Sokrates

Philosophie heißt für Sokrates: auf Wahrheit ausgerichtet zu sein, ohne sie zu besitzen.

Wolfgang H. Pleger  (S. 174)

• Gilt es nur für den Sokrates, daß Philosophie auf Wahrheit ausgerichtet ist?
• Könnte denn jemals… irgend jemand „Wahrheit besitzen“? Wenn ja, wer?

1. Für die Philosophie ist es Voraussetzung, auf die Wahrheit ausgerichtet zu sein. Das gilt nicht nur für den Sokrates, sondern für jeden Philosophierenden – ausnahmslos! Wer nicht auf die Wahrheit ausgerichtet ist, kann vielleicht schwätzen, aber nicht philosophieren.

2. Nicht nur Sokrates kann die Wahrheit nicht besitzen. – Niemand kann das.

Diese beiden Aspekte sind also nicht typisch… für die
Person Sokrates, sondern typisch für die Philosophie.

Aspekte der Freiheit

Viele Philosophen meinen, dass wir auch in einer naturgesetzlich determinierten Welt einen freien Willen haben können.

– Geert Keil

(Reclam-Klappentext zu „Willensfreiheit und Determinismus“)

Was „viele Philosophen“ dazu „meinen“, ist nicht erheblich. Interessant ist, ob wir alle grundsätzlich (oder partiell) frei sind, oder es nicht sind und ob wir uns – bezüglich der verschiedenen Aspekte der Freiheit – frei fühlen, oder nicht.

Hier geht es um mehr als nur  e i n e n  Aspekt des Begriffs „Freiheit“:

  1. Freiheit, zu leben
  2. Freiheit, zu lieben
  3. Handlungs-Freiheit
  4. Universelle Freiheit
  5. Freiheit des Willens
  6. Bewegungs- Freiheit
  7. Mitteilungs-Freiheit
  8. Freiheit vom Körper
  9. Gedankliche Freiheit
  10. Freiheit vom Denken
  11. Freiheit zur Unfreiheit
  12. Freiheit in Beziehungen
  13. Wahrnehmungs-Freiheit
  14. Außerkörperliche Freiheit
  15. Freiheit von Einflußnahme
  16. Freiheit des bewußten Seins
  17. Freiheit von Konditionierungen

Gut möglich, daß wir in Wirklichkeit gar keine Wahl haben.

Vielleicht sagt uns das unsere Wissenschaft in Kürze oder hat es schon getan, aber: Wir könnten keine vierzehn Tage überleben, würden wir uns nicht mindestens in der Illusion wiegen, frei zu sein… im Wollen und im Tun, im Denken und in der Wahrnehmung!

Ein Schaf fühlt sich vielleicht grenzenlos frei, wenn es
sich im Schutz der Herde innerhalb einer für uns klar
erkennbaren Umzäunung bewegt.

Die Frage ist also nicht so sehr, ob wir frei  s i n d,
sondern ob wir uns als frei  e r l e b e n,  denn:

Können wir Zäune überwinden, die
wir gar nicht als solche erkennen ?

Eine Grenze können wir nur dann überwinden, wenn wir sie
1. als solche sehen,
2. als solche anerkennen und dann
3. als solche „verletzen“ oder reißen.

Grenzen sind Denkgebilde.

Selbst in einer Gefängniszelle kann man sich frei fühlen. Die Klosterzelle bietet kaum mehr Freiraum und doch begeben sich viele Leute freiwillig und über viele Jahre in eine solche. Manche bis zum Ende ihres Lebens – ohne sich auch nur einen Augenblick lang unfrei gefühlt zu haben.

Und wer kennt schon seine Denk-Grenzen? Wer kennt die absoluten Grenzen seiner mentalen Möglichkeiten?

Ich nehme mal an, wir haben 25 Sinne der Wahrnehmung zur Verfügung. Meinetwegen können wir uns zusätzlich auch noch ein paar technische Hilfskonstruktionen (Krücken) bauen, um damit den einen oder anderen Sinn ein bißchen zu erweitern, aber irgendwo ist die absolute Grenze.

Also sind wir in dieser Inkarnation als Mensch wohl nicht wirklich frei: Unsere Sinne begrenzen uns. Unser Vorstellungsvermögen begrenzt uns. Körperlich sind wir in unserem Bewegungsradius eingeschränkt. Im Denken sind wir begrenzt. Unser Erinnerungsvermögen ist rudimentär. Fühlen können wir nur, was wir fühlen können und nichts darüber hinaus. Können wir mehr wollen, als wir wollen? – Können wir überhaupt wollen, was wir wollen?

Trotz aller Begrenzungen haben wir alles, um ein zufriedenes, ein aufregendes, ein intensives, ein erfüllendes, ein auf vielen Ebenen reiches Leben führen zu können.

O.k., womöglich können wir es nicht wirklich „führen“, 😉
doch können wir viele seiner Nuancen bewußt erleben.

Ob determiniert oder nicht, geht die (echte) Philosophie nichts an. Warum nicht? Weil sich hier das Feld der Spekulationen (2) auftut und das ist nicht die Ebene der Weisheit (6), also nicht das Feld der Philosophie. Auf jeden Fall sind wir so frei, daß wir als Menschen die anstehenden Erfahrungen machen und (geistig) reifen können.

kunstschaffende: „Wahre Freiheit findet für mich nur im Geiste statt!“

Die körperliche Bewegungs-Freiheit ist aber auch nicht zu verachten.
Solltest du die außerkörperliche meinen: Da könntest du Recht haben.

kunstschaffende: „Die Gedanken Freiheit ist noch nicht sichtbar!“

Auch wenn du sie (noch) nicht sehen kannst: Sie ist da. Im Rahmen dessen, was dir der Verstand ermöglicht, hast du alle Freiheiten der Welt. Wer wollte oder könnte sie dir nehmen? – Wenn wir mal von den Konditionierungen, die in den frühen Jahren stattgefunden haben, absehen. Und da wären noch die Prägungen und somit Einengungen, die sich jeder, zum Beispiel mittels seines „Weltbildes“ und den internalisierten Wertvorstellungen, selber konstruiert.

Innerhalb all dessen:
Gedankenfreiheit. 🌾

Freiheit  📌

Liebe

G.B.Shaw, Liebe, Nirmalo,

Dein Satz zur Liebe, George Bernard, gibt Weite, enthält aber auch einen kleinen Wermutstropfen:

„Menschen, an denen uns gelegen ist“

Die Liebe kennt keine Unterscheidungen, Trennungen, Ausgrenzungen…

Ein Aspekt der Liebe ist die selbstverständliche Bereitschaft,
den Menschen die Freiheit zu lassen, sich so geben und ent-
falten zu können, wie sie wollen und sein können. – Einerlei,
ob wir mit allem d’accord gehen oder nicht.

Zur Freiheit des Handelns

Niemand kann mich zwingen auf seine Art (wie er sich das Wohl-sein anderer Menschen denkt) glücklich zu sein, sondern ein jeder darf seine Glückseligkeit auf dem Wege suchen, welcher ihm selbst gut dünkt, wenn er nur der Freiheit Anderer, einem ähnlichen Zwecke nachzustreben, die mit der Freiheit von jedermann nach einem möglichen allgemeinen Gesetze zusammen bestehen kann, (d.i. diesem Rechte des Andern) nicht Abbruch thut.

– Immanuel Kant, AA VIII, 290[17]

Das geht auch kürzer und für jeden verständlich:

Was du nicht willst, das man dir tu´, 
das füg auch keinem andern zu.

– Tobias 4,16

Lesen

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Lesen  oder  wahrnehmen ?

Es hält sich das beliebte Märchen, Intelligenz und Weisheit verhielten sich proportional zum geistigen Konsum von Büchern, Sätzen, Wörtern und Lettern. 🤗

Die Formulierung »Autonome Wahrnehmung« wäre doppelt gemoppelt, denn Wahrnehmung (falls es sich wirklich um diese handelt) ist immer autonom.

Das „Problem“ mit der Wahrnehmung
ist der Brei von hunderten von Büchern
und Schriften, der uns die Brille verklebt.

Den Schriften fehlt halt der Warnhinweis:

LESEN… SCHADET
IHRER  GEISTIGEN
G E S U N D H E I T

Denn das WAHRNEHMEN erfordert ein erhöhtes Maß an Intelligenz, während wir beim LESEN – beinahe wie unmündig oder behindert – geistig an der Leine des Autors geführt werden.

Das Lesen bedarf an Intelligenz
allenfalls den stand-by-modus.
Weisheit braucht es gar keine.

Verrückte Welt

Wir leben in einer verrückten Welt. Menschen sterben vor Hunger, aber Schoßhündchen gehen an Verfettung ein.

– Norman Mailer 

Wir Menschen sind frei.
Also können wir uns auch daneben benehmen.

Wenn wir aus der Liebe gefallen sind, unterscheiden wir z.B. zwischen solchen Menschen, die uns genehm sind und den anderen, die uns eher unangenehm sind. Es stellt sich Angst ein und wir erfinden den Begriff Eigentum.

  • Ich
  • Mein Hund
  • Meine Familie
  • Mein Deutsch-Land

Alles, was „MEIN“ ist, soll gesund und mobil sein, viel zu essen, gute Kleidung zur Verfügung, sowie ein stolzes Bankkonto haben, außerdem wollen wir ein möglichst repräsentatives Anwesen unser „Eigen“ nennen können. Ausreichende Versicherungen und die Security sollen „meinen Wohlstand sichern“.

Die anderen? Egal.

Sobald wir realisieren, daß es in Wirklichkeit keine Fremden gibt, daß wir EINE Familie sind, wird niemand verhungern oder unnötig Not erleiden.

Und dem Schoß-Hündchen
geht es auch wieder besser.

Erinnern & Vergessen

Wir vergessen, weil wir müssen und nicht, weil wir wollen.

– Matthew Arnold

So ist es: Die Entscheidung darüber ist uns abgenommen.

Denn weder das Erinnern, noch das Vergessen liegen in unserer Hand. Beidem sind wir komplett ausgeliefert; was aber kein Problem darstellt. Es ist eh nur ein kleines Häufchen an Fragmenten, was wir Erinnerung nennen. Ob es uns gefällt oder nicht:

  • Wir können nicht erinnern, an was wir uns nicht erinnern.
  • Wir können nicht vergessen, was wir gerne vergessen würden.

 

Praktischer Test:
Angenommen, Sie waren gestern 16 Stunden lang wach und schreiben jetzt alle Sequenzen auf, an die Sie sich heute noch erinnern. Wie viele Minuten kommen zusammen?

Der Härtetest: 😎
Wie viele Sekunden bleiben von vorgestern?