Die Quelle der Philosophie

Das Staunen ist die Einstellung eines Mannes, der die Weisheit wahrhaft liebt, ja es gibt keinen anderen Anfang der Philosophie als diesen.

Platon

Doch, Platon, es gibt einen anderen Anfang der Philosophie der gleichwie ihr Ende ist:

Es ist unsere Mitte, die wir
auch mit Stille assoziieren.

Ohne diese Stille gibt es keine Philosophie… in der feinen Bedeutung ihres Wortes.

Das Denken passiert auf der Horizontalen,
Weisheit erreicht uns aus der Vertikalen.

Denken und Weisheit sind keine Verwandte, sie sind auf verschiedenen Ebenen zuhause.

Das Staunen ist eine Form der Liebe,
die sich aus der Stille heraus entfaltet.

Genauso, wie Weisheit sich aus der Stille heraus entfaltet.

Klugheit

Klugheit ist nur Erfahrung, die alle Menschen, die sich gleich lang mit den gleichen Dingen beschäftigen, gleichermaßen erwerben. Was diese Gleichheit vielleicht unglaubwürdig erscheinen lässt, ist nur eine selbstgefällige Eingenommenheit von der eigenen Weisheit, von der fast alle Menschen annehmen, sie besäßen sie in einem höheren Maße als das gewöhnliche Volk.

– Thomas Hobbes

Ja, Weisheit ist (anders als materielle Dinge) nicht verknappbar. Und: Weisheit ist nicht exklusiv, sondern jederzeit und für jeden kostenlos verfügbar. Es liegt an jedem von uns, es steht uns völlig frei, ob wir sie nutzen.

Ich will aber noch auf den Unterschied zwischen Klugheit und Weisheit hinweisen:

Zum Beispiel nennen wir jemanden „klug“, der die (uns allen gleichermaßen umgebende) Intelligenz zielgerichtet – also klug – zu nutzen weiß, um um eine Atom-Kern-Spaltung durchzuführen. So jemanden ehren wir sogar mit einem Preis. Ist diese aggressive Handlungsweise aber auch weise?

Atomos = Das Unteilbare

Ist es weise, dem Planeten und ihren Bewohnern einen auf mehr als eine Million Jahre bedrohlichen Müll zu hinterlassen, obwohl wir nicht einmal einen dorthin postierten Hausmeister bezahlen können?

Es mag klug sein, ein paar Grenzen zu überschreiten,
weise ist es, Grenzen als solche erkennen zu können.

Bereits die Verantwortung steht, an der
Reife gemessen.., weit über der Klugheit.

Weisheit

Wir empfangen die Weisheit nicht. Wir müssen sie für uns selbst entdecken im Verlauf einer Reise, die niemand für uns unternehmen oder uns ersparen kann.

– Marcel Proust

Dieses Zitat des Marcel Proust ist interessantes, weil sich damit etwas zur Weisheit sagen läßt:

Er hat Recht damit, wenn er meint, daß wir sie selbst entdecken müssen und zwar unentwegt, daß uns niemand ersparen kann, die Weisheit zu entdecken und sie anzunehmen.

Niemand anderes kann sie für uns finden.
Kein Experte der Welt ist dazu in der Lage.

Das Auftauchen von Weisheit steht aber keineswegs in direktem Zusammenhang mit dem „Verlauf einer Reise“ ! Sicherlich ist die entspannte Atmosphäre einer Reise dienlich, ebenso der günstige Umstand, von den gewohnten Gleisen (auch denen des Verstandes) vorübergehend beurlaubt zu sein.

Ansonsten birgt jeder Moment des Lebens das Potenzial, Weisheit erscheinen zu lassen. Wirklich jeder Moment, jeder Ort und jeder Umstand. Und zwar bar jeder Anstrengung.

Der Satz des Marcel Proust: „Wir empfangen die Weisheit nicht“ ist dagegen nicht zutreffend. Wir können Weisheit nicht machen, nicht tun, nicht beschließen, nicht einmal wollen. Im Gegenteil: Eine rezeptive Haltung, eine Ego-freie, eine offene ist sehr hilfreich, denn:

Wir empfangen die Weisheit.

Weisheit  📌

Wissen / Weisheit

Isaac Asimov, Weisheit, Wissen, Wissenschaft, Schule, Bildung, Nirmalo,

Ja, es ist fatal, daß der Menschheit derzeit so viel an Wissen zur Verfügung steht, auch das wissenschaftlich gesammelte und das Ingenieurs-Wissen, aber die Geistige Reife des Menschen kollektiv gesehen, nicht mitgewachsen ist; daß die Weisheit auf der Strecke geblieben ist, weil unsere Schulweisheit von Weisheit nichts weiß. Das ist eine gefährliche Situation: So als würde man den Kindern Waffen an die Hand geben.

Anmerkung:

Wissen läßt sich sammeln, es ist objekthaft.
Weisheit jedoch läßt sich nicht ansammeln.

Aber warum sollten wir auch etwas sammeln wollen, was uns eh die ganze Zeit über zur Verfügung steht?

Torheit

Die Torheit begleitet uns in allen Lebensperioden. Wenn einer weise scheint, liegt es daran, daß seine Torheiten seinem Alter und seinen Kräften angemessen sind.

– François de La Rochefoucauld

Hier liegt der Schwerpunkt auf der Torheit. Es sieht so aus, als müßte jemand sich selbst und anderen gegenüber rechtfertigen, daß er der Weisheit weniger Beachtung schenkt.

François: „Die Torheit begleitet uns in allen Lebensperioden.“

Du weißt, François, daß uns auch die Weisheit in allen Lebensperioden begleitet, daß sie bloß öfter ignoriert oder sogar geleugnet wird als die Torheit. Die Torheit vor oder über die Weisheit zu stellen, ist allerdings noch weniger als nur eine Torheit.

François: „Wenn einer weise scheint…“

• Der Anschein von Weisheit ist nicht Weisheit.
• Weisheit bedarf keines Anscheins.

Ab einer gewissen Höhe der Geistigen Reife wird das Geschenk der Weisheit nicht ausgeschlagen. Nicht im Alter, nicht im Erwachsenen-Alter, nicht in der Jugend, nicht einmal in der Kindheit.

Bleibt die Geistige Reife jedoch auf einem niedrigen Niveau, behält die Weisheit den Status eines Fremdwortes und dem entsprechend gewinnt die Torheit an Akzeptanz.

Weisheit  📌

Sokrates

Diese Liebe ist die Philo-Sophia, die Liebe zur Weisheit, und Sokrates ist ihr Prophet.

– Barbara Zehnpfennig

Hier geht es nicht um Religiöses; auch nicht um religiöse Figuren wie Messias oder Prophet. Hier geht es um etwas, zu dem wir alle qua Geburt das Zugangsrecht haben. Bei vielen Menschen ist dieser Zugang etwas verschüttet, durch den Verstand – durch unsere Art zu denken und zu werten – blockiert, das ist alles.

Ein Mann wie Sokrates hilft wie eine Hebamme: Er erschafft nichts, was nicht schon vorhanden wäre. Er hilft, die Umstände ein wenig zu begünstigen, damit das, was schon vorhanden ist, etwas leichter ans Licht kann.

Sokrates, bekannt und gefürchtet wegen seiner Sucht, andere in Gespräche zu verwickeln, (Quelle)

– Barbara Zehnpfennig  

Es war eher ein Entwickeln, denn ein Verwickeln. Und seit wann klassifizeren wir die Tätigkeit der Lehrer als Sucht?

Die Lehrer der Weisheit nutzen unterschiedliche Techniken, um ihren Schülern zu helfen, an ihr eigenes Licht der Weisheit zu gelangen. Die Liebe des Sokrates drückte sich, um der Wahrheit auf die Spur zu kommen, in der „Hebammen-Technik“ aus.

Die Schüler suchten den Mann aus freien Stücken auf. Sie hatten ihn also nicht wegen seiner Gesprächsweise gefürchtet, sondern ihn genau wegen seiner Qualitäten aufgesucht. Und das ist ein Indiz für die bereits sehr hohe Geistige Reife derer, die ihn besuchten.

Die heutigen Philosophie-Studenten und -Professoren jedoch, ja sie würden ihn wohl fürchten. 😲 Zu Recht.

Akademische Herangehensweise an einen Mann
wie Sokrates kann das Verstehen nicht fördern.

Würde der Begriff Philosophie im Wortsinn verstanden werden können, die Sokratische Methode wäre gängige Praxis in den philosophischen Seminaren – vielleicht sogar auf dem Campus, unter den Studenten.