
Nichts ist uns fremd
Die größte Gefahr, vor der wir stehen, sind wir selbst – unsere irrationale Angst vor dem Unbekannten. Aber es gibt kein Unbekanntes. Nur Dinge, die vorübergehend verborgen sind, vorübergehend nicht verstanden.
– Gene Roddenberry
Ja, „die größte Gefahr, vor der wir stehen, sind wir selbst“, aber nicht wegen einer „irrationalen Angst vor dem Unbekannten“, sondern wegen unserer geistigen Unreife, die sich in mangelndem Unrechtsbewußtsein zeigt. Unser geistiges Reifen hält mit der rasanten Entwicklung in Wissenschaft, Forschung und Technik nicht mit.
Angst ist immer „irrational“. Sie ist von der Ratio getrennt. Ihre Wurzel ist die Furcht vor Auslöschung. Während einiger spannender Filmsequenzen, die wir „packend“ nennen, können wir sie während eines Kino-Besuchs in Funktion erleben.
Gene Roddenberry: „Aber es gibt kein Unbekanntes.“
◾ JA, soweit du es allumfassend (spirituell) meinst.
◾ NEIN, soweit du unsere menschlichen Erfahrungsmöglichkeiten meinst, denn hier sind wir sehr eingeschränkt:
Wie sich der eigene Körper mit einem elefantösen Rüssel anfühlt, wird dem Hasen… Zeit seines Lebens verborgen bleiben. Genauso können auch wir nur die Erfahrungen (inklusive der intellektuellen) machen, die wir im Rahmen unserer Inkarnation als Menschenwesen machen können.
◾ JA: Letztlich ist uns nichts im Universum fremd.
◾ Jedoch als Mensch haben wir nur beschränkten Zugang:
- Es gibt Sachen, die wir individuell oder kollektiv bereits erdacht, erkannt, erfunden oder erlebt haben.
- Es gibt Sachen, die wir bisher noch nicht erdacht, erkannt, erfunden oder erlebt haben, aber (zumindest zum Teil) irgendwann erdacht, erkannt, erfunden oder erlebt haben werden.
- Es gibt Sachen, die wir in dieser Frequenz niemals erdenken, erkennen, erfinden oder erleben werden/können.
Der Raum des Erforschbaren ist immer noch groß genug, sodaß wir Zeit unseres Lebens genug zu tun haben. – Allein damit, die Folgen dessen, was wir in den letzten paar hundert Jahren mit unserem kindischen (2) Vorgehen versaubeutelt haben, einigermaßen zu korrigieren.
(Kindisches Vorgehen = Tun ohne Verantwortungsbewußtsein)
Interdependenz

Erkenne dich selbst !
Erkenne dich selbst! stand am Eingang der antiken Welt geschrieben. Über den Eingang der neuen Welt wird geschrieben stehen: Sei du selbst!
– Oscar Wilde
Und wie willst du du selbst sein, so lange du dich noch gar nicht erkannt hast? Wer dem ersten Imperativ gefolgt ist, für den ist der zweite irrelevant, obsolet.
Die Bedeutung des „Erkenne dich selbst!“ wird bleiben, solange es Menschen gibt. Es ist kein Phänomen eines bestimmten Zeitalters: Es handelt sich hier um einen Hinweis auf dem Weg des spirituell Suchenden.
Wer sich selbst erkannt hat, braucht den zweiten Imperativ nicht mehr – auch nicht als netten Hinweis: Die beiden Aufforderungen befinden sich nicht auf der selben Ebene.
„Sei du selbst“ dagegen ist… bloß eine psychologische Empfehlung auf der sozialen Ebene. Dafür ist Bewußtheit keine Vorausetzung.
Sich selbst erkennen wollen, ist keine „antike“, keine vergangene Geschichte, sondern eine immer zeitgemäße, individuelle, nach innen gerichtete Wissenschaft.
Denkfaulheit

Aufklärung = ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit.
Unmündigkeit = ist das Unvermögen, sich seines Verstandes ohne Leitung eines anderen zu bedienen.
Selbstverschuldet = ist diese Unmündigkeit, wenn die Ursache derselben nicht am Mangel des Verstandes, sondern der Entschließung und des Mutes liegt, sich seiner ohne Leitung eines andern zu bedienen.
Sapere aude!
Habe Mut,
dich deines eigenen
Verstandes zu bedienen !
Faulheit und Feigheit sind die Ursachen, warum ein so großer Teil der Menschen, nachdem sie die Natur längst von fremder Leitung freigesprochen, dennoch gerne zeitlebens unmündig bleiben; und warum es anderen so leicht wird, sich zu deren Vormündern aufzuwerfen.
Es ist so bequem,
unmündig zu sein.
Habe ich ein Buch, das für mich Verstand hat, so brauche ich mich ja nicht selbst zu bemühen. Ich habe nicht nötig zu denken – andere werden das lästige Geschäft schon für mich übernehmen.
Zu dieser Aufklärung aber wird nichts erfordert als Freiheit; und zwar die unschädlichste unter allem, was nur Freiheit heißen mag, nämlich die: Von seiner Vernunft in allen Stücken öffentlichen Gebrauch zu machen.“ – Imm. Kant (Zitat-Ende)
Was ist Aufklärung ?
Aufklärung geschieht nicht durch das Fernbetrachten von etwas Vergangenem (Literatur), sondern indem wir in Echtzeit und auf eigenen Füßen das Feld der Aufklärung betreten.
Der Aufklärung liegt der Entschluß zugrunde, sich aus der
selbst-gebastelten Unmündigkeit heraus zu emanzipieren.
- Aufklärung ist nichts, das wir von außen (von Jemandem oder aus der Literatur) bekommen könnten. Sie ist nichts, was gekauft oder gegeben werden könnte. Also ist sie niemals identisch mit Information (die mit „glauben“ in Verbindung steht).
- Aufklärung kann nicht angelesen, studiert oder gelehrt werden.
- Aufklärung ist kein Verfahren, das irgendwann einmal abgeschlossen wäre.
- Aufklärung hat einen Anfang in Form einer Entscheidung – aber kein Ende.
- Aufklärung ist die permanente Bereitschaft, sich für die Wahrheit offen zu halten.
- Aufklärung heißt ebenfalls, sich nicht von den eigenen Vorurteilen einfangen zu lassen.
- Aufklärung bedeutet, die volle Verantwortung für die eigene Sicht auf die Welt, auf ihre Details und auf sich selbst zu übernehmen.
Das Gegenteil von Aufklärung (in diesem Sinne) sind…
Manipulation, Propaganda und vor allem Denkfaulheit.
Lesen = ist die Bereitschaft, sich durch permanente Anhäufung von Denk-Gespinsten Anderer, die sensiblen Antennen des eigenen Wahrnehmungs-Sensoriums zuschütten oder abtöten zu lassen.
Aufklärung ist selbstverständlich ebenfalls nicht, ein Glaubens-Konstrukt gegen ein anderes auszutauschen, also die Gemeinde zu wechseln.
Zwischen Aufklärung und Glauben gibt es keine Gemeinsamkeit.
Conclusio:
Aufklärung = ist die andauernde Bereitschaft zur freien
Entfaltung der eigenen Fähigkeit zur selbständigen Wahr-
nehmung und weisen Integration alles Wahrnehmbaren.
.
Geistige Souveränität
„Aufklärung“ ist der Begriff, den Immanuel Kant im Zusammenhang mit Klarheit (Klärung) verwendet, doch eigentlich plädiert er für die geistige Souveränität eines Jeden.
„Aufklärung“ suggeriert, jemand will mich aufklären oder ich will jemanden aufklären. Also kann die Absicht zur Aufklärung im weitesten Sinne auch mit Überredung, mit Manipulation, mit Übergriffigkeit zu tun haben.
Aus diesem Grund bevorzuge ich wahlweise einen der folgenden Begriffe:
Geistige Autonomie
Geistige Mündigkeit
Geistige Souveränität
Wobei der Schwerpunkt nicht auf dem Denken liegt, sondern auf einer möglichst klaren Art der Wahrnehmung, denn:
Das Wahrnehmen ist weit größer als das Denken.
Das Denken bekommt erst in der kognitiven Nachbereitung seine Wichtigkeit.
Geistige Souveränität = ist die andauernde Bereitschaft zur
freien Entfaltung der eigenen Fähigkeit zur selbständigen
Wahrnehmung und weisen Integration alles Wahrnehmbaren.
Denken 📌
.
Zitat: Immanuel Kant, im Jahr 1784, in der „Berlinische Monatsschrift“
Harmonie

Weltformel
Wir sollten diesen Hund nicht „dumm“ nennen,
solange wir noch nach der Weltformel suchen.
Dieses Wesen ist beschränkt darin, die Gesamt-Situation erfassen zu können – genauso wie wir, bezüglich der unseren…, wenn wir die ganze Welt zu fassen kriegen wollen.

Die Situation dieses Hundes verstehen zu können, erhebt uns nicht. Wir haben keinen Grund, sein Engagement zu belächeln. Was die Beschränktheiten betrifft, sitzen wir im selben Boot. 😉 Die Unterschiede sind letztlich marginal:
Er kann die Grenze seiner Verstehens-Möglichkeiten
nicht erkennen – und wir unsere. . . ebenfalls nicht.
– Nirmalo
Nichtwissen

Freiheit
Frei sein, heißt wählen können, wessen Sklave man sein will.
– Jeanne Moreau
Ja, unsere Freiheit ist so groß, daß es sogar möglich ist, sich freiwillig in Unfreiheit zu begeben und ja, wir haben die freie Wahl zwischen verschiedenen Arten (Qualitäten), Orten, Strukturen und Menschen (Charakteren), Unfreiheit zu erleben.
Gehorsam ist nicht
= gleich Gehorsam,
…obwohl es sich um ähnliche Verhaltensmuster handelt. Beispiel:
◾ Fahnen-Eid beim Militär
◾ Ordens-Gelübde im Kloster
Der Gehorsam als solcher ist in der Einrichtung Militär der selbe wie der in der Einrichtung Kloster. Und doch gibt es hier einen himmelweiten Unterschied.
Gehorsam ist freiwillige Selbst-Einschränkung als
rituelles Element innerhalb einer fiktiven Struktur.
Das gilt ab der Erwachsenen-Reife. Bis dahin muß in diesem Kontext Unfreiwilligkeit attestiert werden.
Wer das weiß, weiß zudem, daß er selbst im Gehorsam die Verantwortung für sein Tun & Lassen letztlich nicht abgibt, niemals abgeben kann!
In sehr vielen alltäglichen Strukturen sind wir ebenfalls nicht wirklich frei – nur weniger offensichtlich. Und wir sind uns nicht darüber im Klaren, daß wir gehorchen. Zwei Beispiele:
• Beziehungs-Geflechte
• Straßenverkehrs-Ordnung
Wir begeben uns (mindestens partiell) freiwillig in Unfreiheit.
Das macht die Reife des Erwachsenen (4) aus, daß er nun in
der Lage ist, Verantwortung zu erkennen und anzunehmen.
Einwand: „Der „freie Wille“ ist grundsätzlich eine Illusion. Jedenfalls in der Vorstellung der Deterministen.“
Den Verdacht habe ich auch, aber das berührt nicht mein Verhalten in dieser Dimension. Hier ist der freie Wille (ob Illusion oder nicht) Lebensvoraussetzung. Wir können nicht leben, wir können nichts tun, ohne die Annahme, daß wir frei entscheiden können, was wir tun oder lassen.
Was aber irgendwelche „Deterministen“ und ihre Vorstellungen dazu sagen, ist komplett irrelevant. – Wie ist die Sachlage an deinem Wohnort?
Frage: „Sind die Gedanken „irgendwelcher Deterministen“ für dich grundsätzlich irrelevant?“
An dem, was irgendwelche Deterministen zu sagen hatten, bin ich nicht interessiert. Sie sind entweder tot oder weit weg. Sie gehen mich nichts an.
Wie ich selbst die Dinge bezüglich des freien Willens sehe, hatte ich kurz angerissen.
Doch wie ist DEIN Blick in die Dinge? Siehst du selber dich in Willens-Angelegenheiten als frei… oder siehst du deine Handlungen, deine Entscheidungen und dein Wollen als bereits vorbestimmt, als längst festgelegt an?
Ist also der Freie Wille
a) real
b) oder bloß eine beliebte Illusion?
Jeanne Moreau: „Frei sein, heißt wählen können, wessen Sklave man sein will.“
Es ist wohl die allgemein beliebte gegenseitige Sklaverei auf Augenhöhe, auch (eheliche) Bindung genannt, die Madame Moreau hier gemeint hat. In ihr steht nicht die Freiheit, nicht der freie Ausdruck, nicht die freie Entfaltung und auch nicht die Freiheit des Willens im Vordergrund, sondern… die gegenseitige Erfüllung unterschiedlicher Bedürfnisse.
Anpassung ist selbst
gewählte Unfreiheit.
Man ist überrascht, wenn sich mal jemand aus dem Mittelmaß herausbewegt. Ich denke gerade an Simone de Beauvoir und an Dorothea Christiane Erxleben. Aber auch an Emma Goldmann, die in ihrem spießigen Feministinnen-Club verlauten ließ:
„Wenn ich nicht tanzen darf, will ich an eurer Revolution nicht beteiligt sein!“
Sie fallen auf, die wenigen Menschen, denen Freiheit und Wahrheit wichtiger sind als die kuschelige Spießigkeit, die letztlich immer – auf freiwilliger Basis – mit fein strukturierter Sklaverei abgegolten wird.
Weisheit

