Verantwortung heranzuführen, aber…. es ist dumm, diese von ihnen zu erwarten.

Kinder „Kinder“ zu nennen impliziert, daß wir nicht alles das auch von Kindern erwarten, was wir bei Erwachsenen (4) voraussetzen können, denn es liegt eindeutig ein Unterschied in der Geistigen Reife vor.

Kollektiv gesehen, liegt dieser Reife-Unterschied in hohem Maße aber auch bei den „Erwachsenen“ vor!

Trotzdem gibt es viele Situationen, in denen wir bei vermeintlich „erwachsenen“ Menschen ungerechtfertigt eine gleich hohes Maß an Reife annehmen.

Geistige Reife  📌

Diese falsche Voraus-Annahme führt uns massiv in Probleme.

Wir müssen dringend dahin kommen, daß wir – zumindest bei den Menschen, die ein verantwortungsträchtiges Amt anstreben – den Grad der Geistigen Reife einzuschätzen und berücksichtigen lernen, wollen wir bestimmte Probleme wirklich gelöst und nicht nur gepflegt sehen.

Auch bei den Erwachsenen müssen wir differenzieren; auch hier müssen Kinder (2) als „Kinder“ benannt und dem entsprechend von neuralgischen Bereichen ferngehalten werden. Denn es ist nüchtern zu konstatieren, daß sich nicht alle vermeintlich Erwachsenen zeitgleich auf dem selben Level der Geistigen Reife befinden.

Das geistige Wachsen endet nicht mit dem körperlichen Wachstum oder dem Ende der Pubertät.

Zum Thema auch auf =>  Philosophie des Staates:  Macht  📌

Freiheit

Freiheit

Freiheit = ist, tun und lassen können.

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Frei ist, wer in Ketten tanzen kann.

― Friedrich Nietzsche

Das ist wohl wahr: Wir können auf unsere Begrenztheiten fokussieren oder auf unsere Freiheiten.

Wer seine Freiheit sehen kann, wird tanzen.
Die Umstände werden ihn nicht behindern.

Aber Achtung!

Ketten sind keine Voraussetzung
…die Freiheit erleben zu können!

Es soll Leute geben, die, obwohl nirgends (an-)gebunden, dennoch nicht tanzen können: Sie können ihre Freiheit gar nicht sehen und also auch nicht feiern.

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Freiheit für… oder von…

Die Freiheit des Menschen liegt nicht darin, daß er tun kann, was er will, sondern daß er nicht tun muß, was er nicht will.

― Jean-Jacques Rousseau

Ja, Freiheit bedeutet einerseits, daß du lassen kannst, was du nicht willst, Freiheit bedeutet aber auch, daß du tun kannst, was du tatsächlich tun willst und Freiheit bedeutet zudem, daß du tun kannst, was du nicht tun willst. Auch das gehört zur Freiheit.

Sie beinhaltet mehr, als nur ein entweder/oder. Viel eher ist sie ein sowohl/als auch. Sie ist größer als du denkst.

Freiheit ist einer der Begriffe, die eine größere Zahl an Bedeutungen haben können. Das Zitat enthält bereits  z w e i  grundverschiedene Formen von Freiheit:

  • Die Freiheit für… etwas.
  • Die Freiheit von… etwas.

Der erste Teil des Satzes beinhaltet die „Freiheit für…“

Jean-Jacques Rousseau: „Die Freiheit des Menschen liegt nicht darin, daß er tun kann, was er will.“

Das ist Quatsch, Jean-Jaques. Natürlich ist es eine der Möglichkeiten von Freiheit, daß der Mensch tun kann, wonach ihm gerade ist. Auf diese Form von Freiheit kann man sich mit den meisten Menschen verständigen.

VERANTWORTUNG  ist
transzendierte Freiheit.

Verantwortung (freiwillig !) übernehmen, geht über das Grundbedürfnis nach Freiheit hinaus. Die Einschränkungen/Unfreiheiten, die angenommene Verantwortung mit sich bringt, sind… Teil der Freiheit.

Die Freiheit zur Verantwortung schwingt auf einer höheren Ebene (4) der Reife.

Jean-Jacques Rousseau sagt: „Die Freiheit des Menschen liegt … darin, … daß er nicht tun muß, was er nicht will.“

Dieser Satzteil erwähnt die Freiheit von

Die Freiheit von körperlicher und psychologischer Einengung. Kein Gehorsam, keine Gängelung, keine Nötigung, keine Entwürdigung. Dieser Aspekt des Begriffs Freiheit hat sehr viel mit Würde zu tun.

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Freiheit des Handelns

Die Freiheit besteht darin, daß man alles
tun kann, was einem anderen nicht schadet.

― Matthias Claudius

Freiheit ist Freiheit und umschließt per se… alle (!) Möglichkeiten.

Andernfalls handelt es sich um was auch immer aber nicht um Freiheit.

  • Warum kennen wir z.B. „gute“ Taten und „schlechte“ Taten?
  • Warum gibt es so viel extreme Armut und solchen extremen Reichtum?
  • Warum kennen wir im menschlichen Miteinander Macht und Ohnmacht?

Weil: Anders als andere Wesen (z.B. die Tiere), kennt der Mensch die Freiheit.

Wir haben die Freiheit der Wahl.
In Freiheit sind wir zu allem fähig.

Verhalten wir uns so, daß wir anderen nicht schaden, kann das mindestens zwei Gründe haben:

A – Wir verhalten uns „gut“, auf Grund einer (von außen
       gesetzten, aber die Freiheit einschränkenden) Moral
B – oder aufgrund von Bewußtheit

Im Fall von Bewußtheit schaden wir auch niemanden, bleiben aber in Freiheit.

Perspektivwechsel

Jean Paul-2_480+T+Conny

Wahrheit“ auf der einen und „Meinung verteidigen“ auf der anderen Seite passen zwar nicht wirklich zusammen, aber der Sinn deiner Forderung basiert auf einer weisen Einsicht, die konstruktive Kommunikation betreffend.

Das Verstehen geschieht in unglaublicher Geschwindigkeit, sobald wir bereit sind, uns in die Denk- und Argumentationsweise des jeweils anderen zu versetzen. Und das kann spielend leicht geschehen.

Die  Neue Schule  wird ganz selbstverständlich, nahezu täglich und spontan das Rollenspiel für den Erkenntnisgewinn nutzen. Der Zeitaufwand dafür ist vernachlässigbar kurz.

In den späteren Jahrgängen kann noch die Methode des „Aufstellens“ nach Bert Hellinger dazukommen.

Grundsätzlich sind wir ad hoc in der Lage,
verschiedene Perspektiven einzunehmen.

Je öfter wir uns einen Perspektivwechsel gestatten, desto verständiger werden wir, desto leichter können sich die Räume von Intelligenz und Weisheit öffnen. Desto mehr erfahren wir auch über uns selbst.

Gegenseitiges Wohlwollen ist…
ein bereichernder Nebeneffekt.

Denn das, was wir verstehen, beunruhigt uns nicht und gegen den, den wir verstehen, entwickeln wir weder Angst, noch Aggression.

Starre Meinungen und feste Standpunkte haben wenig Lebendiges und geben sich schon mit einem niedrigen Level an Intelligenz und Reife zufrieden.

Also sollten wir schon die Kinder unterstützend in die Lage versetzen, die ihnen immanente Möglichkeit nutzen zu können, in kürzester Zeit die unterschiedlichsten Blickwinkel auf die selbe Sache einzunehmen.

Thesen zur  Neuen Schule   📌

Meinung ~ Überzeugung ~ Vorurteil

Meinung

Der Akademikergeist neigt immer dazu, an einmal
aufgenommenen Meinungen festzuhalten und sich
dabei als Hüter der Wahrheit vorzukommen.

– Henri de Saint-Simon

Modelle sind Vorstellungen von – durch unsere Sinne nicht wahrnehmbar – materiell Existentem. Sie sind als Annahmen abstrakt und immer als „vorläufig“ anzusehen.
 
Atommodelle sind jeweilige Vorstellungen von Gestalt und Bewegung kleinster „materieller“ Teilchen, die wir Atome nennen.
 
In unserer Wissenschaft kann man nicht ohne vorläufige Annahmen (Modelle) arbeiten/forschen. In der Physik kennt man derzeit an die zwanzig Atommodelle.
 
Unsere Meinungen sind ebenfalls Vorstellungs-Gebilde, die gesamt-gesellschaftlich verbreitet, psychologisch stützend dienen, indem sie vermeintlich eine gewisse Sicherheit geben. Wegen dieser unbewußt erhofften Sicherheit fällt es nicht leicht, sich die Dinge neu anzusehen und sich folgend von gewohnten Ansichten zu verabschieden.
 
Je geistig reifer ein Mensch, desto weniger Meinungen braucht er, um so weniger starr sind diese, desto schneller trennt er sich von ihnen. Für den reiferen Menschen gilt:

Meinung ist eine bloß provisorische
Annahme ohne Wahrheitscharakter.

Henri de Saint-Simon: „Der Akademikergeist neigt immer dazu, an einmal aufgenommenen Meinungen festzuhalten und sich dabei als Hüter der Wahrheit vorzukommen.“
 
Dem auf den hier verwiesenen Akademiker ist die Reputation bedeutend wichtiger als die Wahrheit. In diesem Fall offenbart er einen kindlichen Grad (2) seiner Geistigen Reife.
 
Meinungen sind starre
Verstandesk
onstrukte.

Auf einer Meinung beharren… ist ein bißchen dumm. Erst recht, wenn man meint, sie auch noch verteidigen zu müssen: Mit unseren Meinungen schneiden wir uns mutwillig und unnötig von der Intelligenz ab.

Die Wahrheit braucht nicht verteidigt zu werden. Sie wird erkannt.

Eine Vermutung haben… kommt der Wahrheit schon viel näher als: „eine Meinung vertreten“.

Mutmaßungen sind keine Anmaßungen; sie müssen nicht verteidigt werden.

Eine „vorläufige Meinung“ kommt einer Annahme nahe, einer Hypothese. Sie steht nicht gegen die Wahrheit, sie ist zeitlich begrenzt. Man weiß: Sie hat ein Verfallsdatum.

Die Meinung ist, so lange sie verteidigt wird, eine Erkenntnis-Blockade. Es ist das Ego, das gerne auf einer „festen Meinung“ besteht und sich damit selbst für wichtiger hält, als die Wahrheit.

Seinen Geist offen halten für das was ist,
schließt das Pflegen von Meinungen aus.

Einwand: „Manche Meinungen sind einfach falsch.“

Das ist so… nicht ganz richtig: Es ist das „Wesen“ von Meinungen, daß sie weder „richtig“, noch „falsch“ sein können. Dasselbe gilt auch für die Thesen:

Es gibt keine richtige und keine falsche These,
sondern nur ihre Aufhebung.. durch den Fakt.

Meinungen sind Glaubenssache und stehen als
solche in Korrelation zum jeweiligen Weltbild.

Weder gibt es richtige, noch gibt es falsche Glaubenssätze.

  • Wir alle haben ein Menschen-Bild,
  • die Meisten auch eine Art Gottes-Bild.
  • Einige haben ihre speziellen Feind-Bilder,
  • wieder andere noch ein bestimmtes Welt-Bild.

Dazu passend… fallen unsere Vorstellungen, festen Meinungen, Standpunkte und Glaubenssätze aus.

Einwand: „Wenn Meinungen nicht objektiven Tatsachen entsprechen, sind sie objektiv gesehen falsch.“

• Meinungen sind per definitionem subjektiver Natur.
• Objektiver Natur sind die unumstößlichen Tatsachen.

Meinungen sind (prinzipiell) temporärer Art, werden aber meist erst durch die Realität der Tatsachen überholt. Es sind subjektiv gestaltete Theorien und als solche Hilfs-Konstrukte… nicht notwendig identisch mit der Realität.

Einwand: „Man kann von „objektiv falschen Meinungen“ sprechen.

Nein, kann man nicht:

Es gibt keine „objektiv falsche Meinung“.
Es gibt keine objektive Meinung.
Es gibt keine falsche Meinung.
Es gibt aber auch keine richtige Meinung.

Die Meinung ist als solche… bloß eine Meinung. Mehr nicht. Nichts von Bedeutung.

• Tatsachen sind objektivierbar.
• Das „Meinen“ ist dagegen mit dem „Glauben“ verwandt.

Man versucht zwar auch, den Glauben zu objektivieren (siehe gemeinsam laut vorgetragenes Glaubensbekenntnis in den Kirchen), doch was der Einzelne tatsächlich glaubt, bleibt allen Anderen auf immer verborgen.

Wenn wir jemandem eine „objektiv falsche Meinung“ attestieren, sagen wir damit eigentlich: „Dein Glaube ist falsch und… meiner ist richtig“Die Illusion lautet:

• Der Andere GLAUBT (etwas Falsches)
• während ich (das Richtige) WEISS.

Das können wir so machen, hilft aber nicht weiter, solange wir nicht sehen können, daß es sich AUCH bei UNS bloß um ein Glaubenskonstrukt handelt.

Beispiel. Jemand sagt: „Es gibt kein Corona-Virus“. Ich kann ihn nicht vom Gegenteil überzeugen, weil ich selber kein Virologe bin und mir folglich nicht die fachlichen Erkenntnis-Module zur Verfügung stehen.

Im Gegensatz zu diesem Jemand halte ich die Existenz des Virus (mit seinen Auswirkungen) aufgrund einiger Indizien für wahrscheinlicher als seine Nicht-Existenz. Bin mir aber bewußt, daß wir beide (!) etwas nur glauben und nicht wissen.

Wenn wir nur genau genug hinsehen…, können
wir erkennen, daß wir mehr glauben als wissen.

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Überzeugung

Überzeugungen sind gefährlichere Feinde der Wahrheit als Lügen.

~ Friedrich Nietzsche

Der Mann hat Recht damit, denn eine Überzeugung ist der Lüge näher, als der Wahrheit. Lügen werden als solche erkannt, aber…

Überzeugungen sind nicht
erkannte… Unwahrheiten.

Die Wahrheit kann nicht einzementiert werden. Sie ist kein starres Objekt. Wer sagt, er habe „eine (feste!) Überzeugung„, sagt damit unausgesprochen, daß er nicht besonders an der Wahrheit interessiert ist, sondern vielmehr an  s e i n e r  Idee von etwas.

  • Lüge = ist eine in voller Absicht kommunizierte Unwahrheit.
  • Überzeugung = ist das starre Festhalten an einer  I d e e  von etwas.

Mit einer Lüge betrügt man andere,
mit einer Überzeugungsich selbst.

Für die Wahrheit müssen wir offen sein, in jedem einzelnen Moment. Sie ist lebendig – nicht statisch.

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Jeder Dumme ist fest überzeugt; und jeder Überzeugte ist dumm: Je irriger sein Urteil, desto größer sein Starrsinn.

~ Baltasar Gracián y Morales

An einer Überzeugung festzuhalten ist selbst gewählte Dummheit. „Den Dummen“ gibt es aber nicht. Dummheit ist ein temporäres Phänomen, das wir alle… recht gut kennen.

Eine Überzeugung zu haben,
ist Leugnung der Intelligenz.

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Vorurteil

Wer nicht gerne denkt, sollte wenigstens von Zeit zu Zeit seine Vorurteile neu gruppieren.

~ Luther Burbank

Der Luther provoziert bloß ein bißchen. Denn er weiß natürlich, daß das gar nicht geht, „Vorurteile neu gruppieren“. Wer Vorurteile neu gruppieren kann, kann auch gleich selber denken und braucht jene gar nicht (mehr).

Vorurteile sind dazu da,
Intelligenz zu blockieren.

Wir bilden sie uns aus Sicherheitsgründen; weil wir uns ohne sie halt ziemlich unsicher fühlen.

Die wenigen Freigeister, wie Luther Burbank, Thomas Alva Edison und andere kommen ganz gut ohne Vorurteile aus. Sie sind nicht daran interessiert, sich selbst den Geist zu verstellen. Sie erlauben sich, wie Immanuel Kant es kategorisch fordert, selber zu denken und nicht andere für sich denken zu lassen.

Damit steht diesen wenigen Menschen eine ganze Welt zur Verfügung, die wir anderen nur dem Wort nach kennen: Kreativität.

Sie unterscheiden sich (aber nicht wesentlich!) von uns. Sie zeigen bloß etwas mehr Mut: Sie können auf Vorurteile verzichten und geben sich die Erlaubnis, allein in den Dschungel der Kreativität vorzudringen und (ohne Berufung auf andere!) ihren Ideen und Eingebungen zu folgen.

Einwand: „Berühmte Persönlichkeiten seiner Zeit, wie z.B. Edison, besuchten ihn.“

Das hängt wohl mit der Verwandtheit zusammen. Freigeister sind in der Menge ziemlich einsam. Doch mit ihresgleichen können sie mal für kurze Zeit auf gleicher Schwingungsebene kommunizieren.

Einwand: „Ob Dummköpfe den Spott verstehen?“

Was ich nicht verstehe, verstehe ich nicht und es gibt sehr viel, das ich nicht verstehe. Ironie, Sarkasmus, Zynismus, Spott und Häme… gehören gerne mal dazu.

Außerdem gibt es keinen Dummkopf, der
immer bloß ein Dummkopf ist. So wie es
auch keinen Weisen gibt, der nur weise ist.

In Sachen Dummheit & Weisheit sind wir eher Mischwesen: Manchmal geben wir der einen Seite in uns den Vorzug, mal der anderen.

Also, machen wir uns ans Werk und…
gruppieren wir unsere Vorurteile neu.

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PS: Nein, wir brauchen nicht komplett auf das Vorurteil zu verzichten.
       Wir dürfen uns aber erlauben, es gelegentlich gegen ein aktuelleres auszutauschen. 😎

Architektur

Zwölf-Ecken-Stein

Zwölf-Ecken-Stein (oder Zwölf-Seiten-Stein) in einer Mauer der Inka-Stadt Cuzco, Peru.

„Sie [die Inkas] verwendeten harte Granitsteine und nutzten […] den Effekt
des Reibungswiderstands: Die Steine wurden in ihren Lagerfugen so lange
aneinander gerieben, bis sie plan zueinander passten.“
― Bruder Albert

Frage: Ist es glaubhaft, was der Mann hier bezüglich der Fugentechnik sagt?