Denkende Wesen

Es scheint mir, daß der Versuch der Natur, auf dieser Erde ein denkendes Wesen hervorzubringen, gescheitert ist.

– Max Born

Max, es ist nicht das Denken, woran es fehlt.
Was uns fehlt, ist eine ganz andere Qualität.
Und die Natur ist dafür nicht verantwortlich!

Gedacht wird sehr viel. Die meisten Menschen denken nahezu ununterbrochen und sind noch stolz drauf: „Ich denke, also bin ich!“ Damit wird nahegelegt, daß man das Denken als die Seele seiner Existenz ansieht.

Wir dürfen nicht alles allein vom Verstand erwarten.
Er ist ein nützlicher Automat, das war´s auch schon.

Banalität ist, mit einem plappernden Denk-Automaten durch die Welt zu laufen. – Der Denk-Apparat ist, wie wir alle leicht selber herausfinden können, in diesem Modus nicht einmal sonderlich hilfreich.

Außergewöhnlich ist, wenn wir denn mal einen Abstand von den Denkvorgängen gewinnen, wenn wir gelegentlich still sein können, also den Verstand nur bei Bedarf „gebrauchen“ und ihn damit erst – wie jedes andere Werkzeug – sinnvoll einsetzen.

Die Menschen suchen „im All“ nach intelligenten Wesen. Alternativ könnten wir selber die uns zugängliche Intelligenz nutzen, um weise handeln zu können: Dann bräuchten wir woanders nicht weiter zu suchen. Das wäre intelligent und effizient.

Es sind die höheren Ebenen der Intelligenz und unsere Empathiefähigkeit, die wir in unser Denken einfließen lassen müssen, wenn wir – dem Selbstbild der meisten Menschen gemäß – humanistisch handeln wollen.

Die Intuition ist ein besonders wichtiger Teil der uns allen zur Verfügung stehenden Intelligenz, der aber in unseren Schulen und Universitäten derzeit nicht die nötige (meist gar keine) Beachtung findet.

Nein, es ist nicht die Natur, die gescheitert ist. Sie ist es schließlich, die uns alles Erforderliche zur Verfügung stellt! Allenfalls sind wir es selbst, die scheitern, wegen Unterlassung des Offensichtlichen.

Statt uns über die Natur oder vermeintlich nicht-denkende Menschen zu beklagen, könnten wir alternativ… der Dankbarkeit eine Chance geben.

PS: Unsere höheren Möglichkeiten haben keine Direktverbindung zum Verstand.

Das Unmögliche

Wer sich alles vorstellen kann, kann das Unmögliche schaffen.

– Alan Turig

Ist das wahr? Gibt es wirklich jemanden, der „sich alles vorstellen kann“ ?

Ich selber kann mir schon sehr viel vorstellen (z.B. eine echte (!) Bürgerbeteiligung). Womöglich ist in Sachen Imagination noch viel Luft nach oben. – But there are limits.

Ich kann mir nicht mehr vorstellen, als ich mir jemals vorstellen kann. Und: Ich brauche mir auch nichts vorzustellen, was ich mir nicht vorstellen muß/soll/kann.

Anders gesagt: Ich kann mir so viel vorstellen, wie ich jemals kann.
Mehr geht nicht. Und mehr ist nicht nötig. Da kann ich entspannen.

Mein Vorstellungsvermögen ist
für mein Leben genau passend.

Alan: „…kann das Unmögliche schaffen“

Ist das wahr? Kann das jemand?

Wohl nicht. Ja, vermutlich können wir morgen mehr schaffen, als wir uns heute vorstellen können. Aber wir können immer nur das uns Menschen mögliche schaffen – im Guten wie im Schlechten. Mehr nicht. Wir sind in dieser Inkarnation (von ein paar Astral-Reisen abgesehen) an diesen Körper und seinen kleinen Verstand gebunden.

Egal, was wir jemals zu sehen vermögen: Die Summe der Aussichten ist überschaubar.

Und ja, es ist in vielerlei Beziehung sehr viel mehr möglich als wir uns bis heute vorstellen können – weil wir unser Potenzial an Vorstellungsvermögen nicht kennen.

Aber einerlei, was wir als Individuum oder als Menschheit jemals fabrizieren werden, es ist niemals mehr möglich… als uns (letztlich) möglich ist.

Auf der anderen Seite können wir Dinge, die sich gestern noch kaum jemand vorstellen konnten, bereits heute realisieren: Sie lagen (ohne daß wir davon wußten) im Bereich des Möglichen.

Sobald sich genügend Leute die echte (!) Bürgerbeteiligung
vorstellen können, wird sie umgehend realisiert werden.

Das Ausschöpfen des Möglichen ist jedoch nicht identisch mit der Realisierung des Unmöglichen, sondern bloß die Folge einer Erweiterung des bis dahin Vorstellbaren.

Schöpfen können wir nur im Möglichen.

Frohes Schaffen! 🌿

Der Größte

Der größte Philosoph ist das Gewissen. 

– Jean-Jacques Rousseau

Der Wahrheit zuliebe muß es gesagt sein: Das ist ausgewachsener Blödsinn.

Eines der wichtigsten Elemente der Philosophie ist das Unterscheidungsvermögen. Die Unterscheidung zwischen wahr und unwahr, zwischen wesentlich und nützlich, zwischen bedeutend und bloß praktisch, zwischen dem, was wir handhaben und gestalten können (also kleiner ist als wir) und dem, was größer ist als wir…

Philosophie = ist die Liebe zur Weisheit.

Kein Teil eines Regelkonstrukts ist je vom Wert einer menschlichen Person. Und keinem gesellschaftlichen Regelwerk wohnt lebendige Weisheit inne. Das ist nicht möglich.

Teils gut, teils nicht so gut, manchmal auch schlecht: Regelwerke funktionieren.

Ist eine Moral klug ausgetüftelt, fein. Mehr ist nicht zu erwarten. Im besten Fall befanden sich jene Menschen, die ihrerzeit ein solches Werk ausbrüteten, auf der Ebene der Weisheit.

Gewissen = ist eine von außen aufoktroyierte, inzwischen internalisierte moralische Richtschnur, (letztlich) basierend auf Angst. Es ist ein primitiver psychologisch funktionierender „Mechanismus“, welcher vorwiegend zur Stabilisierung von Gruppen in Funktion gebracht wird.

Gewissen hat keinen Bezug zur Intelligenz, keinen zur Weisheit und keinen zur Liebe.

Gewissen wird nur dort gebraucht.., wo die
Geistige Reife auf niedrigem Level dümpelt.

Es ist etwas für Leidensfreudige: Ein gesellschaftlich nützliches, weil masochistisch funktionierendes Modul, als Ausgleich für mangelnde Bewußtheit.

Das Gewissen ist eine Art
internalisierter Peitsche.

Auf ein Mehr an Bewußtheit folgt ein Weniger an Gewissen. Aber Achtung: Auf ein Weniger an Gewissen folgt nicht zwangsläufig… ein Mehr an Bewußtheit!

Gewissenlosigkeit ist nur dann etwas Edles,
wenn Bewußtheit…  diesen Platz einnimmt.

Drittens: Einen großen Philosophen, gar „den größten Philosophen“ gibt es nicht. So wie es auch den kleinen oder „den kleinsten Philosophen“ nicht gibt oder geben kann. Es gibt nicht einmal „den Philosophen“.

Weisheit kennt keine Komparation.

Hat schon mal jemand von „der Liebenden“ gehört, oder gar vom „größten Liebenden“?

Wir alle können uns jederzeit der Liebe öffnen und ebenso können wir uns der Weisheit öffnen. Aber wohl kaum jemand von uns ist ständig im Zustand der Liebe; ebenso ist wohl auch kaum jemand permanent in der Frequenz der Weisheit.

Es gibt d e n Schreiner,
aber nicht d e n Philosophen.
Das Ausgangs-Zitat ist Beleg dafür.

Denn mit deinem Satz gewichtest du einen psychologischen Reflex über die Weisheit, Jean-Jacques Rousseau. Damit hast du die Philosophie nicht nur nicht gestreift, damit hast du ihr gerade mal den Rücken gekehrt.

Reichtum

Den größten Reichtum hat,
wer arm an Begierden ist.

– Lucius Annaeus Seneca

Das stimmt nicht so ganz, Lucius Annaeus.

1. Unausgesprochen wird Reichtum meistens mit Glück assoziiert. Glück ist aber nichts weiter als eine plötzliche und nicht lang andauernde Ausschüttung von Glücks-Hormonen.

2. Was verstehen wir selber unter Reichtum?

• Reichtum durch unsere Weisheit?
• Reichtum durch die Fähigkeit zu Mitgefühl?
• Reichtum durch unseren Zugang zur Intelligenz?
• Reichtum durch zu bekommende Dienstleistungen?
• Reichtum durch den Zugang zu vielen materiellen Gütern?
• Reichtum als Gefühl, aufgrund öffentlicherer Aufmerksamkeit?
• Reichtum durch hohe (Geld-)Zahlen auf Papier oder dem Bildschirm?

Reichtum – und damit das Gefühl von Glück – ist abhängig von äußeren Umständen, die mittels der Hormone kurzfristig unser Befinden angenehm beeinflussen.

3. Dauerhafter, jedoch nicht ganz so spektakulär in ihren Ausschlägen 😉 ist die Zufriedenheit.  Sie ist eine andere Kategorie. Zufriedenheit ist nicht davon abhängig, ob wir viel oder wenig von was auch immer zur Verfügung haben.

Zufriedenheit ist eine
Folge von Erkenntnis.

Das unentwegte Streben nach (noch mehr) Reichtum, sowie die erfolglosen Versuche, Begierden zu befried(ig)en, zeigen uns auf den unteren Ebenen unserer Geistigen Reife – Zufriedenheit auf den höheren. Sie ist nicht so leicht durch wegnehmen oder hinzufügen (von was auch immer) zu stören.

4. Gegenüber unseren Begierden das „Opfer“ zu geben, ist nur EINE Möglichkeit, denn neben den Instinkten, die uns mit den anderen Tieren verbinden, sind wir auch in der Lage, bewußt zu sein: Selbst die stärksten Begierden können wir kommen und gehen sehen – ohne ihnen blind folgen zu müssen.

Unser größter Reichtum ist das Bewußtsein. 🌷

Kaum ein Punkt

Was unser Denken begreifen kann, ist kaum ein Punkt, fast
gar nichts im Verhältnis zu dem, was es nicht begreifen kann.  – John Locke

Einige deiner Sätze das Denken betreffend, lassen vermuten, daß du die relative Größe des Verstandes siehst; daß du zwar seine Möglichkeiten schätzt, aber auch problemlos seine Grenzen und sein Unvermögen anerkennst.

Damit befindest du dich außerhalb des Illusionsbereichs der Masse der Intellektuellen, inklusive der der Wissenschaftler, die fast allesamt das Denken, also die intellektuelle Partition des Verstandes für die höchste Instanz halten. 

Sie meinen, daß alles am intellektuellen Verstand und mit diesem zu messen sei.

Da deine Sicht auf das Denken nicht begründbar ist, werden sie sagen, daß du dich im Unrecht befindest. Denn ihnen ist der Beweis die Meßlatte.

Was sie nicht verstehen: Diese Meßlatte ist nur ein Werkzeug der Logik, die wiederum auch nur ein Werkzeug des Verstandes ist, der wiederum auch nur ein Werkzeug ist.

Zwar ist das Denken ein genauso wichtiger Teil wie unsere Beine, unser Rückgrat und unser Gleichgewichts-Sinn, aber eben nur EIN Instrument in einem großen Orchester.

Sie können es auch gar nicht verstehen, da sie sich nur im Verstand bewegen und aus ihm heraus die Welt begreifen wollen und grundsätzlich nicht bereit sind, etwas größeres als ihn anzuerkennen. Hier ist die fehlende Bereitschaft zur Draufsicht das größte Hindernis für eine intelligente Öffnung.

     Vergleichbar dem Frosch, der nicht aus dem Brunnen klettert, weil er fest 
     davon überzeugt ist, daß sein Blick auf den Himmel der größtmögliche ist.

Ja, was wir mit unser Denken begreifen können, ist kaum ein Fliegenschiß, es ist fast gar nichts im Vergleich zu all dem, was der Verstand überhaupt nicht begreifen kann.

Die gute Nachricht: Es wird auch nicht gebraucht. Das, was wir mittels unseres Denkvermögens nicht begreifen können, braucht auch nicht begriffen zu werden.

Das Mentale hat eine überschaubare Aufgabe. Alles Übrige geht es nichts an.

Wahrheit

Wir sind dazu geschaffen, die Wahrheit zu suchen;
sie zu besitzen ist das Vorrecht einer höheren Macht.

– Michel de Montaigne

Auch wenn er so schön klingt, muß deinem Satz widersprochen werden:

1. Die Wahrheit ist nicht etwas, welches irgend jemand besitzen könnte.
2. Niemand hat ein „Vorrecht“ auf die Wahrheit auch nicht eine „höhere Macht“.
3. Die Wahrheit muß und kann nicht gesucht und dann später… gefunden werden.

Was wir jedoch können, weil es in unserer Macht liegt:

Unsere Bereitschaft (!) beschließen, uns
der Wahrheit gegenüber offen zu halten.  

4. Ein „Vor-Recht“ auf Wahrheit zu beanspruchen ist schon deshalb blanker Unsinn, da sie eh uns allen — wie die Atemluft — permanent zur Verfügung steht.
5. Daß der Mensch keinen Sinn für die Wahrheit habe, daß sie übermenschlich sei, ist nur eine faule Ausrede derer, denen sie nicht sonderlich viel bedeutet.

Ein Geheimschlüssel zum Erkennen der Wahrheit ist die
fortwährende Einübung in die eigene Wahrhaftigkeit. 😎