Torheit

Die Torheit begleitet uns in allen Lebensperioden. Wenn einer weise scheint, liegt es daran, daß seine Torheiten seinem Alter und seinen Kräften angemessen sind.

– François de La Rochefoucauld

Hier liegt der Schwerpunkt auf der Torheit. Es sieht so aus, als müßte jemand sich selbst und anderen gegenüber rechtfertigen, daß er der Weisheit weniger Beachtung schenkt.

François: „Die Torheit begleitet uns in allen Lebensperioden.“

Du weißt, François, daß uns auch die Weisheit in allen Lebensperioden begleitet, daß sie bloß öfter ignoriert oder sogar geleugnet wird als die Torheit. Die Torheit vor oder über die Weisheit zu stellen, ist allerdings noch weniger als nur eine Torheit.

François: „Wenn einer weise scheint…“

• Der Anschein von Weisheit ist nicht Weisheit.
• Weisheit bedarf keines Anscheins.

Ab einer gewissen Höhe der Geistigen Reife wird das Geschenk der Weisheit nicht ausgeschlagen. Nicht im Alter, nicht im Erwachsenen-Alter, nicht in der Jugend, nicht einmal in der Kindheit.

Bleibt die Geistige Reife jedoch auf einem niedrigen Niveau, behält die Weisheit den Status eines Fremdwortes und dem entsprechend gewinnt die Torheit an Akzeptanz.

Weisheit  📌

Ein freies Wesen

Der Mensch ist…
– ein Naturwesen auf der untersten Stufe, dann ist er
– ein Gesellschaftswesen, und darüber hinaus ist er
– ein freies Wesen.

– Joseph Beuys

Ja, der Mensch besteht aus all diesen (und weiteren) Aspekten gleichzeitig.

Nur zeigen die meisten Menschen ab dem sogenannten „Erwachsenen“-Alter (wie in Starre) vorwiegend nur einen einzigen Reifegrad, den sie dann „Charakter“ nennen. Sie mögen die „Vorhersagbarkeit“. Die vermittelt Vertrautheit und damit die Illusion von „Sicherheit“. So jemand wird als „gesellschaftsfähig“ empfunden.

Die meisten Menschen sind Gesellschaftswesen, sie wollen „dazu gehören“. Die Angst vor dem Ausgeschlossen-werden korrumpiert sie. Sie verzichten auf ihre Freiheit, den dazu gehörigen Mut zur bedingungslosen Wahrhaftigkeit und versuchen sogar, die Liebe einzuhegen: Die Zustimmung und Anerkennung von Seiten der gewählten Gruppe ist ihnen wichtiger.

Das „freie Wesen“, von dem du hier sprichst, findet man eher selten. Der Freigeist ist nicht wirklich gesellschaftsfähig. Er ist unberechenbar, nicht einschätzbar, also unkontrolliert. Man weiß nie so recht, was man von ihm halten soll. Das macht unsicher. Du bist auf deiner dritten Stufe also so ziemlich allein. 😉

Und zuerst bis zuletzt ist der Mensch… ein spirituelles Wesen.

Nichts auf der Welt ist dem Menschen mehr zuwider,
als den Weg zu gehen, der ihn zu sich selber führt!

Hermann Hesse

Dazu noch ein Zitat von einem Mann, der 40 (!) Jahre seines Lebens im Gefängnis verbrachte:

»Freiheit ist keine Sache des Ortes, sondern des Zustandes. Ich war glücklich im Gefängnis, denn diese Tage vergingen auf dem Pfade des Dienens. Gefangenschaft war mir Freiheit, Schwierigkeiten sind Erholung für mich, Tod ist Leben. Es ist eine Ehre, verachtet zu werden. Deshalb war ich sehr glücklich während meiner Haft. Wahre Freiheit ist, aus dem Gefängnis des Selbstes befreit zu sein; denn das Selbst ist das größte Gefängnis! Wenn man davon frei wird, kann man nie mehr eingekerkert werden. Doch diese Freiheit kann man nur erhalten, wenn man schlimme Schicksalsschläge nicht mit dumpfem Entsagen, sondern in strahlender Ergebenheit annimmt.«

– عبدالبهاء

Zehn Gebote

Die Zehn Gebote sind deswegen so kurz und logisch, weil sie ohne Mitwirkung von Juristen zustande gekommen sind.

– Charles de Gaulle

Wir haben uns vom Dorfältesten verabschiedet und wollen es lieber „ganz genau“ wissen. Deshalb sind die Gesetzestexte so präzise und damit auch so umfangreich.

Dieser riesige Aufwand muß nicht sein, aber die Gesellschaft hat sich dafür entschieden. Uns ist der gerichtsbeständige Vertrag und die ihn regelnden Einzelheiten um Vieles lieber als der einfache Handschlag.

Im Grunde
ist alles ganz einfach.
Probleme wachsen mit den Details.

Die vermehrte Einrichtung von Schiedsstellen könnten ein erster Schritt… in die intelligentere Richtung sein. Die Gerichte sind eh hoffnungslos überlastet.

Aber was, bitte, soll denn an diesen Geboten „logisch“ sein? Es sind bloß kurze Imperative, Forderungen, Gebote. Sie sind Ermahnungen (Erinnerungen) an den Einzelnen, von dem angenommen wird, daß er aus der Liebe herausgefallen und folglich nicht in der Lage ist, von sich aus… das Rechte zu tun.

Dort, wo die Liebe wirkt,
bedarf es keiner Gebote.

Wissen & Verstehen

Die Mehrheit der gewöhnlichen Bevölkerung versteht nicht was wirklich geschieht. Und sie versteht noch nicht einmal, daß sie es nicht versteht.

– Noam Chomsky

Ja, und wir beide gehören dazu, zu dieser „gewöhnlichen Bevölkerung“.

Denn das mit dem Verstehen und dem Wissen ist so eine Sache: Der Sokrates sagte bereits vor Christus, daß es nichts zu wissen gibt, daß wir uns alle bloß – zum Teil erfolgreich – vormachen, irgend etwas zu wissen.

In Wirklichkeit handelt es sich hier eher um eine Art Mutmaßen. Selbst die Wissenschaft bedient sich mittels ihrer Methoden eines wissenschaftlich gestützten Vermutens.

Jeder von uns Vielen versteht genau so viel, wie er verstehen muß. Und niemand kann – aufgrund verschiedener Voraussetzungen – mehr verstehen, als er letztlich verstehen kann. Demzufolge kann niemandem ein Vorwurf daraus gemacht werden, daß er nur so viel versteht, wie er verstehen kann.

  • Weißt du als Spieler auf der Bühne, was wirklich geschieht?
  • Kannst du verstehen, daß nicht jeder alles verstehen muß?

Noam Chomsky: „Und sie versteht noch nicht einmal, daß sie es nicht versteht.“

  • Kannst du verstehen, was du nicht verstehst?
  • Und falls du nicht verstehst, daß du etwas nicht verstehst: Kannst du verstehen, daß du nicht einmal das verstehst?

Die Summe dessen, was wir zu wissen und zu verstehen glauben ist – gemessen an dem, was wir niemals wissen oder verstehen werden – nicht der Rede wert und letztlich… unbedeutend.

Perfektion

Unmani, Verstand, Perfektion, Nirmalo,

Perfektion als Bewertung ist ideeller Schlußpunkt eines Prozesses. Sie trifft auf keinen anderen Punkt des Prozesses zu. Dennoch ist das jeweilige Werk, zwar irgendwann beendet, im Sinne von Perfektion aber… niemals vollendet. 

Vollkommenheit ist bereits gegeben. In jedem sich verändernden Moment.

Ein Vulkan-Berg ist vor dem Ausbruch in all seinen Nuancen vollkommen. Nach dem Ausbruch ebenso, obwohl jetzt: völlig verändert, komplett verschieden im Vergleich zu zu gestern.

Perfektion gehört zur Horizontalen,
Vollkommenheit zur Vertikalen.

  • Kein Mensch ist perfekt.
  • Jeder ist vollkommen.

Denken  📌

Sokrates

Diese Liebe ist die Philo-Sophia, die Liebe zur Weisheit, und Sokrates ist ihr Prophet.

– Barbara Zehnpfennig

Hier geht es nicht um Religiöses; auch nicht um religiöse Figuren wie Messias oder Prophet. Hier geht es um etwas, zu dem wir alle qua Geburt das Zugangsrecht haben. Bei vielen Menschen ist dieser Zugang etwas verschüttet, durch den Verstand – durch unsere Art zu denken und zu werten – blockiert, das ist alles.

Ein Mann wie Sokrates hilft wie eine Hebamme: Er erschafft nichts, was nicht schon vorhanden wäre. Er hilft, die Umstände ein wenig zu begünstigen, damit das, was schon vorhanden ist, etwas leichter ans Licht kann.

Sokrates, bekannt und gefürchtet wegen seiner Sucht, andere in Gespräche zu verwickeln, (Quelle)

– Barbara Zehnpfennig  

Es war eher ein Entwickeln, denn ein Verwickeln. Und seit wann klassifizeren wir die Tätigkeit der Lehrer als Sucht?

Die Lehrer der Weisheit nutzen unterschiedliche Techniken, um ihren Schülern zu helfen, an ihr eigenes Licht der Weisheit zu gelangen. Die Liebe des Sokrates drückte sich, um der Wahrheit auf die Spur zu kommen, in der „Hebammen-Technik“ aus.

Die Schüler suchten den Mann aus freien Stücken auf. Sie hatten ihn also nicht wegen seiner Gesprächsweise gefürchtet, sondern ihn genau wegen seiner Qualitäten aufgesucht. Und das ist ein Indiz für die bereits sehr hohe Geistige Reife derer, die ihn besuchten.

Die heutigen Philosophie-Studenten und -Professoren jedoch, ja sie würden ihn wohl fürchten. 😲 Zu Recht.

Akademische Herangehensweise an einen Mann
wie Sokrates kann das Verstehen nicht fördern.

Würde der Begriff Philosophie im Wortsinn verstanden werden können, die Sokratische Methode wäre gängige Praxis in den philosophischen Seminaren – vielleicht sogar auf dem Campus, unter den Studenten.

Neuland

Kreativtität ist die Fähigkeit zu sehen (oder bewusst wahrzunehmen) und zu antworten.

– Erich Fromm

Das genügt nicht:

• Sehen und antworten
• Hören und antworten
• Lesen und nichts weiter
• Denken wie gewöhnlich
• Sprechen wie gewöhnlich
• Handeln wie gewöhnlich

All das ist der uns gut bekannte gewöhnliche Automatismus. Er benötigt keine Kreativität.

Kreativität = ist das Verlassen von Bahnen und Schleifen.

Kreativität schwingt auf einer höheren Ebene und bedarf einer anderen, einer höheren Form der Intelligenz als die, welche für das bloße Sehen, Hören, Lesen, Denken, Sprechen und Handeln in den üblichen Bahnen und Schleifen bereits ausreicht. Kreativität ist das Ausbrechen aus dem Bekannten, aus dem Gewohnten.

Kreativität = ist per se Neuland.

Das bewußte Wahrnehmen ist ein nicht zu vermeidender Nebeneffekt der Kreativität. Immer wenn wir das Bekannte verlassen, kippt der Schalter sofort auf „erhöhte Aufmerksamkeit“ – und damit verlassen wir den Schlafmodus.

Ein weiterer Effekt betrifft das Lernen: Mit dem Verlassen des Automatik-Modus wechseln wir auf eine anspruchsvollere Ebene des Lernens. 🌻

Der freie Mensch lebt notwendigerweise in Ungewissheit.

– Erich Fromm

Jeder andere aber auch. Nur weiß es der (vermeintlich) freie Mensch vielleicht etwas früher, daß er in Ungewissheit lebt – weil er aufmerksamer lebt als der vermeintlich unfreie Mensch.