Der edle Mensch

Nichts mehr bedarf eine Nation als einen Überfluß an edlen Männern, die sich dem Allgemeinen widmen.

– Leopold von Ranke

Mit dem Aufkommen der Demokratie („Herrschaft des Volkes“, also der gemeinen Masse) ist der Begriff des „edlen Menschen“ fast völlig aus der Mode gekommen. Wir hängen den Wert „Demos“ dermaßen hoch, daß wir dabei die Werte, die den „edlen Menschen“ ausmachen, komplett übersehen.

Adel = edle Gesinnung.

Adel verpflichtet„. Adelige Herkunft (Erziehung & Bildung) verpflichtet zur Annahme von Verantwortung (tüchtig und tugendhaft) basierend auf der Idee der Aristokratie, also dem Bestreben nach einer auf das Gemeinwohl ausgerichteten Führung der Besten und der Geeignetsten.

Diesen edlen Menschen haben wir scheint´s, zusammen mit der Herrschaft der Aristokratie gleich mit abgeschafft. Das ist fatal! Die darin liegenden Gefahren haben wir (immer noch) nicht erkannt.

Was macht ihn aus, den „edlen Menschen“?

Ganz pauschal würden wir heute den edlen Menschen mit einem „guten Charakter“ beschreiben. Das ist aber nicht wirklich zutreffend. Der edle Mensch weist sich aus durch eine überdurchschnittlich hohe Geistige Reife:

  • Er kann das größere Ganze sehen
  • und Zusammenhänge erkennen.
  • Er hat die Fähigkeit zu Mitgefühl.
  • Die Menschen achtet er unterschiedslos.
  • Verantwortungs-Bewußtsein kennt er,
  • aber nicht nur in Bezug auf „die Seinen“.
  • Das Gemeinwohl-Denken ist bei ihm vorrangig:
  • Das Beste für die Allgemeinheit.
  • Eigenständiges Denken ist ihm vertraut,
  • ebenso wie Intelligenz und Weisheit.
  • Weisheit kommt ohne Wahrhaftigkeit nicht aus.
  • Vornehmheit und Eitelkeit kennt er nicht.
  • Der Wunsch nach Beachtung ist ihm fremd.

Diese Qualitäten wirken auf uns irgendwie exotisch, wir kennen sie fast nur noch aus der Literatur. Statt dessen haben wir uns mit Zuordnungen, wie „Verbraucher“, „Jeder zu seinem Vorteil“ („Geiz ist geil“) und „Kinder an die Macht“ zufrieden gegeben und… damit identifiziert. Selbst in den höchsten und neuralgischen Positionen erwarten wir nichts anderes mehr.

Das ist nicht der Zenit unserer Möglichkeiten. An der Geistigen Reife gespiegelt, ist das gerade mal Kleinkind-Niveau (2).

Wir sollten uns mal wieder auf die wirklichen Werte besinnen und unsere Ansprüche ihnen entsprechend… höher schrauben! Denn das Edle in uns ist nicht gestorben, es ist bloß unter billigem Blech verschüttet.

Reife  📌

Viel lesen ?

Nicht viel lesen, sondern gut‘ Ding viel und oft lesen macht fromm und klug dazu.

– Martin Luther

Das Problem: Wie unterscheiden zwischen gut´ Ding und den anderen…?

Klar, daß du deinen Leuten schon sagst, was in deinen Augen gut´ Ding ist und wovon du meinst, daß es auch ein´s für andere ist. Aber nicht jeder kann dich zu jeder Zeit fragen. Also begnügen sich die Leut´ mit 21% Schund und 78% Füllstoff.

Es gibt Alternatives: Die feineren Sinne schärfen, genaues Hinsehn, selber denken, sich auf die Wahrheit einstimmen und sich an ihr orientieren, das Wohl jedes anderen so wichtig nehmen wie das eigene…

Dann braucht´s nicht viel des Lesens.

Klimawandel

Es geht nicht darum, die Erde zu retten – dabei überheben wir uns. Das können wir nicht. Das ist bloß Egomanie, ist unangebrachte Arroganz, also reine Dummheit.

Der Planet… macht sein eigenes Ding.

Was wir leisten können (und müssen)
ist.., Verantwortung zu übernehmen.

Flora-Wesen verlassen ein Gebiet (sterben aus), wenn sie das Gebiet verlassen. Fauna-Wesen verschwinden unwiederbringlich, wenn sie unwiederbringlich verschwinden. Daran brauchen wir nichts zu ändern und daran können wir auch gar nichts ändern.

Aber wir können, wir sollten und wir müssen in den Erwachsen-Status (4) auf-wachsen, in den Reife-Status, der es uns ermöglicht, Verantwortung für all unser Handeln zu übernehmen. Und das liegt im Bereich unserer Möglichkeiten.

Daß wir unsere Ehrfurcht vor der uns umgebenen und der uns durchdringenden Natur wiederbeleben – das können wir und das müssen wir.

Dankbarkeit… liegt im Bereich unserer Möglichkeiten.
Wertschätzung… liegt auch im Bereich des Möglichen.

Das Erkennen, daß wir nicht alles machen können, was wir machen können,
das können wir und das müssen wir… schnellstmöglich lernen.

Entweder durch Einsicht, oder durch deutliche Hinweise von Seiten der Natur.

Freudiges Lernen
ist leichtes Lernen.

Gier

Eigentum, Angst, Gier, Geiz, Egoismus, Macht, Nirmalo,

Gier hat etwas mit Eigentum zu tun.
Eigentum hat etwas mit Angst zu tun.

Die Angst – von was auch immer – nicht genug zu bekommen. Immer noch mehr haben wollen, „damit ich nicht umkomme“.

Gier wütet jenseits der Menschenwürde.
Denn zur Würde des Menschen gehört auch:
Irgendwann den Hals voll kriegen zu können.

Das gesunde Ziel von Eigentum ist: Schutz der Privatsphäre, Erweiterung der Möglichkeiten des Ausdrucks, Loslassen können, Teilen mögen, Feiern und Freude empfinden.

Wird Eigentum zum Selbstzweck, liegt eine gewisse „Anomalie“ vor. Extreme Sucht-Phänomene können sich letztlich gemeinschaftschädigend auswirken.

Die gute Nachricht: Sie lassen sich therapeutisch behandeln.

Revolution

Jede Revolution ist viel weniger Bauplatz der Zukunft als Auktion der Vergangenheit.

– Heimito von Doderer

Ja, die Revolution ist mit dem Umstürzen des Alten beschäftigt.

Hier ist der Gott der Zerstörung am Werk und der Gott der
Konstruktivität hält sich vorläufig noch ein wenig abseits.

Auf die Entwicklung der Geistigen Reife übertragen, handelt es sich hier um die Phase des Rebellen (3), des jugendlichen Heißsporns, während erst die folgende Ebene den sich verantwortlich sehenden und also konstruktiv tätigen Erwachsenen (4) abbildet.

Ein Auge dafür

Maulbeerbaum - Vincent Van Gogh, 1889
Vincent Van Gogh – Maulbeerbaum, 1889

Nur wer ein Auge dafür hat, sieht etwas Schönes und Gutes, in jedem Wetter, er findet Schnee, brennende Sonne, Sturm und ruhiges Wetter schön, hat alle Jahreszeiten gern und ist im Grunde damit zufrieden, daß die Dinge so sind wie sie sind.

– Vincent van Gogh